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Montag, 20.01.2020

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Bon-Pflicht stößt auf Unverständnis

Die Händler laufen Sturm dagegen. Sie beklagen die unnötige Papierflut in Zeiten des Umweltschutzes. - 10.01.2020 14:55 Uhr

Der Pegnitzer Händler Gerhard Wagner hält die ab diesem Jahr eingeführte Bon-Pflicht für sinnlos. „Die Kundschaft hat keinen Bedarf an Kassenzetteln“, sagt der Inhaber der Wagneria.


"Diesen Generalverdacht finde ich unmöglich", sagt Christina Wellhöfer. Die Vorsitzende des Vereins "Unser Pegnitz" ist weniger wütend als verständnislos.

Zu großer Aufwand

Die Bon-Pflicht – von der Bundesregierung zum neuen Jahr eingeführt – verlangt von ihr, alle Transaktionen in ihrem Weinladen mit einem Kassenzettel zu quittieren. Für Wellhöfer ein nicht nachvollziehbarer Geld- und Materialaufwand: "Wir können doch sowieso nicht schummeln." Ein erst vor drei Jahren eingeführtes Kassensystem speichert alle Bons digital ab – für zehn Jahre.

"Wenn Sie den Kassenzettel für Ihren Einkauf vom 13. Mai 2018 sehen wollen, habe ich den sofort hier", sagt Wellhöfer. "Ob ich dafür den Bon ausdrucke oder nicht, ist egal." Hintergrund für die Bon-Pflicht sei der Kampf gegen Steuerhinterziehung, erklärt die Bundestagsabgeordnete Anette Kramme (SPD): "Es geht nicht um Peanuts." Jedes Jahr gingen dem Staat so rund zehn Milliarden Euro verloren.

Nur mit der Bon-Pflicht könne sichergestellt werden, dass die Steuern beim "richtigen Adressaten, nämlich der Allgemeinheit", landen. Die Verharmlosung von Steuerbetrug in Milliardenhöhe müsse aufhören.

Für Gerhard Wagner ist das kein Argument: "Ich sehe da keine weitere Sicherheit für das Finanzamt." Die Kundschaft habe keinen Bedarf an den Kassenzetteln, sagt der Inhaber des Feinkostgeschäfts "Wagneria". Darüberhinaus ist Wagner stellvertretender Bezirksvorsitzender des Handelsverbandes des Bayerischen Einzelhandels (HBE).

Die Kosten, die nun auf ihn und seine Kollegen zukommen, interessierten das Finanzamt nicht, so Wagner: "Bei Großunternehmen werden Milliarden verschoben und bei uns kommt diese Art der Kontrolle." Für ihn besonders absurd: "Alle Welt schreit nach Umweltschutz – und dann müssen wir diese Flut an Papier produzieren."

Widerspruch für Kramme kommt auch aus der eigenen Koalition. "Für die Ehrlichen ist das ärgerlich", sagt Silke Launert, die für die CSU im Bundestag sitzt.

Die CSU habe dem 2016 entworfenen Gesetz unter der Bedingung zugestimmt, dass für Geschäfte wie kleine Bäcker oder Kioskverkäufer Ausnahmen geschaffen würden.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) habe diese Befreiungsregelungen aber so strikt interpretiert, dass es so gut wie keine Ausnahmen gebe, so Launert.

"Wir können da nicht viel machen", sagt die Abgeordnete, "nur Druck auf das Ministerium ausüben." Allerdings habe es seit Monaten keine Reaktion aus dem Finanzministerium gegeben.

"Es macht mich wütend, wenn das so gegen die kleinen Selbstständigen geht. Die sind mutig und gerade bei uns in der Region so wichtig", sagt Launert.

Laden-Umsatz reicht nicht

Besonders schwer werde es für die Bäcker, sagt Paula Weih von der Bäckerei Sperber in Bronn: "Wir können uns nicht nur mit dem Umsatz aus dem Laden halten. Das zweite Standbein ist das Verkaufsauto."

Das sei mit der neuen Regelung aber kaum zu machen: "Selbst wenn wir die Kassen einbauen lassen, haben wir in den meisten Gemeinden keinen Empfang. Die Geräte sollen für das Finanzamt aber immer online sein", sagt Weih.

Ihr Geschäft sieht die Bäckerin in Gefahr: "Wenn wir das Verkaufsauto nicht mehr nutzen können, müssen wir zusperren."

 

JULIAN SEIFERTH

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