Corona: Warum es im Landkreis Amberg-Sulzbach seltener Gemeindezahlen gibt

2.3.2021, 17:15 Uhr
727 Corona-Infektionen wurden im Landkreis Amberg-Sulzbach im Kalenderjahr 2021 registriert.

727 Corona-Infektionen wurden im Landkreis Amberg-Sulzbach im Kalenderjahr 2021 registriert. © dpa

Auf Nachfrage der Nordbayerischen Nachrichten hat das Gesundheitsamt des Landkreises Amberg-Sulzbach am Montag eine Übersicht über die Corona-Zahlen in den 27 Landkreis-Gemeinden und der Stadt Amberg zusammengestellt. Auch im Jahr 2020 waren die Städte Sulzbach-Rosenberg (580 Infizierte) und Auerbach mit 414 positiv Getesteten bei insgesamt 2385 Infizierten am meisten betroffen.


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Im laufenden Jahr haben sich nun auch viele Königsteiner angesteckt. Waren es im gesamten Vorjahr 30 Infizierte, so wurden im Januar und Februar 2021 schon 27 Bürger positiv getestet.

Gerne würden wir regelmäßig über die Corona-Neuinfektionen in den Amberg-Sulzbacher Gemeinden berichten. Immer wieder fragen Leser, warum wir zwar die Corona-Zahlen aus den Gemeinden in den Landkreisen Bayreuth und Nürnberger Land, aber nicht die Neuinfizierten aus dem oberpfälzer Landkreis veröffentlichen.

Die Nordbayerischen Nachrichten fragten im Gesundheitsamt nach und bekamen von Leiter Dr. Roland Brey eine ausführliche Antwort. Das Thema werde immer wieder an das Gesundheitsamt herangetragen, so Brey, der die Vorgehensweise seiner Mitarbeiter wie folgt begründet: "Leider besteht eine starke Fixierung der Politik und der Medien auf Zahlen und Inzidenzen, was zu politischen Maßnahmen und Aktionen führen kann, die jetzt auch zunehmend auf Kritik stoßen, weil hier oft Werte genannt werden, die keine fachliche Grundlage haben. Die Mutationsverbreitung erschwert das Erreichen von Inzidenzwerten von 50 oder gar 35 enorm. Fallzahlen und Sieben-Tage-Inzidenzen werden offiziell nur für Landkreise und kreisfreie Städte ausgewiesen und berechnet.

Bei kleineren Kommunen und Gemeinden verzichtet man darauf, da hier Folgendes zu berücksichtigen ist: Die Fallzahlen hängen davon ab, ob Bürger sich testen lassen, und ob es Ärzte vor Ort gibt, die diese Testungen anbieten. Dies ist nicht überall der Fall. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass das Virus flächenhaft verbreitet ist, weshalb kleine Fallzahlen für einzelne Gemeinden zum Missverständnis führen können, hier sei das Risiko geringer. Eine große Rolle spielt zudem, ob es vor Ort ein oder mehrere Pflegeheime oder ein Krankenhaus gibt, da hier Reihentestungen stattfinden, die zu hohen ,Positiv-Getestetenzahlen‘ führen. Daher sind die Gemeindezahlen für die Gesamtbewertung des Infektionsgeschehens für uns nicht bedeutsam.

Gemeindezahlen müssen überdies gesondert erfasst und ausgewertet werden, weshalb wir wegen des Aufwandes diese nur von Zeit zu Zeit – etwa alle zwei Wochen – liefern können, da die ,normale‘ Meldestatistik und der für uns relevante Meldeweg an das Landesamt für Gesundheit und das Robert-Koch-Institut Vorrang haben. Andere Gesundheitsämter haben vielleicht mehr zeitliche und personelle Möglichkeiten, wir müssen uns um die eigentliche Aufgabe, die Fall- und Kontaktpersonenermittlung, kümmern. 

Diese halten wir für wesentlich wichtiger als ständig Daten an die Medien zu übermitteln. Leider müssen wir seit Beginn der Pandemie jeden Tag, auch am Wochenende und an den Feiertagen, hart arbeiten, um das Infektionsgeschehen irgendwie unter Kontrolle zu halten. Da derzeit die Neuinfektionen wieder rasant ansteigen, müssen wir uns auf die damit verbundenen Aufgaben konzentrieren. Daher bitten wir um Verständnis, dass wir die Gemeindezahlen nicht öfter bekanntgeben können."

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