Betzenstein: Neue Kinder- und Jugendpastorin voller Tatendrang

20.2.2021, 14:55 Uhr
„Solange es Menschen gibt, die auf der Suche nach Mehr sind oder sich Fragen über den Sinn des Lebens stellen, wird es den Glauben geben“, ist die Jugendpastorin Annalena Kühne überzeugt.

„Solange es Menschen gibt, die auf der Suche nach Mehr sind oder sich Fragen über den Sinn des Lebens stellen, wird es den Glauben geben“, ist die Jugendpastorin Annalena Kühne überzeugt. © Foto: Klaus Trenz

Die gebürtige Coburgerin hat in ihrem bisherigen Berufsleben schon viele Stationen, auch im Ausland, absolviert. Jetzt also ausgerechnet im kleinen Betzenstein. "Das hat sich eher so ergeben. Meine Stelle ist geteilt in 30 Prozent vor Ort und in 70 Prozent im EC Bayern, wo ich als Landesjugendpastorin wirke. Die Landeskirchliche Gemeinschaft Betzenstein hat sich auf diese 30 Prozent beim EC beworben und nach einigen Gesprächen haben beide Seiten festgestellt, dass es sehr gut passt", sagt die 31-Jährige. Sie genieße die Ruhe in der Kleinstadt nach vielen Jahren in verschiedenen Stellen.

"Ich habe mich nach einem Ruheort gesehnt. Den habe ich hier hoffentlich gefunden." Das bedeutet natürlich nicht, dass sie nur zum Ausruhen hier sei, so Kühne schmunzelnd. "Ich wollte, wenn ich nach Hause komme, vom Unterwegs sein im Landesdienst, an einen Ort kommen, wo ich wieder auftanken kann."

Seit 16 Jahren ehrenamtlich aktiv

Kühne hat eine fundierte Ausbildung absolviert: Sie hat einen Bachelor of Arts (B.A.) in sozialer Arbeit, ist außerhalb Bayerns Diakonin und sie hat ein australisches Certifikat IV in Ministry. "Das zählt bei uns zwar offiziell nicht, hat mir aber eine gute Grundlage im theologischen Bereich ermöglicht." Ehrenamtlich ist sie schon seit 16 Jahren aktiv, im hauptamtlichen Dienst arbeite sie seit gut sechs Jahren.

In Betzenstein hat Annalena Kühne drei Hauptaufgaben: die Betreuung der Action Kids, die momentan wegen Corona leider nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden kann; den Teenkreis, der immer freitags um 19.30 Uhr derzeit ebenfalls nur online startet und den "Time Out-Gottesdienst" immer am letzten Sonntagabend im Monat. "Es ist halt jammerschade, dass wir uns bei den meisten Aktivitäten nicht wirklich treffen können." Dabei ist Kühne Ansprechpartnerin für 20 bis 30 Kinder – "in normalen Zeiten". Ihr Hauptaugenmerk sei, einen Blick zu haben auf die Teens, Jugendlichen und Kinder in deren Alltag und ihnen Angebote zu machen, die ihnen Freude und Hoffnung bringen.

"Das machen wir zum einen durch einen Online-Teenkreis und zum anderen dadurch, dass sich die Kinder einmal in der Woche einen Brief an der Kirche abholen können."

Die Kirche im 21. Jahrhundert scheint für immer mehr Menschen keine Alternative und ernst zu nehmende Institution mehr zu sein. Was können die evangelische Kirche und ihre Mitarbeiter gegen diese Entwicklung tun? "Es ist total wichtig, dass Kirche und Gemeinde Räume sind, in denen jeder Platz hat und in dem sich jeder willkommen fühlt." Genau das habe sie am eigenen Leib in anderen Gemeinden und in ihrem Studium erleben dürfen. "Gemeinde muss ein Raum sein, in dem man sich zu  Hause fühlt, angenommen wird mit all den Fehlern und Macken, und wo man seine Begabungen und Fähigkeiten einbringen und ausprobieren kann." Gemeinde sei für sie ein Ort, wo man Fehler machen dürfe und auch lerne, wieder aufzustehen.

"Gemeinde ist auch ein Ort, wo mein Vertrauen auf Jesus wachsen kann und gestärkt wird. Gemeinde ist Ort für nicht perfekte Menschen, die sich nach mehr im Leben sehnen. Und schließlich ist Gemeinde ein Ort, wo Menschen Hoffnung finden", erklärt die Jugendpastorin.

"Es ist auch total wichtig, dass wir als Kirchengemeinde offen sind für die Menschen, dass wir nicht nur auf unseren Kirchturm und auf die Leute, die zu uns kommen, schauen. Wir müssen viel mehr auch auf die Menschen ‚draußen‘ achten."

Ihr Vorschlag an die Mitarbeiter wäre immer zu überlegen, was man als Gemeinde, als Team für das Dorf, tun könne und dies dann möglich zu machen. "Glaube ist noch genauso relevant wie vor ein paar hundert Jahren. Solange es Menschen gibt, die auf der Suche nach Mehr sind oder sich Fragen über den Sinn des Lebens stellen, wird es den Glauben geben", ist Kühne überzeugt.

Positives Miteinander

In Betzenstein erlebe sie ein sehr positives und gutes Miteinander mit der Kirchgemeinde. Gemeinsam nutze man das Gemeindehaus und arbeite an verschiedenen Stellen zusammen. Dazu zählten zum Beispiel der regelmäßig stattfindende Begegnungsgottesdienst sowie die Mitarbeit beim Konfi-Kids- und Konfi-Unterricht. In der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit hier habe sie noch keine negativen Strömungen oder aufzuarbeitende Fehler bemerkt. Nur der Webauftritt sei verbesserungswürdig. "Das werden wir aber auch in den Griff bekommen."

Ihr Herzensanliegen sei, dass Menschen die "Liebe Jesu" ganz nah erfahren und dass sie das in Gottesdiensten und im Leben auch immer wieder erleben dürften. "Konkret wünsche ich mir, dass der Time Out-Gottesdienst junge Erwachsene und Familien anspricht und wir dadurch mehr Menschen in Betzenstein erreichen können." Annalenas ganz persönlicher Traum ist, mit einem ausgebauten VW-Bus eine Europatour zu unternehmen.

 

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