Kein Nachfolger

Betzensteiner Apotheke schließt

14.8.2021, 09:00 Uhr
Ende September ist Schluss: Hubert Schug muss seine Apotheke in Betzenstein wegen Personalmangels schließen. Die Vorschriften verlangen, dass ein Apotheker „leibhaftig“ da sein muss.

Ende September ist Schluss: Hubert Schug muss seine Apotheke in Betzenstein wegen Personalmangels schließen. Die Vorschriften verlangen, dass ein Apotheker „leibhaftig“ da sein muss. © Foto: Klaus Trenz

Auch die fieberhafte Suche von Bürgermeister Claus Meyer und dem Betzensteiner Arzt Dr. Stefan Bauernschmitt nach einem Nachfolger, der die Apotheke übernimmt, ist bis dato erfolglos geblieben. Damit tut sich für die Menschen in Betzenstein und der Umgebung eine Versorgungslücke auf. "Das trifft uns schon sehr", sagt Meyer.

Es sei ein "Baustein in der medizinischen Versorgung, der uns da wegbricht" , so Meyer und es erinnert ihn an seine Anfangszeiten als Bürgermeister, als man um die Ansiedlung von Ärzten in Betzenstein gekämpft habe. Damals mit der Ansiedlung der Gemeinschaftspraxis med.in und der Zahnärztin Dr. Bettina Meyer mit Erfolg.

Gehört zur Grundversorgung

"Wir als Gemeinde haben ein großes Interesse an einer Apotheke vor Ort,", sagt Meyer, weil sie eben auch zur Grundversorgung der Bevölkerung gehört. Aber mit einer Nachfolge für die Apotheke sieht es nicht gut aus. "Die Apotheker gehen lieber in die Stadt, als auf das Land", schätzt Meyer die Situation ein, die auch "den ganzen Wandel in der medizinischen Versorgung auf dem Land" wiederspiegele.

Apotheker in der Nähe hätten alle bisher kein Interesse an einer Weiterführung der Betzensteiner Apotheke gezeigt. Der Grund: Personalmangel. Für den Betrieb einer Apotheke muss nach geltenden Vorschriften ein Apotheker vor Ort sein. Und diese scheinen Mangelware zu sein, "sind momentan nicht zu haben", sagt Bauernschmitt. Für ihn ist dies "ein systemgemachtes Problem" in der Hinsicht, dass eben ein Apotheker leibhaftig an Ort und Stelle sein muss. "Eine der größten Praxen in der Region hat künftig keinen Apotheker als Ansprechpartner vor Ort", beschreibt Bauernschmitt nun die Situation für die Gemeinschaftspraxis in Betzenstein. Und versichert: Wenn sich ein Apotheker findet, dann bekomme er von allen Seiten jegliche Unterstützung.

Für die Betzensteiner bedeutet die Schließung der Apotheke, weite Wege für Medikamente oder Hilfs- und Heilmittel in Kauf zu nehmen. Egal in welche Richtung man schaut: nach Schnaittach, Pottenstein, Velden oder Pegnitz: Die Apotheken sind alle rund 15 Kilometer weit weg. Auch in der Nachbargemeinde Plech gibt es keine Apotheke mehr.

Treue Kundschaft

Hubert Schug bedauert die Schließung der Apotheke aus Personalmangel. Was auch der einzige Grund sei. Seine Filiale – beziehungsweise die der Schug-Gruppe – habe einen guten Umsatz gemacht. Vor allem habe man auf treue Stammkunden zurückgreifen können, für die es Schug besonders leid tut, auch weil man ein gutes Verhältnis zu ihnen aufbauen konnte. Gerne hätte er die Apotheke weiterbetrieben, "aber wir können das Fachpersonal einfach nicht mehr bereitstellen".

Wie Bauernschmitt bedauert auch Schug die Vorschrift, dass ein Apotheker "leibhaftig" vor Ort sein muss. Dabei gebe es doch moderne Kommunikationsmittel über Video- und Sprachanruf. Dann könnte der Apotheker mit den Kunden sprechen, wenn dies nötig sein sollte oder gewünscht wird. Dadurch könnte man eine Apotheke auch mit Pharmazeutisch-technischen Assistenten und Assistentinnen betreiben. Dafür gebe es allerdings noch nicht die rechtlichen Grundlagen. "Betzenstein wäre für mich der ideale Standort für eine Teleapotheke und sogar für ein Pilotprojekt".

Keine Kommentare