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Freitag, 27.11.2020

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Biologin setzte im Ailsbachtal knapp 7000 Bachmuscheln um

Die Biologin Susanne Hochwald und Naturparkranger setzten die Flussbewohner aus dem ausgetrockneten Ailsbach um. - 07.11.2020 14:55 Uhr

Susanne Hochwald – hier mit Jonny Stemper vom Naturpark – hat die Umsetzung der Bachmuscheln im Ailsbachtal geleitet und so Hunderte Muscheln gerettet.

06.11.2020 © Foto: Melanie Chisté


"Da gehen 30 Jahre Arbeit und Erfahrung kaputt", ist Susanne Hochwald besorgt. Die 59-jährige Diplombiologin begleitet das Thema Bachmuschelaufkommen im Ailsbachtal seit langem, erst im Auftrag der Universität Bayreuth, jetzt als Selbstständige.

"Ich habe jedes Jahr einen Werkvertrag für die Regionalbetreuung Bachmuschel in Oberfranken mit der Muschelkoordinationsstelle Bayern der Uni in Weihenstephan, in Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberfranken." Von 1996 bis 2001 hat sie sich um die Renaturierung des Ailsbaches und damit um den Fortbestand des Bachmuschelaufkommens gekümmert. Doch das trockene Klima der vergangenen drei Jahre hat dieser Tätigkeit arg zugesetzt.

Hochwald hat einen ganz besonderen Bezug zum Ailsbachtal, denn schon als sie an der Uni Bayreuth ihre Diplomarbeit 1986 geschrieben hat, hatte sie mit Muscheln von dort zu tun – ihren ersten. Das Renaturierungsprojekt hatte das Ziel, die Bachmuschel zu erhalten und den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten zu sichern. "Wir wollten bessere Ökosysteme schaffen", sagt sie. Der Ailsbach war einst begradigt, tiefergelegt und zum Teil auch gepflastert worden. "Das wurde wieder rückgängig gemacht und der kurvige Bachverlauf wieder hergestellt."

Die Bachmuscheln wurden in sogenannte Gumpen umgesetzt.

06.11.2020 © Foto: Melanie Chisté


In den Kurven fanden die Bachmuscheln Sand und Schlamm und ihr Überleben war wieder gesichert. Durch einen Umbau der Kläranlage in Kirchahorn wurde die Wasserqualität entscheidend verbessert. 2018 habe es so viele Bachmuscheln wie noch nie gegeben. Rund 11,7 Millionen Mark hat das Projekt damals gekostet.

Grundwasserspiegel gesunken

Durch die Trockenheit in den vergangenen drei Jahren habe die Quellschüttung des Ailsbaches dann stark nachgelassen und der Grundwasserspiegel sei gesunken, so die Biologin. "2018/19 war der obere Bachlauf zwischen Vorder- und Hintergereuth, der Asbach, extrem trocken.

Ein Jahr später war dann auch noch der Unterlauf massiv ausgetrocknet", sagt sie. Eigentlich hatte der Neubau der Kläranlage in Kirchahorn damals viel Wasser in den Bach gebracht, aber das reicht nun nicht mehr aus. Susanne Hochwald macht den Klimawandel für die massive Trockenheit verantwortlich. Dass er kommt, habe man gewusst, aber dass es auf einmal so schnell geht, sei doch erschreckend.

"Wir müssen jetzt durchhalten", ist ihr Credo. Und so hat sie in enger Zusammenarbeit mit dem Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst und den dortigen Rangern Muscheln gerettet. Über 6700 Bachmuscheln und 360 Teichmuscheln haben sie über drei Jahre umgesetzt an Stellen, wo noch Wasser war und es auch Schatten gab. "Die Muscheln graben sich an diesen tiefen Stellen – den Gumpen – ein und können im Bachsediment bis zu sechs Wochen überleben." Das hat auch zum Teil funktioniert. Man habe das nur der Rettungsaktion zu verdanken. Trotzdem seien zehn bis 20 Prozent des Bestandes gestorben, dazu noch seltene und bedrohte Fischarten wie Koppe und Elritze, bedauert Susanne Hochwald.

Hoffen auf Entspannung

Nun läuft Corona-bedingt das Projekt der Muschelkoordinierungsstelle Weihenstephan aus und es sei noch nicht klar, ob es Gelder gibt, um es nächstes Jahr fort zu führen, sagt Hochwald. Sie hoffe, dass es auch witterungsmäßig in den nächsten Jahren zu einer Entspannung für die Bachmuscheln kommt. Denn das Aufkommen der Muscheln zeuge von einer sehr guten Wasserqualität.

FRAUKE ENGELBRECHT

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