Sonntag, 05.04.2020

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Betzensteiner klettert auf Weltklasse-Niveau

Christoph Hanke hat bis vor kurzem fleißig für die Europameisterschaft in Russland trainiert, die inzwischen abgesagt wurde. - 20.03.2020 17:07 Uhr

Er klettert auf Weltklasse-Niveau und hat die Qualifikation für die Olympischen Spiele nur knapp verpasst: Christoph Hanke aus Betzenstein.


Bouldern und Klettern liegen aktuell im Trend. Mit dem anhaltenden Interesse an Fitnessstudios und körperlicher Fitness sind auch die beiden neuen Trendsportarten auf den Zug aufgesprungen. Gerade weil die Sportarten sowohl in der freien Natur oder bei jedem Wetter in Hallen betrieben werden können, sprechen sie ein breites Publikum an. Auch der 26-jährige Christoph Hanke aus Betzenstein hat sich in die Sportarten verliebt.

Der gebürtige Münchner hat seine Leidenschaft fürs Klettern nicht von irgendwoher. Seine Eltern sind selbst aktive Bergsteiger und nahmen Christoph Hanke bereits als Kind mit auf einige Klettertouren. "Ich habe dann mit Leichtathletik angefangen. Während andere Freunde auf Partys gegangen sind, habe ich trainiert oder war im Trainingslager", erzählt Hanke.

Ambitionierte Kinder

Bei einer sogenannten Sichtungs-Gala wurde man schließlich auf ihn aufmerksam. "Dort gibt es Kinder, die ein bisschen leistungsorientierter trainieren. Es geht vor allem darum, wie ambitioniert die Kinder sich präsentieren. Werden sie nur von ihren Eltern dorthin geschickt oder haben sie Spaß an der Sache und sind motiviert?" Nach seinem Fachabitur landete Hanke in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und verpflichtete sich als Soldat auf Zeit, für acht Jahre. Voraussetzung für die Fördergruppe sei stets die Zugehörigkeit zum Kader. "Ich hatte eine verkürzte Grundausbildung. Die wurde dem sportlichen Rahmen angepasst. Ansonsten durchlaufe ich die klassische Laufbahn eines Unteroffiziers", erklärt er.

Offiziell ist Hanke damit Soldat. Auslandseinsätze seien für die Sportfördergruppe trotzdem unwahrscheinlich. "Ich habe dadurch das Glück, dass ich mir meine Zeit einteilen kann. Natürlich habe ich ein gewisses Soll an Trainingszeiten, die ich erfüllen muss. Dazu muss ich aber nicht in der Kaserne sein."

Sein Training absolviert Hanke im selbst ausgebauten Stall. Erst vor einem Jahr kaufte er sich mit seiner Frau ein Haus in der Fränkischen Schweiz, genauer: in Betzenstein. Eine der ersten Renovierungsarbeiten war der Bau einer eigenen Trainingshalle.

Im Dachgeschoss hat Hanke alles, was das Herz eines Kletterbegeisterten höherschlagen lässt: zwei Boulderwände mit verschiedensten Griffen, Langhanteln, ein Heimtrainer-Fahrrad und vieles mehr. "Der Dienstherr vergewissert sich natürlich, dass ich zu Hause nicht Däumchen drehe. Mein Training wird vom Bundestrainer festgelegt. Mit ihm bin ich im engen Kontakt." Telefonisch erhält Hanke seinen neuesten Trainingsplan und Anweisungen, welche Übungen er zu absolvieren hat.

Eigentlich wollte Hanke an der Kletter-EM in Russland teilnehmen. Die wurde von Seiten des internationalen Kletterverbandes (IFSC) aber wegen der Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch der Weltcupauftakt in Meiringen (CH) am 3./4. April findet nicht wie geplant statt. Der für Anfang Mai geplante Weltcup (Boulder, Speed) in Südkorea ist ebenfalls vorerst abgesagt.

Hanke selbst wäre nur in einer Einzeldisziplin gestartet. Insgesamt zehn Kollegen aus dem Kader wollten mit ihm reisen und antreten, davon drei Frauen, die sich mit der Europameisterschaft auch noch ein olympisches Ticket schnappen wollten.

Nur zwei Deutsche für Olympia

In diesem Jahr haben es nur zwei Deutsche geschafft, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, Hanke ist nicht dabei. Trotzdem ist das für ihn kein Grund, nicht alles zu geben. "Die Olympischen Spiele finden alle vier Jahre statt. Dann eben in vier Jahren wieder."

MARTIN BURGER

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