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Bernhecker will mit Milchtankstelle aus der Preiskrise

Jürgen Kalb bietet auf seinem Hof im Automat auch Fleischwaren an - 19.08.2016 12:27 Uhr

Der Weg vom Kuhstall (links) zur neuen Milchtheke ist nicht weit. Ab nächsten Freitag soll es in dem kleinen Holzhäuschen auf dem Hof von Jürgen Kalb in Bernheck täglich frische Rohmilch zu kaufen geben — rund um die Uhr. © F.: Patrick Schroll


Jürgen Kalb will irgendwann den elterlichen Betrieb in Bernheck übernehmen. 50 Milchkühe und 60 Hektar groß ist er. Seine Eltern verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt. Für den 36-Jährigen reicht es (noch) nicht ganz. Sein Haupteinkommen erzielt er zwar mit der Landwirtschaft, aber nicht im eigenen Betrieb. Wenn er kann, packt er Zuhause mit an.

Wegen des niedrigen Milchpreises sieht es für die Zukunft eines Milchbetriebes nicht rosig aus. 25 Cent bekomme er für den Liter auf dem Markt. Selbst 50 Kühe reichen da nicht aus, um am Ende von der schweißtreibenden Arbeit leben zu können. Für Kalb gibt es nur zwei Wege der Besserung, wobei der eine in eine Sackgasse führt: „Entweder größer werden oder weichen.“

Auch das Müsli gibt‘s dazu

Einfach ist das nicht. „Es ist schwer, in der Ortschaft Pachtflächen zu bekommen, weil viele schon weg sind und es viel Konkurrenz gibt“, sagt Kalb. „Um die Einkommensseite zu optimieren“, bietet er auf seinem Hof bald die erste Milchtheke im Landkreis Bayreuth an. Täglich will Jürgen Kalb für den frischen Nachschub sorgen. Doch damit nicht genug.

Mit einem zweiten Automat im Holzhäuschen auf dem Hofgelände will er regionale Waren von Landwirten anbieten, damit eine Art Dorfladen etablieren. Mit dabei: Eier von den eigenen Hennen. Alles weitere bezieht der 36-Jährige von seinen Berufskollegen. Auch Kürbiskerne und das Öl dazu soll es geben. Weiter wartet Grillfleisch im gekühltem Automaten auf Kunden, die in dem kleinen Häuschen am Eingang des Hofes rund um die Uhr einkaufen können. Auch das Müsli gibt es neben der Milch zu erwerben. Jürgen Kalb stemmt das Projekt nicht alleine: Für Wurstdosen und geräucherte Fleischwaren liefert das benachbarte Gasthaus Seitz zu.

Die Milch kann im rohen Zustand abgezapft werden, entweder im eigens mitgebrachten Gefäß oder im Ein-Liter-Milchglas — auch das hält der Automat vor. „Ich habe nach einer Einkommensmöglichkeit gesucht, um von der Politik, der Molkerei und dem Einzelhandel nicht ganz so abhängig zu sein“, erklärt Kalb den Ursprung seiner Idee.

Damit der Milchviehbetrieb kostendeckend arbeite, reiche ein Literpreis von 60 Cent aus. Im letzten Jahr fiel der um 40 Prozent auf das heute niedrige Niveau. Die Rohmilch direkt vom Hof fließt für eine Euro in die Flasche des Kunden. Damit deckt Kalb auch die Investition für den Automaten ab. Den gibt es nämlich nicht umsonst. Rund 10 000 Euro hat er dafür investiert.

Hoffen auf Kunden

Der Hof der Kalbs liegt idyllisch, abseits der Durchgangsstraße von Bernheck. Damit sich nicht nur einzelne Milchtrinker zum Automaten verirren, setzt Jürgen Kalb auf Touristen, die in den Ferienwohnungen des Ortes nächtigen. Auch die Kooperation mit dem gerade mal einen Steinwurf entfernten Gasthaus Seitz soll Kunden bringen. Doch nicht nur „Auswärtige“ hat Joachim Kalb im Blick. „Ich will auch etwas für unser Dorf tun.“

Punkten will Kalb auch mit seiner genfreien Milch. „Unsere Kühe bekommen schon seit vier Jahren genfreies Futter“, sagt er. Auch sonst hat die Rohmilch für den Bauern Vorteile. Denn im Vergleich zur pasteurisierten Milch, seien viele Inhaltsstoffe in der rohen Variante noch erhalten. „Beim pasteurisieren werden Enzyme abgetötet, wie auch Laktase, das für das Abbauen von Laktose wichtig ist.“ Die gekühlte Milch, die er im Automaten anbietet, sei deshalb auch gehaltvoller, was den Fett- und Eiweißgehalt betreffe.

Am nächsten Freitag will Joachim Kalb seine Milchtheke mit einem Hoffest feierlich eröffnen. Bis dahin hat der 36-Jährige noch alle Hände voll zu tun. Zwar steht das Milchhaus schon, doch noch fehlt es an den Fenstern und der ein oder anderen kosmetischen Überarbeitung. 

PATRICK SCHROLL

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