Mittwoch, 23.10.2019

|

Bündnis gegen Motorradlärm im Ahorntal

Bewohner wollen das Dröhnen nicht mehr länger hinnehmen - Gemeinden planen eine konzertierte Aktion. - 18.04.2019 13:05 Uhr

Sobald es die Wetterverhältnisse zulassen, tummeln sich an den Wochenenden junge Motorradfahrer auf der Staatsstraße 2185 zwischen Glashütten und Volsbach. Der Lärm belastet die Anwohner in Glashütten und im Ahorntal. Die Bewohner wollen das Dröhnen nicht mehr länger hinnehmen und fordern die Politik zum Handeln auf.


Wie an der Rennstrecke: Die Gemeinde Glashütten hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um das Lärmproblem auf der Staatsstraße 2185 in den Griff zu bekommen. Dort tummeln sich an schönen Wochenenden die besonders risikofreudigen Motorradfahrer.

Fahrer aus ganz Nordbayern

Die meist jungen Fahrer kommen aus ganz Nordbayern. Auf der kurvenreichen Strecke im Glashüttener Forst gehen sie mit ihren Maschinen bis ans Limit. Der dabei entstehende Lärm geht den Anwohnern in Glashütten und Volsbach gerade an den Wochenenden auf die Nerven.

Sie sprechen von einem Dröhnen wie an einer Rennstrecke. Bürgermeister Werner Kaniewski (SPD) sagt: "Der Motorradlärm ist überall ein Problem. Da hilft nur eine konzertierte Aktion." Die Forderungen des Aktionsbündnisses in der Eifel träfen den Nagel auf den Kopf. Deshalb unterstütze die Gemeinde die Forderungen der Eifel-Gemeinden. Wie Kaniewski mitteilte, habe sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen.

Mit dem Motorradlärm hat sich auch der Gemeinderat in Kirchahorn schon häufiger befasst. Auch der Bürgermeister Florian Questel (Grüne) sucht Abhilfe.

Ziel: Aufsehen erregen

Strategisches Vorgehen: Um den Lärm auf der Staatsstraße 2185 einzudämmen, hatte die Gemeinde Glashütten bislang Hilfe beim Landratsamt und der Polizei gesucht. In der Eifel gehen die Kommunalpolitiker einen anderen Weg.

"Bereits seit einiger Zeit streben wir eine strategische Vorgehensweise gegen den Motorradlärm an", teilt Karl-Heinz Hermanns, der Bürgermeister der Eifel-Gemeinde Simmerath mit.

Er ist der Sprecher des Aktionsbündnisses, das Anfang Juni seine Kampagne "Silent Rider" vorstellen will. Ziel des gemeinsamen Handelns sei es, bundes- ja europaweites Aufsehen zu erregen. Die verantwortlichen Politiker in Land, Bund und Europa sollen auf das Lärmproblem aufmerksam werden. Dann sollen sie die Initiative ergreifen, um die rechtlichen Bestimmungen für die Zulassung und den Betrieb von Motorrädern zu ändern, so der Plan. Regionale Partner: Das Aktionsbündnis besteht aus sechs Kommunen, drei Kreisen, drei Polizeibehörden, der Verwaltung des Nationalparks Eifel und seines Fördervereins. Darunter die Städte Heimbach, Nideggen und Schleiden, die Gemeinden Simmerath, Hürtgenwald, Nettersheim und Schleiden. Dazu gehören die Kreise Düren und Euskirchen sowie die Polizei in Aachen, Düren und Euskirchen.

"Wir sind der festen Überzeugung, dass wir als betroffene Regionen unsere Ziele nur zusammen erreichen können", so Bündnissprecher Hermanns.

Kampagne "Silent Rider": Das Bündnis sucht Mitstreiter. Bürgermeister Hermanns: "Wir brauchen viele starke, auch finanzielle Unterstützer, die von der gleichen Vision geleitet werden: der Vision von ländlichen Regionen ohne mutwillige Lärmverschmutzung."

Das Kampagnenkonzept ,,Silent Rider" hat eine Agentur für Kommunikation entwickelt. Darin betont das Bündnis, Lärm stelle eine schlimme Umweltbeeinträchtigung dar, die Menschen krank mache.

Die Belastung der Bevölkerung durch Motorradlärm stelle ein zentrales Problem des Umwelt- und Gesundheitsschutzes dar. Dies gelte insbesondere in Gegenden, die viele Menschen zur Erholung nutzen. Motorräder müssten wesentlich leiser werden. Dazu bedürfe es politischer Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene.

Konkrete Forderungen: Das Konzept nennt konkrete technische Manipulationen, deren Strafbarkeit drastisch verschärft werden sollte. Es bedürfe auch neuer Messverfahren und Zulassungskriterien, die den tatsächlichen Lärm der Maschinen bei den unterschiedlichen Fahrweisen besser berücksichtigen. Technische Veränderungen sollen mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Die Kampagne fordert zudem ein Frontkennzeichen für Motorräder. Auch gegen die Anonymisierung der Fahrer durch den Schutzhelm müsse etwas geschehen. Deshalb müsse ein persönliches Helmkennzeichen eingeführt werden.

Menschen suche Ruhe

Parallelen: Sowohl die Fränkische Schweiz wie auch die Eifel sind Urlaubsregionen. Die Eifel ist Nationalpark, die Fränkische Schweiz ist Naturpark. In beiden Gebieten suchen die Menschen Ruhe. In der größeren Eifel stellt sich das Problem Lärm wegen viel mehr Motorrädern allerdings in einer größeren Dimension.

Ausblick: Dass gesetzgeberische Maßnahmen viel Zeit brauchen, ist den Beteiligten klar. "Was nützt es, wenn sich einer aufregt", so Bürgermeister Kaniewski. "Die Damen und Herren Politiker müssen begreifen, dass die Lärmwerte für Motorräder auf den Prüfstand gehören." Was beim Lastwagen gehe, müsse auch beim Motorrad funktionieren, so Kaniewski.

VON UDO BARTSCH

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Volsbach