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Sonntag, 20.09.2020

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Corona: Landratsamt sieht keinen Anlass für eine Entwarnung

Die Verantwortlichen am Bayreuther Landratsamt sehen die Corona-Lage als nach wie vor ernst. - 08.08.2020 16:55 Uhr

Denn gerade für Risikogruppen sei eine zeitgleiche Erkrankung an Corona und Grippe "sehr gefährlich". Im Gegensatz zu den Jahren 2017/18, "als sich die WHO verschätzt hat", handle es sich um ein Vierfach-Serum, das alle nötigen Wirkstoffe enthalte. Von Stetten geht davon aus, dass der Impfstoff bei uns ab Oktober in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

Die gute Nachricht: Stadt und Landkreis Bayreuth seien besser durch die Krise gekommen als andere Regionen in Bayern. Bisher habe das Gesundheitsamt 645 mit dem Virus Infizierte registriert, davon seien 37 gestorben. Und zwar an Covid 19, nicht "nur" mit dem Virus. Ja, sagte von Stetten in einer Pressekonferenz im Landratsamt auf Nachfrage, in der Statistik tauchten auch Corona-Patienten auf, deren Tod eine andere Ursache hat — etwa, wenn jemand nach einem Leitersturz in der Klinik positiv getestet werde, letztlich aber einem Schädel-Hirn-Trauma erliege. Aber: "Bei uns spielt das kaum eine Rolle, höchstens drei von den 37 Todesfällen sind davon betroffen."

Ketten rasch ermittelt

Alles in allem wurden seit März 52 an Covid-19 Erkrankte an den Kliniken in Bayreuth und Pegnitz behandelt, viele davon auf den Intensivstationen. Dass es nicht mehr waren, habe mehrere Gründe, sagt von Stettens Kollege Dr. Gerhard März: der hohe Einsatz des Personals im Landratsamt, die freiwilligen Leistungen von niedergelassenen Ärzten und Medizinstudenten und angehenden Finanzbeamten — aber die Erfolge des zehnköpfigen Contract-Tracing-Teams, das Infektionsketten rasch ermitteln konnte.

Dessen Leiter Roland Hassel, der dem Gesundheitsamt vom Bund gestellt wurde, lobt wie von Stetten das bisher besonnene Verhalten der Menschen in diesem Raum. Aber nicht nur ihm bereite die Rückkehr von Urlaubern aus Risikogebieten Sorgen. Denn auch wenn es Tests an Flughäfen und Autobahnen gebe: "Eine absolute Sicherheit biete ein erster Test nicht." Weil er bei einer Inkubationszeit von fünf, sechs Tagen "die letzten eben nicht abdeckt". Er rate daher "unbedingt" zu einem zweiten Test fünf bis sieben Tage nach der Ankunft Zuhause.

Auch wenn in Stadt und Landkreis im Moment nur fünf Menschen als infiziert gelten, was Klaus von Stetten einen "ganz diskreten Anstieg" nach null Fällen in den Vorwochen nennt, herrscht auch bei Landrat Florian Wiedemann nur bedingt Entspannung: Urlaubszeit und verstärkte Reiseaktivitäten seien das Eine, eine verstärkt zu beobachtende Sorglosigkeit im Umgang mit Abstands- und Hygieneregeln das Andere. Dazu geselle sich "wachsender Verdruss" über die Einschränkungen. So zu sehen bei den Demonstrationen am Wochenende in Berlin. Das Verhalten der Menschen bezeichnet Wiedemann als "dramatisch". Daher werde man die Entwicklung in der Region genau beäugen und auch kontrollieren. Das bestätigt auch von Stetten. Wenn nötig, werde auch die Polizei eingeschaltet, vor allem, wenn es um die Einhaltung von Quarantänevorschriften gehe.

Aus Sicht der Verantwortlichen am Landratsamt besteht kein Anlass für eine Entwarnung. Gerade angesichts der wieder entdeckten Reisefreudigkeit der Bürger. Von Stetten: "Bei den aktuell fünf Fällen handelt es sich durch die Bank um Personen, die aus dem Ausland zurückgekommen sind." Auch wenn jemand infiziert sei, ohne selbst erkrankt zu sein, so könne er doch jederzeit andere anstecken. "Die meisten sind symptomfrei, aber das ändert ja nichts am Risiko, das von Infizierten ausgeht", sagte von Stetten auf Nachfrage unserer Zeitung zu der bei Kritikern weit verbreiteten Ansicht, dass die Infektionszahlen nur eine geringe Aussagekraft hätten.

STEFAN BRAND

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