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Montag, 20.01.2020

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"Bengatz kunterbunt": So war der Pegnitzer Gala-Abend

Im Jahr der Kommunalwahl ist der Zuspruch am Gala-Abend des Vereins Glückauf außergewöhnlich groß. - 12.01.2020 17:04 Uhr

Bürgermeister Uwe Raab bei seiner traditionellen Büttenrede. © Foto: Klaus Trenz


Der Winter hat noch nicht richtig begonnen und schon lässt sich eine weitere Jahreszeit blicken – die der Narren und Tollitäten. Auch in diesem Jahr veranstaltete der Verein Glückauf seinen bekannten Gala-Abend in der Christian-Sammet-Halle. Dabei bot er neben den faszinierenden Garde- und Schautänzen eine Präsentation des Bürgermeisters, einen weiteren Spitzenkandidaten für die Wahl des Rathauschefs und andere spaßige Einlagen.

Mit elf Gongschlägen und dem Einmarsch des Elferrats startete der Verein Glückauf seinen diesjährigen ersten Gala-Abend unter dem Motto "Bengatz kunterbunt". Moderator Florian Nega vergewisserte sich, ob es Gäste gebe, die das erste Mal da seien, oder ob jeder die Bräuche eines solchen Abends kenne und forderte Neulinge auf, sich zu melden. "Ich sehe ein paar Meldungen. Dann erkläre ich unseren Schlachtruf. In Pegnitz haben wir unsere Bergwerksvergangenheit aufgegriffen und deshalb rufen wir: Bengatz Glückauf", erklärte Nega und rief zugleich: "Bengatz", was die Gäste mit "Glückauf" quittierten.

Gleich zwei Bier spendiert

Rund 300 Gäste besuchten den Gala-Abend, kaum ein Platz war leer, worüber sich auch Vereinspräsidentin Andrea Porsch verwundert zeigte. "Es wird doch nicht am März liegen, der uns verfolgt", witzelte sie. Die kommende Kommunalwahl hatte offensichtlich den Gala-Abend erreicht und so waren neben dem amtierenden Bürgermeister Uwe Raab (SPD) fast alle Bürgermeisterkandidaten erschienen. Darüber konnte sich Moderator Florian Nega freuen, wies er doch während des ganzen Abends immer wieder daraufhin, dass ein gespendetes Bier eines Kandidaten ihn eventuell auf dessen Seite ziehen könnte.

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"Bengatz kunterbunt", akrobatisch und witzig

Auch in diesem Jahr veranstaltete der Verein Glückauf seinen bekannten Gala-Abend in der Christian-Sammet-Halle. Dabei bot er den 300 Gästen neben den faszinierenden Garde- und Schautänzen eine Präsentation des Bürgermeisters, einen weiteren Spitzenkandidaten für die Wahl des Rathauschefs und andere spaßige Einlagen.


Nega amüsierte sich köstlich darüber, dass von den Freien Wählern gleich zwei Bier gespendet wurden. "Hier gab es wohl keine Absprache und eine Verwirrung, da der Bürgermeisterkandidat Thomas Schmidt nicht anwesend ist", rief er in den Saal. "Da fühlte man sich anscheinend gleich doppelt in der Pflicht. Das ist gut für mich." Woraufhin der Moderator ein weiteres Bier hob und allen zuprostete.

Bei den Garde- und Schautänzen machte die Jugend, die mit neuen Kostümen auf die Bühne marschierte, den Anfang. Den Kopf nach oben gestreckt und mit einem breiten, strahlenden Lachen formierten sich die Sechs- bis Zehnjährigen, um im Anschluss ihre Künste zu zeigen. So wirbelten sie, wie die ganz Großen, hin und her, sprangen in die Luft und landeten mit einem großen Knall im Spagat auf dem Boden. Stehender Beifall war den Kleinen gewiss.

Aber auch bei den anderen Gardetänzen der Junioren oder bei der Prinzengarde hielt es die Zuschauer nicht auf den Sitzen und so verlangten sie des öfteren nach einer Zugabe. Anscheinend waren die akrobatischen Einlagen sogar so überragend, dass ein Elferrat kurzerhand vom Stuhl kippte. "Kein Grund zur Sorge, es geht ihm wieder gut", klärte Andrea Porsch wenig später die Gäste auf.

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Vor 25 Jahren: Gala mit Pfarrer Franz Reus und seinem "Drei-Mädel-Haus"

Einen legendären Gala-Abend präsentierte die Pegnitzer Glückauf-Faschingsgesellschaft vor 25 Jahren, nicht zuletzt Dank eines sensationellen Auftritts von Pfarrer Franz Reus (mit Sonnenhut und Bermuda-Shorts) und seinem "Drei-Mädel-Haus" um Schwester Teresa. Kurz nach der Gründung der Kleinen Kommunität konterten sie damals die vielen Gerüchte rund um das Pfarrhaus in schonungsloser Offenheit. Weitere Höhepunkte waren der Auftritt der "Bengatza Hausfrau" Jutta Siewert, eine Szene im Vorzimmer von Bürgermeister Thümmler sowie eine Talkshow "Schreinemakers live" mit den Figuren Andreas Pflaum, Christa Goering, Ida Langer und Fritz Herrmann. Natürlich durften auch die Garden nicht fehlen. Fotos: Irene Lenk


 

Gardetanz mit Salto

Wie jedes Jahr statteten auch einige befreundete Faschingsvereine dem Gala-Abend einen Besuch ab und jeder einzelne zeigte, was die eigene Garde zu bieten hat. Darunter die Michelfelder Tanzmariechen Saskia Schiedl und Sophie Weber. Die neben Rädern und einem Spagat sogar einen Salto nach vorne zeigten.

Doch auch Hollfeld und Bayreuth schickten ihre flinken Tänzerinnen auf die Bühne, die ihre akrobatischen Künste dem Publikum darboten. So zeigte die Faschingsgesellschaft Hollfeld neben einem Schau- auch einen Gardetanz. Grün und Blau verkleidet erzählten sie die Geschichte zweier Schreckmonster aus dem Animationsfilm "Monster Uni". Dabei wurden einige in luftige Höhen gehoben, sodass so mancher Zuschauer den Atem anhielt. Von den Pegnitzern zeigte unter anderem das Tanzmariechen Alina Schmitt ihr Können auf der Bühne.

Doch nicht nur die Garden fegten über die Bühne, auch die Prinzenpaare stellten sich vor. Laura I. und Michael II. kamen in Begleitung des Kinderprinzenpaares Nina I. und Vincent I.. Letzterer wollte es sich, nach einem Seitenhieb seiner Prinzessin, nicht nehmen lassen, selbst seine Künste zu präsentieren. "Vincent fährt gerne BMX und weiter, ja weiter, glaubʼ ich, macht er nichts", sagte Nina I. Kurzerhand schnappte sich der Kinderprinz sein Gefährt und zeigte einige Stunts.

Bei den Sketchen gab es so manchen Bezug zur anstehenden Kommunalwahl. So stellte sich Andreas Schmidt, inoffizieller Obmann des Kleintierzuchtverbandes Fränkische Schweiz mit Oberpfalz, als vermeintlicher Bürgermeister-Spitzenkandidat vor. "Heute geht es nicht um Kleinvieh, Hasen, Hühner oder kleine Rindviecher, sondern um große", schrie Schmidt ins Mikrofon und rettete den Satz mit: ". . . also große Sachen und Dinge." Auf seiner Agenda, falls er zum Bürgermeister gewählt werden würde, stehe Freibier für alle und nicht nur für Politiker, witzelte er, und verkündete erneut seine Kandidatur, was für viel Gelächter in der Halle sorgte.

Auch in diesem Jahr wurde dem Stadtrat eine Aufgabe gestellt. Zum Motto "Bengatz kunterbunt" zeigte Raab mit einigen Stadträten auf, wie bunt die Stadt wirklich ist. So wurde darauf hingewiesen, dass derzeit 84 Nationalitäten in Pegnitz registriert seien; sie kommen aus Armenien, Griechenland, Albanien, Estland und vielen anderen Ländern. Kunterbunt verkleidet präsentierten sich dabei die einzelnen Stadträte. So kam Sandra Huber (Grüne) als Baum mit grünen Blättern, Werner Mildner (SPD) als amerikanischer Südstaaten-Texaner und Wolfgang Nierhoff (PEG) in einem Blumen- und Blüten-Anzug.

In seiner traditionellen Büttenrede griff der Bürgermeister das heiß diskutierte Thema Kassenbons auf: "Bei der Wellhöferin und dem Saafnsieder, da quellʼn die Abfalleimer über. Die Kassenbons – was für ein Graus, drücktʼs längst zur Ladentüre naus. Doch wenn die Ladenkassen dröhnen, und Massen in die Stadt reinströmen, weilʼs Käse kaufen, Wein und Bier, druckt man’s gern aus . . . das Altpapier." Passend zur anstehenden Kommunalwahl fuhr Raab fort: "Von der Wählergruppe Frei, gibt es sogar schon . . . derer zwei. Verdoppeln wollʼn sie ihre Sitze, andere lachen – machen Witze! Orange mal zwei, das ist ein Scherz, braung die jetzt schoʼ a Doppelherz?!"

Keine Spur von Müdigkeit

Die Christian-Sammet-Halle blieb bis zum Schluss voll, von Müdigkeit keine Spur. Wie auch? Denn kurz vor Ende kam noch ein Höhepunkt der speziellen Art: das Männerballett. Zu Queen-Songs wie "I want to break free" und "We will rock you" verbreiteten die Männer gute Stimmung und heizten den Gästen zu später Stunde noch mal ein. So forderte die Menge einstimmig eine Zugabe und erhielt diese auch, was die Zuschauer ein weiteres Mal auf die Füße brachte.

 

 

MARTIN BURGER

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