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Corona-Fall nach Kreistagssitzung: Florian Questel hält Quarantäne für "übertrieben"

Masken nach 20 Minuten nass: Florian Questel wundert sich über Begründung des Gesundheitsamtes - 11.03.2021 17:00 Uhr

Die angeblich nach 20 Minuten durchnässten FFP2-Masken seien vom Gesundheitsamt als Grundlage für die Quarantäne benannt worden, sagt Florian Questel.

11.03.2021 © Foto: privat


"Ich habe mich auch mit Kollegen ausgetauscht, es herrscht allgemein Verwunderung", sagt Questel. Seien doch an diesem Montagnachmittag alle Hygieneregeln "konsequent" eingehalten worden. Alle hatten genug Abstand zueinander, alle hätten durchgehend FFP2-Masken getragen. Wollte ein Kreisrat diese bei Wortmeldungen etwas "lüften", habe Landrat Florian Wiedemann sofort eingegriffen, "das lief alles ohne Wenn und Aber durchgehend korrekt ab". Doch das habe dem Gesundheitsamt nicht ausgereicht. Stichwort Maske: "Mir wurde gesagt, diese seien nach 20 Minuten völlig durchnässt und verlören damit ihre Wirksamkeit."

Eine Aussage, die Questel "sehr, sehr stört". Weil er sich als ausgebildeter Fachkrankenpfleger schon aus beruflicher Sicht "ganz gut auskennt". Weil er sich auch noch mal beim Robert-Koch-Institut (RKI) und in Fachbüchern schlau gemacht hat. Sein Fazit: "Das stimmt einfach nicht, die Sache mit den 20 Minuten gilt nur bei schwerster körperlicher Arbeit." Schließlich trage Pflegepersonal diese Masken auch "eine ganze Schicht lang", dann würden sie sterilisiert und wiederverwendet.

Folge man dem Gesundheitsamt, "dann brauchen wir gar keine Masken, dann wäre das Tragen letztlich eine überflüssige Maßnahme". Das sei nicht nachvollziehbar – und gefährlich mit Blick auf die Bürger draußen und deren Akzeptanz für das Tragen von Masken. Ganz abgesehen davon, dass viele jetzt meinten, "da ist sicher was schiefgelaufen, die haben sich nicht an die Regeln gehalten". Und das stimme eben nicht, das Gegenteil sei der Fall. Da kommt Questel zum nächsten Punkt seiner Kritik: Er begreife nicht, warum er – wie viele andere auch – in Quarantäne muss, "obwohl ich in einem gut belüfteten Raum mindestens 15 Meter vom betroffenen Kollegen entfernt saß, wir hatten keinen Kontakt." Für dessen unmittelbares Umfeld könne er das verstehen, "aber doch nicht für 40 Leute". Für diesen kleinen Kreis sei auch eine Quarantäne von zwei Wochen vertretbar, wenn man befürchte, es handle sich um die britische Corona-Mutante, "die hat eine längere Inkubationszeit". Questel spricht von einer "grenzwertigen Ansicht" des Gesundheitsamtes, die Reaktion sei "übertrieben" gewesen. Und verweist auf ein Beispiel, "dass es auch anders geht".

Unterschiedliche Behandlung gleicher Sachverhalte

Eine ihm bekannte Friseurin habe einen – wie nachträglich festgestellt wurde – mit dem Virus infizierten Kunden betreut – "und durfte nach einem negativen Test ihre Arbeit wieder aufnehmen". Da sehe man, wie unterschiedlich vergleichbare Sachverhalte behandelt würden. Das Gesundheitsamt widerspricht. Die von Questel zitierte Aussage sei "nach Auskunft des stellvertretenden Leiters Ansgar Scherl nie getätigt worden", teilt Hannes Huttinger, Sprecher des Landratsamtes, auf Anfrage mit. Dazu Florian Questel: "Das ist der Hammer, natürlich wurde das so gesagt."

Stimmt nicht, wiederholte das Landratsamt Mittwochmittag in einer zweiten Stellungnahme. Für das Gesundheitsamt sei unter anderem entscheidend, dass die Kreisräte "an Sitzungen teilgenommen haben, die jeweils weit länger als 30 Minuten gedauert haben". Mit steigender Dauer einer Veranstaltung gewinne die Übertragbarkeit durch Aerosole an Bedeutung – "hier schweben die Viruspartikel über Stunden in der Luft". Zudem gebe es "niemals die Garantie, dass alle Teilnehmer ihre Masken auch eng anliegend und regelkonform getragen haben und diese somit ihre volle Wirksamkeit entfalten konnten".

Dies habe das Gesundheitsamt zu dem Schluss gebracht, nach "reiflicher Überlegung und Abwägung aller Umstände des konkreten Einzelfalls" alle Teilnehmer oben genannter Sitzungen als Kontaktpersonen der Gruppe eins einzustufen.

STEFAN BRAND

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