Betzensteinerin startet bei Berglauf-WM für Deutschland

22.7.2017, 15:00 Uhr
Nur ein Laufshirt in ihrer Größe fehlt noch, ansonsten ist Lisa Wirth bereit für die Deutsche Nationalmannschaft.

Nur ein Laufshirt in ihrer Größe fehlt noch, ansonsten ist Lisa Wirth bereit für die Deutsche Nationalmannschaft. © Wirth

Als man im Garten wartet, um sich zu treffen, kommt die 26-Jährige gerade aus der Dusche – die Haare sind noch nass. "Ich war gerade noch trainieren. Entschuldigung, dass es etwas länger gedauert hat", sagt sie. Trainieren tut sie oft genug. Fünf bis sechsmal in der Woche. Immer zwischen einer und zwei Stunden, innerhalb 60 Minuten spult sie auch locker ihre 13 Kilometer ab, manche fangen alleine bei dem Gedanken daran an zu schwitzen und nach Luft zu schnappen. Sie studiert in Erlangen Wirtschaft und natürlich, wie könnte es auch anders sein, Sport.

Angefangen mit dem Laufen hatte Wirth bereits mit neun Jahren. Ihr Vater Reinhard hatte sie zum Straßenlauf mitgenommen. "Ich bin da einfach nur so hinterher gelaufen. Aber ich hatte da schon gemerkt, dass es gut läuft." Es sei eine "Initialzündung" gewesen.

Begeisterung geweckt

Die Begeisterung für diesen Sport wurde damals schon geweckt. Richtig angefangen, im Verein, hat sie schließlich mit 14 Jahren. Beim TSV Ebermannstadt, wo auch die Aufbauarbeit stattfand. Es galt, Stückchen für Stückchen besser und schneller zu werden. Drei Jahre später wechselte Wirth schließlich zum LAC Quelle Fürth. "Der Grund war, dass man dort im Team bei Wettkämpfen starten konnte. Das ging beim Verein in Ebermannstadt nicht."

Von 2009 bis 2012 hat Wirth eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation gemacht. In dieser Zeit war es eher mau mit dem Training. "Ich bin jeden Tag in der Früh von Betzenstein nach Nürnberg gefahren und am Abend wieder zurück gekommen. Es war da wirklich sehr schwer dann noch zu trainieren. Das hat einfach sehr an den Kräften gezehrt", sagt sie.

Umso besser spielt ihr das Studium schließlich in die Karten. Als Wirth 2012 damit begann, hatte sie auch wieder mehr Zeit. Für ihr Hobby. Eine Freizeitbeschäftigung ist der Sport immer noch, aber er erfordert inzwischen mehr Disziplin und harte Arbeit als je zuvor. Besonders, wenn man es wie Lisa Wirth geschafft hat, sich für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Um überhaupt in den erlauchten Kreis der Nationalmannschaft zu kommen — für Deutschland nehmen neben Wirth nur noch ihre Kollegin Gesa Bohn und Joseph Katib, der 2015 Deutscher Berglaufmeister war, teil — braucht es Leistung. Und die kann Wirth auch aufzeigen.

Wieder Bayerische Meisterin

Im Alter von 17 Jahren erreichte sie den achten Platz bei der Deutschen Meisterschaft über 1500 Meter, das war 2008. Im selben Jahr war sie Bayerische Meisterin über 3000 Meter. Ein Jahr später war sie wieder Bayerische Meisterin über 3000 Meter und machte bei den Deutschen Meisterschaften den sechsten Platz über 2000 Meter beim Hinternislauf. Wirth war Deutsche Hochschulvizemeisterin im Crosslauf — Laufen abseits befestigter Wege — mit dem Team.

2016 ließ sie bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften am Tegelberg bei Schwangau über acht Kilometer den sechsten Platz folgen. 2017 war Wirth bayerische Hochschulmeisterin im Team über zehn Kilometer, hat an den Cross-Europameisterschaften in Portugal teilgenommen, hat bei den deutschen Berglaufmeisterschaften am Großen Arber den vierten Platz belegt und ist im Team deutscher Berglaufmeister. Die Liste der Erfolge ist eigentlich noch länger. Die Erfolge haben sich jetzt, überraschend wie Wirth sagt, bezahlt gemacht: Sie ist bei der WM für Deutschland dabei.

"Ach. Mir macht das einfach nur Spaß. Und gerade in der Fränkischen Schweiz kann ich Berglauf sehr sehr gut trainieren. Es geht ja immer schön bergauf-bergab. Das ist etwas völlig anderes als auf einer ebenen Strecke zu laufen", erklärt Wirth.

Bei der 33. Berglauf-Weltmeisterschaft in Italien startet der Lauf bei etwa 950 Höhenmetern. 13 Kilometer ist die Strecke lang, sie führt 860 Höhenmeter nach oben und 860 Höhenmeter nach unten — und das zweimal. Muss man, wie es Fußballer etwa machen, vorher in dieser Höhe trainieren um sich an die dünnere Luft zu gewöhnen? "Ich hab‘ da keine Ahnung. Vielleicht wäre das schon von Vorteil. Es kann schon sein, dass das einige machen. Aber ich hab‘ da sowieso keine Zeit dafür", sagt Wirth.

Sie nimmt die WM entspannt. Eine besondere Diät hält sie nicht, aber: "Natürlich schaue ich schon darauf, was ich esse. Aber das mache ich nicht wegen dem Sport. Das mache ich grundsätzlich. Und so ein Stück Torte ist schon was Leckeres", sagt Wirth und schmunzelt.

Laufshirt zu klein

Beim Gespräch im Garten sind die Haare der Betzensteinerin inzwischen trocken. Wirth zeigt einen Koffer, den sie für ihre WM-Teilnahme bekommen hat. Er trägt die Aufschrift "Germany". Es ist genügend Bekleidung mit dem Emblem der Nationalmannschaft darin. Eines passt allerdings nicht: ausgerechnet das Laufshirt. Es ist eine Nummer zu klein. "Ich brauch das eine Nummer größer."

Aufgeregt auf den richtig großen Tag, als einer der drei Teilnehmer für Deutschland? "Bis jetzt noch nicht. Aber das kann sich natürlich noch ändern. Wenn ich am Flughafen sitze. Wenn ich in Italien ankomme. Wenn ich schließlich am Start stehe und die anderen neben mir sehe. Das kann dann schon sein." Will jemand Lisa Wirth unterstützen? Dann am 30. Juli die Daumen drücken und denken: Lauf, lauf, lauf.

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