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Samstag, 25.05.2019

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Bungalow und Wohnblock aus Familienbesitz versteigert

Zwei Pegnitzer Gebäude im Pegnitzer Osten kamen in Bayreuth zwangsweise unter den Hammer - 16.05.2019 10:00 Uhr

Dieses Haus in Pegnitz, Max-Reger-Straße 8, hat bei einer Zwangsversteigerung den Besitzer gewechselt. Das Höchstgebot lag nach einem Bietergefecht bei 265000 Euro. © Foto: Klaus Trenz


Nicht nur im Gerichtssaal herrschte Gedränge, auch am Einlass musste man mehrere Minuten warten. Zu groß war das Interesse an der Zwangsversteigerung der Immobilien in Pegnitz. Zeitweise war das Gericht sogar so überfüllt, dass nicht alle Anwesenden Sitzplätze fanden – weshalb einige Interessenten die Versteigerung auch stehend verfolgten.

Zunächst wurde vor dem Amtsgericht die Zwangsversteigerung eines Hauses an der Gerhart-Hauptmann-Straße gestartet. Dieses war im November 2017 beschlagnahmt worden. Das Objekt sei laut Gericht zumindest in Teilen noch vermietet.

Das geringste mögliche Gebot wurde vom Gericht auf knapp 8100 Euro festgesetzt. Allerdings machte die betreibende Bank schnell klar, dass sie keinem Angebot unter 325 000 Euro den Zuschlag erteilen könnte. Trotzdem wurde ein erstes Gebot von nur 300 000 Euro abgegeben.

14 Gebote

Am Ende der halben Stunde, die das Gericht als Mindestzeit angekündigt hatte, waren 14 Gebote abgegeben worden. Das letzte und höchste wurde von einem Mann und einer Frau abgegeben und betrug 360 000 Euro. Die beiden erhielten folglich den Zuschlag und sind nun Besitzer des Anwesens.

Der Anwalt der vorherigen Besitzer, Thomas Ebersberger, wollte sich nicht so richtig darüber freuen, wie er sagte: "Ich hätte gehofft, dass über 400 000 Euro rauskommen. Es ist ja eigentlich ein relativ interessantes Objekt. Allerdings hängt so etwas immer vom jeweiligen Termin ab, wer da ist und wie stark das Interesse der Leute an der Immobilie dann ist. Zwangsversteigerungsverfahren sind immer ein Vabanquespiel."

Der letztendliche Preis sei zwar höher als der durch einen Gutachter geschätzten Verkehrswert von 331 000 Euro, "allerdings gehen die Immobilienpreise im Moment generell nach oben, deshalb dachte ich, dass das hier etwas mehr Fahrt aufnimmt. Auch die Tatsache, dass es nur vier Bieter gab, ist ungewöhnlich", so Ebersberger. "Damit kann man leben, wobei es natürlich schön gewesen wäre, wenn es ein höheres Gebot gewesen wäre."

Die zweite Immobilie, ein Mehrparteienhaus in der Max-Reger-Straße, war ebenfalls im November 2011 beschlagnahmt worden und sei ebenfalls mindestens zum Teil vermietet, so das Gericht. Auch hier machte die Bank klar, dass das Mindestgebot — in diesem Fall knapp 7100 Euro — nicht im Ansatz ausreichen würde: Gebote unter 184 500 Euro könne man nicht akzeptieren.

Und siehe da: Das erste Gebot lag mit 205 000 Euro über den Mindestvorstellungen. Nachdem auch hier die Mindestzeit von 30 Minuten abgelaufen war, kristallisierte sich aus den anfänglich fünf Bietern ein Kampf zwischen drei Männern heraus. Dieser steigerte sich von Geboten im unteren Zweihunderttausender-Bereich schnell über 250 000 Euro. Als das 26. Angebot in Höhe von 260 000 Euro vom Richter bereits herunter gezählt wurde, warf ein Bieter noch ein Gebot von 262 000 Euro in den Raum.

Ein Gebot später, nach ganzen 28 Geboten, gab einer der Männer mit 265 000 Euro das letzte und höchste Gebot ab und erhielt den Zuschlag. "Auch mit dem Ergebnis kann man leben", fand Anwalt Ebersberger. "Es liegt über dem Verkehrswert, das ist wichtig. Aber gut, es ist immer Lotto oder Poker, je nachdem, aus welcher Richtung man drauf schaut."

Probleme hatte es mit den Wohnanlagen in der Beethoven- und in der Max-Reger-Straße schon länger gegeben. Mieter hatten über Schimmel an den Wänden geklagt, über undichte Dächer und Fenster (wir berichteten). Mitunter war von den Versorgern sogar der Strom oder Telefon- und Fernsehkabel wegen Zahlungsverzugs "abgezwickt" worden. Niemand hatte sich zuständig gefühlt. Zuletzt standen die Objekte unter Zwangsverwaltung.

Moniert hatte der Zwangsverwalter durchfeuchte Keller, Pilz- und Algenbefall an den Außenwänden sowie Gebrauchs- und Bestandsmängel. Generell seien die Wohnungen aber in einem vermietbaren Zustand gewesen. Nebenkosten seien seit 2016 nicht mehr abgerechnet worden, Bewohner hätten wegen der Mängel Miete einbehalten, teilweise hätten sie das Öl für die Heizung sogar selbst besorgen müssen.

Bereits im vergangenen Jahr waren drei Objekte aus dem Familienbesitz zwangsversteigert worden. In teils spektakulären Bieterkämpfen hatte es Gebote gegeben, die fast das Doppelte des Verkehrswerts betrugen. 

JULIAN SEIFERTH

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