Clubfahne in der Basilika Gößweinstein geweiht

25.8.2018, 08:57 Uhr
Clubfans mit Leib und Seele, von links: Marco Gebhardt, Petra Thermann, Roswitha Körber und Luca Gebhardt. Die Mitglieder des FCN-Fanclubs „Die Gläubigen“ fahren heute im Doppeldeckerbus nach Berlin.

Clubfans mit Leib und Seele, von links: Marco Gebhardt, Petra Thermann, Roswitha Körber und Luca Gebhardt. Die Mitglieder des FCN-Fanclubs „Die Gläubigen“ fahren heute im Doppeldeckerbus nach Berlin. © Ralf Münch

Ihr Gründer und langjähriger Vorsitzender Thomas Gebhardt starb im Jahr 2015 an Krebs. Etwas, was sie erst mal verdauen mussten, sagen seine Söhne Marco und Luca Gebhardt – beide in Papas Fußstapfen, überzeugte Cluberer und Fanclub-Mitglieder.

In einer feuchtfröhlichen Stimmung nach dem DFB-Pokalsieg 2007 habe der Papa den Fanclub gegründet. Seine Kinder brauchte er da schon lange nicht mehr vom 1. FC Nürnberg zu überzeugen. "Der Papa hat uns schon ins Stadion mitgenommen, da war ich gerade drei Jahre alt", meint Luca Gebhardt dazu. Fußballerische Früherziehung, die gar keine andere Wahl ließ.

Was 2007 in bierseliger Stimmung beschlossen wurde, ist jetzt ein Fanclub von 120 Mitgliedern. Ein lebendiger Verein, der — nach der Trauerphase — im kommenden Fasching auch wieder einen Wagen stellen will. Man werde auch von den anderen Vereinen im Ort zu Festumzügen eingeladen, also ernstgenommen.

Einige hätten schon seltsam geschaut, als zum fünfjährigen Bestehen des Fanclubs eine Fahnenweihe vorgenommen wurde — direkt beim Hochamt am Sonntag in der Gößweinsteiner Basilika, erinnert sich Marco Gebhardt. "Das war auch so eine Idee vom Papa. Wenn der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann ist das auch so passiert."

Aber da Pfarrer und Kantor ohnehin dabei waren bei den "Gläubigen", war das gar keine Frage. Kantor Georg Schäffner übertrug "die Legende lebt", die Vereinshymne des 1. FC Nürnberg, auf seine Orgel und spielte sie zur Fahnenweihe. "Der Papa hatte richtig Tränen in den Augen, das hat ihm sehr viel bedeutet", sagt Marco Gebhardt.

Damit sei man auch über die Grenzen Gößweinsteins bekannt geworden. "Eine Fahnenweihe eines Club-Fanclubs in einer katholischen Basilika, das gab es wahrscheinlich noch nie", sagen die Gebhardt-Brüder. Sogar manche Besucher wollen "die Legende lebt" auf der Orgel hören, nachdem sie das Video auf Youtube gehört haben.

Doch wie ist das mit dem Glauben und dem Club? Der Verein war immerhin Rekordmeister bis Mitte der Achtziger — erst 1987 überholten die Bayern den Club. Jetzt sind sie immerhin Rekordaufsteiger. Aber vor den acht Aufstiegen standen für das Gründungsmitglied der Bundesliga auch acht Abstiege. "Ich weiß nicht mehr, wie viele Taschentücher ich verbraucht habe", sagt Petra Thermann, die Vorsitzende des Fanclubs, "aber es waren sehr viele." Marco Gebhardt reagiert eher wütend, wenn die Nürnberger, diese Stehaufmännchen der Liga, einmal mehr einen Tiefschlag kassieren. Es schwingt deswegen auch jede Menge Fatalismus mit, wenn die Sprache auf die neue Saison kommt.

"Hauptsache, wir bleiben drin und haben mit dem Abstieg nichts zu tun", sagt er. Thermann wünscht sich einen Platz im Mittelfeld, den zehnten oder elften. Eben ein wenig Ruhe und Erholung für die Nürnberger Fanseele. Aber eines ist, trotz aller Vorsicht, klar: Sie freuen sich richtig auf die neue Saison, vor allem auf die heutigen Auswärtsfahrt nach Berlin: "Wahrscheinlich wird das jetzt die größte Auswärtsfahrt, die wir bisher organisiert haben", sagt Marco Gebhardt. Einen ganzen Doppeldeckerbus habe man organisiert, über 70 Mitglieder der Fanclubs Gößweinstein und Obertrubach fahren mit.

Auf welche Reise freuen sie sich am meisten? "Auf Schalke", antworten die drei unisono. Es sei eine Familienfeier. "Normalerweise sind die Fanblöcke in allen Bundesligaspielen getrennt. Außer bei den Schalkern und uns. Wir laufen zusammen ins Stadion und zusammen wieder raus. Egal, wer gewinnt, wir feiern alle zusammen. Wir haben sogar gemeinsame Fansongs", so Gebhardt.

Der 1. FC Nürnberg spielt in der Saison 2018/19 der Bundesliga zum ersten Mal seit 2014 wieder erstklassig. Acht Abstiegen stehen in der Bilanz des 1900 gegründeten Vereins acht Aufstiege, neun Meisterschaften, vier DFB-Pokalsiege und vier Zweitliga-Meisterschaften als Erfolge entgegen. Nach dem FC Bayern ist der 1. FC Nürnberg auf nationaler Ebene der zweiterfolgreichste Verein. Die letzte Meisterschaft von 1968 jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal.

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