Dienstag, 13.04.2021

|

Betzenstein: Viel Wirbel um einen neuen Platz zum Reiten

Sabrina Ostfalk-Gaßner hat Antrag mehrfach an Stadt Betzenstein und Landratsamt gestellt — Es gibt Vorbehalte - 09.02.2016 08:30 Uhr

Sabrina Ostfalk-Gaßner will eine Reithalle in Hetzendorf bauen, nachdem ihr schon der Antrag auf einen neuen Reitplatz mit Koppel ausgeschlagen worden ist. Die Entscheidung vom Landratsamt steht aber noch aus.

08.02.2016 © Foto: Frauke Engelbrecht


Auch der Stadtrat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit 8:7-Stimmen dagegen ausgesprochen. Nun muss das Landratsamt entscheiden.

Vor neun Jahren hat die 29-Jährige den Hof von ihrem Großvater übernommen. Früher hatten sie Bullen und Schweine. Seit 2008 hat sie die Pferde. Zurzeit sind es fünf ausgewachsene Tiere und zwei Fohlen. 2010 hat Ostfalk-Gaßner begonnen, Reitkurse zu geben. Auf einer der Koppel ist dafür ein Platz abgesteckt. Doch bei schlechter Witterung kann sie keinen Unterricht geben. Der Regen macht dem Boden zu schaffen.

Also wollte sie vor drei Jahren beim Feuerwehrhaus, wo sie Grund besitzt, einen Reitplatz bauen. Dazu wäre eine Ortsgrenzenerweiterung nötig gewesen. „Das brauch ich gar nicht erst zu probieren, hieß es damals aus dem Rathaus“, erzählt sie. Dann wollte sie im Ort einen bauen. Auf einer ihrer Koppeln. Da werde er nie zustimmen, habe damals schon ein Nachbar angekündigt.

Er hatte massive Bedenken wegen der Emissionen. „Ich habe angeboten, Teppichschnitzel auf dem Platz auszubreiten, damit es nicht so staubt“, sagt sie. Der Platz hätte 15 mal 30 Meter gemessen, die Koppel wäre außen herum verlaufen. Doch der Untergrund ist felsig und es gibt teilweise bis zu vier Meter Höhenunterschied. „Um das auszugleichen, hätte ich rund 45 000 Euro investieren müssen“, sagt Ostfalk-Gaßner.

Die 29-Jährige hat dann Kontakt mit dem Landratsamt aufgenommen. „Ein Nachbar hatte dort angekündigt, dass er gegen den Platzbau klagen werde“, erhielt sie die Auskunft. Außerdem wurde ihr eine Reithalle nahegelegt, hier läge der erforderliche Mindestabstand zu den Nachbarn bei fünf Metern. Beim Platz seien 20 Meter vorgeschrieben. Rein rechtlich spräche nichts gegen eine Halle, denn es liegt ein Mischgebiet vor. Hier sind solche Betriebe zulässig.

Also ließ Ostfalk-Gaßner einen Plan erstellen. Außen misst sie 35 auf 17 Meter, die Höhe liegt bei 5,60 Meter. Neben dem Reitbereich soll innen noch ein Lager sowie ein Warteraum entstehen. „Sechs Unterschriften hätte ich gebraucht, zwei habe ich bekommen“, erzählt sie. Im Dezember stand der Bauantrag das erste Mal auf der Agenda in der Stadtratssitzung. Damals hatte man die Entscheidung dem Landratsamt zugeschoben. Da der Stadtrat nur zwei Monate Zeit hat, Stellung zum Bauantrag zu nehmen, da er sonst als einvernehmlich gilt, stand er bei der jüngsten Sitzung erneut auf der Tagesordnung und wurde abgelehnt.

Kritik vonseiten der Bürger gibt es vor allem wegen angeblich fehlender Parkplätze, der Lage mitten im Ort und Geruchsbelästigungen. „Es sind knapp 20 Parkplätze vorhanden“, argumentiert Ostfalk-Gaßner.

„Es war schon jemand vom Landwirtschaftsamt da“, sagt sie weiter. Es gebe keinerlei Bedenken wegen irgendwelcher Emissionen, hieß es. Bis 25 Pferde sei alles kein Problem. „In Hochzeiten sind es vielleicht 23“, so die 29-Jährige. Nun hofft sie auf einen baldigen positiven Bescheid vom Landratsamt. Seit Oktober konnte sie keinen Unterricht mehr erteilen. Und die Nachfrage dafür sei da.

„Das Landratsamt muss die Abstandsregelungen und mögliche Emissionen prüfen und entsprechende Auflagen erlassen“, sagt Bürgermeister Claus Meyer. Er hatte in der Stadtratssitzung für den Bauantrag gestimmt. „Von baurechtlicher Seite ist ja nichts dagegen einzuwenden“, sagt er. Er steht ein bisschen zwischen den Stühlen. Einerseits sei die Gemeinde froh, wenn sich etwas tue und jemand so einen Betrieb errichten will. Andererseits müsse er aber auch die bestehenden Bedenken der Nachbarn anhören. „Ich bin auch für den Frieden im Ort zuständig“, so Meyer, und das sei manchmal nicht einfach.

Sollte das Landratsamt dem Antrag nun zustimmen, käme er ein drittes Mal in die Stadtratssitzung. Das gemeindliche Einvernehmen könne durch die Zustimmung ersetzt werden. „Ich habe mir abgewöhnt, manche Sachlagen zu bewerten“, sagt Meyer, wenn die Richtlinien eingehalten werden, dann sei das für ihn okay.

„Die fachlichen Stellungnahmen liegen noch nicht vollständig vor“, sagt Herbert Retzer, Sprecher des Landratsamtes. Sobald sie vorliegen, werde es eine Entscheidung geben.

FRAUKE ENGELBRECHT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Betzenstein, Hetzendorf