Donnerstag, 04.03.2021

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Blick in die Vergangenheit: Auerbach war einst die Stadt der Lichtspiele

Bereits vor 120 Jahren gab es in Auerbach das erste Lichtspielhaus - 23.01.2021 15:55 Uhr

Eines der schönsten und modernsten Kinos der Oberpfalz wurde vor gut 65 Jahren nach Umbau und technischer Verbesserung in Auerbach wieder eröffnet. Zeitweise gab es sogar zwei Lichtspielhäuser.

22.01.2021 © Foto: NN-Archiv/Heinz Harren


Vor rund 75 Jahren war in Auerbach eine Blütezeit für die Lichtspielhäuser. Die Filme der Nachkriegsjahre sind jungen Leuten meist nicht mehr bekannt. Drei Jahre nach Kriegsende brillierte Vivian Leigh als "Anna Karenina". 1950 kam "Rio Grande", einer der bekanntesten Western mit John Wayne, in die Kinos. Auch Filme wie "Die zehn Gebote", "Der Glöckner von Notre Dame" oder der Zirkusfilm "Trapez" mit den damals bekannten Schauspielern Gina Lollobrigida, Burt Lancaster und Tony Curtis wurden gerne gesehen. Die drei zuletzt genannten Filme entstanden 1956. Ab den späten 1950-er Jahren allerdings begannen die Besucherzahlen in den Kinos zu sinken, da sich erste Familien einen modernen Fernsehapparat leisten konnten.

In Auerbach gab es bereits 1902 ein erstes Lichtspielhaus, das damals das zweite in Bayern war. Die Filme wurden mit der so genannten Handkurbel-Vorführtechnik gezeigt. Inhaber war Georg Stauber, dem auch der Gasthof "Wilder Mann" im gleichen Haus gehörte. Im Stadtarchiv finden sich viele Notizen zu den Lichtspielen in Auerbach.

Toni Heidenreich war der erste Filmvorführer im Kreuzer-Kino. Mehr Infos zu den Auerbacher Kinos in den Häuser-Chroniken von Hans-Jürgen Kugler.

22.01.2021 © Foto: Archiv Hans-Jürgen Kugler


Aus dem Jahr 1918 liegt ein Schreiben an den Stadtmagistrat vor, in dem folgendes mitgeteilt wurde: "Wir teilen mit, daß wir keinerlei Lustbarkeiten zur Aufführung bringen, sondern einen auf Befehl der Obersten Heeresleitung aufgenommenen Probaganda-Film. Bis jetzt ist eine Lustbarkeitssteuer von uns noch nirgends verlangt worden."

Auch sind Hinweise auf Mängel zu finden, die der technische Überwachungsverein im Kino des "Wilden Mann" entdeckt hatte. 1935 beispielsweise wurden ein Geländer zum Vorführraum und ein deutlich sichtbares Notausgang-Schild vermisst. Filme wurden früher auch im Saal des Goldnen Löwen gezeigt. Dazu kamen auswärtige Filmvorführer nach Auerbach. Im September 1936 wurde im Rudersaal der Streifen "Das Vermächtnis eines Missionars" gezeigt. Dieser Film war laut Notiz im Stadtarchiv als volksbildend anerkannt und als Lehrmittel in den Schulen zugelassen.

Georg Stauber baute seine Lichtspiele in den frühen 50-er Jahren um. Auf einem Foto im NN-Archiv wurde am 15. Dezember 1955 folgendes vermerkt: "Nach dem Umbau und Umstellung auf Breitleinwand und Cinemascope ist das Auerbacher Lichtspiel-Theater mit seinen nahezu 600 Sitzplätzen eines der schönsten und modernsten Kinos der ganzen Oberpfalz geworden."

Spätere Betreiber des Kinos waren Staubers Tochter Walburga Stürmer und ihr Sohn Karl Georg. Der 1950 Geborene war in Auerbach als Charly Stürmer bekannt. Er schloss das Kino im elterlichen Anwesen nach 72 Jahren am 20. August 1974. Neun Jahre später verkaufte er das gesamte Anwesen an den Pegnitzer Baptist Roppelt, der den früheren "Wilden Mann" zur Marktpassage umbaute. Aus der früheren Hausnummer 110 war längst der Untere Markt 6 geworden.

Ein zweites Kino eröffneten Hildegard und Emil Kreuzer nach einer kurzen Bauzeit am 13. Januar 1955 am Grünhof. Das Kino mit Platz für 500 Besucher hieß offiziell "Stadtlichtspiele". An manchen Abenden reichten die Plätze dennoch nicht und es mussten weitere Sitzgelegenheiten aus dem benachbarten Grünhofschulhaus herangeschafft werden.

1955 wurden am Grünhof die „Stadtlichtspiele“ von Emil und Hildegard Kreuzer eröffnet. Einer der ersten Filme war „Der Förster vom Silberwald“, ein 1954 in Österreich gedrehter Heimatfilm.

22.01.2021 © Foto: Archiv Hans-Jürgen Kugler


Die obligatorische Werbung vor dem Hauptfilm wurde damals in Dias eingeblendet, erinnerte sich die 2019 verstorbene Hildegard Kreuzer in einem NN-Interview anlässlich ihres 80. Geburtstags im Oktober 2008. Die Filme wurden früher übrigens mit der Bahn verschickt und mussten am Bahnhof abgeholt werden. Die "Stadtlichtspiele" von Familie Kreuzer wurden — nachdem Emil 1966 zum Bürgermeister gewählt worden war — 1968 geschlossen. Später richtete Hugo Rammel im ehemaligen Kinosaal den ersten Supermarkt Auerbachs ein. Diesen gab es bis 1979. Später wurde das frühere Kino als Lagerraum eines Großhändlers genützt. Aktuell führt die Hausarztpraxis am Grünhof im ehemaligen Kreuzer-Gebäude Corona-Tests durch.

Aufführung im Pfarrsaal

Nach der Schließung der Auerbacher Lichtspieltheater mussten Filmliebhaber zu den auswärtigen Kinos fahren. Ab und zu wurde auch ein nicht mehr ganz aktueller Film im Pfarrsaal, der vor der Generalsanierung im Untergeschoss des Caritasheims untergebracht war, gezeigt. Martin Bundscherer erinnert sich noch an einen Superman-Film, an "Krieg der Sterne" und an einen 3D-Film, für den damals eine spezielle Brille mit einem roten und einem grünen Kunststoffglas nötig war.

 Der Auerbacher entsinnt sich auch noch gut an das Kinomobil, das vor über 40 Jahren mehrmals Station in der Stadt machte. Dort habe er den Spielberg-Film "Unheimliche Begegnung der dritten Art" gesehen, schildert Bundscherer. Eines Tages las er in der Tageszeitung, dass das Kinomobil bei einer Vorführung in einer anderen Stadt ausgebrannt war. "Da war ich echt traurig."

INFO: Mehr Infos und Bilder über die früheren Auerbacher Lichtspielhäuser sind in den beiden Häuser-Chroniken von Hans-Jürgen Kugler.

BRIGITTE GRÜNER

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