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Christoph Weißmann: Wie Kirche wieder attraktiv wird

In der Plecher Weidenkirche gibt es Gottesdienste der etwas anderen Art - Sie sind Teil eines größeren Plans - 10.05.2019 09:19 Uhr

Pfarrer Christoph Weißmann (M.) bedankte sich bei vielen Unterstützern des Projekts „Weidenkirche“. Hier mit Regionalbischöfin Dorothea Greiner (3.v.re.) und Dekan Schoenauer (re.). Dr. Greiner weihte den Altar und das Altarbild, das in Form eines Kreuzes vor der Ostersonne gestaltet worden war. © Foto: Brigitte Grüner


Den beiden christlichen Kirchen laufen die Gläubigen davon. Seit Jahren. Längst hat der Mitgliederschwund die natürliche Fluktuation hinter sich gelassen. Dass inzwischen immer lauter über eine wie auch immer geartete Wiedervereinigung von Katholischer und Evangelischer Kirche nachgedacht wird, ist Symptom dieser Misere.

In Plech sucht man nach cleveren Antworten auf die Frage, wie man mit dem Glauben, mit Kirche und Religion die Menschen des 21. Jahrhunderts erreicht. "Es gibt eine Menge Stellschrauben, an denen man drehen kann", sagt Christoph Weißmann. Dies fange bei der Kinder- und Jugendarbeit an: "Wir haben wieder die Konfi-Kids-Projekte gestartet", erklärt Weißmann: Drittklässler sollen spielerisch Dinge erfahren, die im Alltag so nicht vorkommen. Da gibt es unter anderem Posaunen-Schnupperkurse oder spezielle Gemeindegruppen. So werden etwa ältere Menschen im Seniorenheim oder zuhause besucht und es wird für sie gesungen.

"Kirche funktioniert über Gemeinschaft", stellt Christoph Weißmann fest. Deshalb werden auch die Eltern in die für junge Christen gedachten Aktivitäten einbezogen. "Das muss ineinander greifen", so Christoph Weißmann.

Am kommenden Sonntag, 12. Mai, werden in Plech die neuen Konfirmanden vorgestellt. Als "Türöffner" dient ein Mark-Forster-Song über die Welt und den Platz, den die Menschen in ihr haben.

Man dürfe gesamtgesellschaftliche Entwicklungen nicht ignorieren, gibt Christoph Weißmann zu bedenken. Auch Predigten müssten zur Lebenswirklichkeit der Menschen passen und dürften sich daher nicht im leeren Raum bewegen.

Aus dieser Geisteshaltung speist sich, zumindest zum Teil, auch der Erfolg der Weidenkirche, die im September 2017 geweiht und 2018 in "Betrieb" genommen wurde. Das Gotteshaus ohne Wände steht den Menschen 24 Stunden am Tag offen und ist zur inneren Einkehr gedacht. "Die Weidenkirche soll für sich alleine sprechen", meint Weißmann dazu.

Gottesdienst am 19. Mai

Den ersten Gottesdienst der Sommersaison zelebrieren Christoph Weißmann und sein Team am Sonntag, 19. Mai, 19 Uhr, als Familiengottesdienst (bei Regen in St. Susannae). Das Motto "Ich vergebe Dir, Du Dir auch" soll zum Nachdenken über die eigene Stellung im Leben anregen. Es sei wenig zielführend, sich von Selbstvorwürfen zerfressen zu lassen oder nachtragend zu sein und anderen Menschen damit das Dasein schwer zu machen.

Die Aktivitäten in der Weidenkirche beschränken sich übrigens nicht auf Frühling und Sommer: Am 22. Dezember gibt es eine Weihnachtsfeier unter dem Leitspruch "Wir haben einen Traum", mit dem an Martin Luther King und seinen Traum einer Gesellschaft Gleichberechtigter erinnert werden soll. Erfahrungsgemäß ist bei solchen Gelegenheiten die Weidenkirche voller Menschen, 200 bis 300 an der Zahl. "Manchmal reichen die Bänke nicht", berichtet Christoph Weißmann und lächelt dabei.

Ob die Weidenkirchen-Gottesdienste synergetische Wirkung haben? Christoph Weißmann bejaht das. Es gebe heute viele, denen ein Gottesdienst ab und zu völlig genüge. Und auch jene gelte es zu erreichen.

VON HANS VON DRAMINSKI

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