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Brandheiße Sache

Atemschutzträger gehen im Container an die Grenzen - 10.09.2010

Irgendwann wird der Rauch so heiß, dass er durchzündet, der so genannte Flashover. © B. Grüner


Mit „freiwillig in die Flammenhölle“ kann man diese Aktion der Versicherungskammer und des Landesfeuerwehrverbandes in Bayern bezeichnen. 32 Aktive der Auerbacher Feuerwehr nehmen seit Mittwochabend an dieser speziellen Form der Ausbildung teil. „Wir haben 32 Atemschutzgeräteträger. Maximal acht Teilnehmer sind pro Gruppe möglich. Bis Freitagmittag können vier Gruppen üben“, erklärt Franz Türmer, der Atemschutzbeauftragte der Wehr. Jeder kommt dran. Jeder kann unter Beweis stellen, dass er im Ernstfall nicht in Panik gerät, sondern weiß, wie er mit der Gefahr umzugehen hat.

Heiße Sache: Der höchste gemessene Wert liegt bei über 700 Grad im Zentrum der Flammen. Die Feuerwehrleute waren nach der Übung noch rund 80 Grad warm. Die Schutzkleidung hält natürlich die größte Hitze von den Aktiven ab. © bg


Bei Bränden in Gebäuden ist der so genannte „Flashover“ besonders gefürchtet. Die Rauchgasdurchzündung bewirkt, dass sich bei hohen Temperaturen in der Rauchschicht kleine Flammenzungen bilden. Diese flackern ungefähr einen halben Meter über den Köpfen der knieenden Feuerwehrleute. Diese Flammen kündigen einen Beginn des Flashovers an. Danach muss schleunigst die hohe Rauchgastemperatur heruntergekühlt werden. Das Feuer wird dadurch am Ausbreiten gehindert. Im schlimmsten Fall würde eine Rauchgasdurchzündung sogar die Übenden im Container gefährden. Doch diese wissen natürlich, was zu tun ist. Mit feinen Sprühnebeln aus dem Hohlstrahlrohr wird der Rauch abgekühlt. Jeder bekommt die Gelegenheit, mit diesem Handwerkszeug zu üben. Gerade Atemschutzgeräteträger nutzen dieses besondere Strahlrohr oft. Es hat den Vorteil, dass der Wasserdurchfluss und der Winkel des austretenden Sprühstrahls durch leichtes Drehen variiert werden können.

„Bei einem Innenangriff sind Hohlstrahlrohre am besten. Die bessere Dosierung als beim herkömmlichen Strahlrohr bewirkt, dass es weniger Wasserschäden in Gebäuden gibt“, erklärt Kommandant Harald Schmidt. Er ist selbst kein Atemschutzgeräteträger, interessiert sich jedoch sehr für den Ablauf. Mit der Wärmebildkamera der Wehr beobachtet er vom Eingang zum Container aus, wie sich die Temperatur im Innern stetig erhöht. Der höchste gemessene Wert liegt bei über 700 Grad im Zentrum der Flammen. Die Feuerwehrleute waren nach der Übung noch rund 80 Grad warm. Die Schutzkleidung hält natürlich die größte Hitze von den Aktiven ab. Trotzdem ist jedem der acht Teilnehmer mächtig heiß geworden unter Helm, Handschuhen, Flammschutzhaube, Sauerstoffmaske, Schutzanzug und Stiefeln.

Einfach ist es nicht, das Innere eines Stahlcontainers auf hohe Temperaturen zu bringen. Spanplatten und zwei Flaschen Grillanzünder sind nötig, bis Ausbilder Tim Ullrich „das gewünschte heiße Szenario“ hergestellt hat.

Möbel simuliert

Die rund 10 Quadratmeter eingehängten Spanplatten simulieren quasi die Möbel eines durchschnittlichen Zimmers. Vor der praktischen Übung schult Ullrich jede Gruppe auch in der Theorie, zeigt wichtige Handgriffe und gibt Tipps. Er weiß, wovon er spricht. Ullrich ist Berufsfeuerwehrmann und Aktiver der Werksfeuerwehr bei ZF Sachs in Schweinfurt. Sein Ziel ist es, die Atemschutzgeräteträger so zu sensibilisieren, dass diese eine Flashover-Gefahr erkennen und deren Durchzündung rechtzeitig verhindern können. Dies funktioniert mit Wasserdampf, doch auch dieser hat seine Tücken. Zu viel Wasser produziert zu viel heißen Dampf, und dieser wiederum macht den Feuerwehrleuten unter Umständen zu schaffen. Bei der Übung bleiben alle cool – trotz der Hitze. Die Aktiven sind froh über diese neue Erfahrung, die in den herkömmlichen Ausbildungscontainern oft nicht auf diese Art möglich ist.

 

BRIGITTE GRÜNER

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