22°

Freitag, 03.07.2020

|

Brauchtum in Warteschleife: Trachtler können derzeit allenfalls online tanzen

Die Trachtenvereine können durch die Corona-Krise ihre Jahrespläne nicht umsetzen. - 26.06.2020 14:55 Uhr

Im Moment undenkbar: Gaujugendtag beim Auerbacher Heimat- und Volkstrachtenverein 2017 auf dem Auerbacher Marktplatz mit Tänzen und Bewirtung. © Foto: Archiv/Brigitte Grüner


Wie fast alle Kulturschaffenden haben die Traditionshüter in Auerbach und Königstein ihre Veranstaltungen, der politischen Vorgabe folgend, bis 31. August abgesagt. Und starten auch erst nach dem Ende der Sommerferien im September in die Trachten-Saison. Der für April 2020 geplante vierte Zwiefachen-Tag der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz wurde ins folgende Jahr verschoben.

In dieser Situation wurde die Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz aktiv und empfiehlt zum Einen den Besuch der Sonderausstellung "Maurerklavier und Wanzenpress", die derzeit im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen nahe Nabburg zu sehen ist.

Die Ausstellungsmacher Dr. Elmar Walter und Roland Pongratz haben die Schau – mit Unterstützung der Kultur- und Heimatpflege – extra für ihre Station in der Oberpfalz erweitert und erneuert. Die multimediale Sonderausstellung zur Harmonikage-schichte zeigt Musikinstrumente aus dem bayerischen und dem böhmischen Raum sowie die grenzübergreifende Musiktradition in Ostbayern.

Mit Kopfhörern und/oder Smartphone kommt der Besucher auch in den Genuss der Film- und Toninhalte. Zurzeit dürfen zum Infektionsschutz immer nur sechs Personen gleichzeitig in die Ausstellung, die Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr besucht werden kann.

Bei der Bezirksheimatpflege gibt es reichhaltiges Noten- und Informationsmaterial, das zum Singen und Musizieren einladen soll, zum Beispiel die Neuauflage der Notenmappe "Zwiefache aus der Oberpfalz", die zusammen mit der Abteilung Volksmusik des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege herausgegeben wurde.

Kostenlose Notenhefte

Dem Thema Zwiefachen widmen sich auch die zu den Zwiefachentagen in Hemau und Furth im Wald erschienenen Notenhefte, die kostenlos bestellt werden können. Nicht nur Zwiefache gibt es in den Singbüchern "Gäih, sing ma oans!" (kostenlos) und "Singen im Tirschenreuther Land".

Noch ganz frisch sind die "Mitteilungen aus dem Oberpfälzer Volksmusikarchiv und den Sammlungen der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz (MOVAS)" erschienen. Der erste Band beinhaltet neben dem Verzeichnis der Liederbuchsammlung von Manfred Langer auch vier Aufsätze unter anderem zu den Fuchsmühler Gsangln und den volks- und folkmusikalischen Aktivitäten rund um die Anti-WAA-Proteste. Der vierte Zwiefachentag soll in Berching am 24. April 2021 über die Bühne gehen.

Was hiesige Volksmusik- und Brauchtums-Aktivisten davon halten? Andreas Götz, Vorsitzender des Heimat- und Volkstrachtenvereins Auerbach e.V., sieht die Bezirks-Aktion positiv: "Die Idee des Bezirks Oberpfalz, auf das Volksmusikgut aus der Oberpfalz hinzuweisen und auch fürdie Ausstellung in Neusath/Perschen zu werben, erachten wir gerade in dieser Zeit als sinnvoll, denn das Freilandmuseum Neusath/Perschen ist immer wieder auch ein Auftrittsort unserer Jugend aus der gesamten Oberpfalz (Oberpfälzer Gauverband) und stets eine Reise wert", betont Götz.

Blick auf Geschichte

Das Freilandmuseum stehe unter dem Motto "Zurück in die Vergangenheit", verschiedenste Höfe, die Mühle und das Wirtshaus würden zur Einkehr einladen. Zudem sei vor allem in volksmusikalischer Hinsicht das Museum immer gerne bereit, eine Plattform für Darbietungen zu ermöglichen. Die vom Bezirk beworbenen literarischen Werke seien für Volksmusikliebhaber "sehr schön zu lesen", meint Götz.

Im Bezirksheimatpfleger-Team sei man bei Fragen in Sachen Oberpfälzer Volksmusik "sehr gut aufgehoben". Das Team um Dr. Tobias Appl mit Veronika Straubinger stehe mit Rat und Tat jedem Fragenden zur Seite.

"Wir finden es gut, dass auch der Bezirk und vor allem die Bezirksheimatpflege in Sachen Werbung tätig wird", meint Götz und fügt kämpferisch hinzu: "Wo wohnen wir denn? In der Heimat! Wo ist es am schönsten? In der Heimat! Wieso muss man wissen, was ein Hausbau im Toskana-Stil ist, aber nicht weiß was ein Hausbau im Oberpfälzer-Stil ist.? Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?"

Weniger euphorisch empfindet Hildegard Bär vom Trachtenverein Königstein D’Ossinger das Corona-Überbrückungsprogramm des Bezirks.

Auch die Königsteiner mussten ihre Aktivitäten mehr oder weniger auf Null herunterfahren. Hildegard Bär setzt auf Abwarten und auf allmähliche Normalisierung. "Kostenlose Noten brauchen wir auch nicht, da sind wir bestens ausgestattet", sagt die Brauchtums-Aktivistin.

HANS VON DRAMINSKI

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Auerbach