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Donnerstag, 23.01.2020

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Creußener Diakoniestation schränkt ambulante Betreuung ein

Wegen Personalmangels hat die Diakoniestation Creußen ihre ambulante Betreuung massiv eingeschränkt. - 04.12.2019 16:55 Uhr

Leidet unter Personalnot: Die Diakoniestation in Creußen.


Die Mutter von Ursel Wendl aus Creußen wird zu Hause gepflegt, die Diakonie kam seit Mai jeden Morgen und Abend vorbei – auch am Wochenende. "Meine 103-jährige Mutter ist darauf angewiesen", berichtet die Tochter. Mitte November habe es plötzlich geheißen, es komme niemand mehr. Als Begründung seien Kündigungen und Krankheitsfälle genannt worden, erinnert sich Wendl. Nach ihrem Protest habe es geheißen, die Diakonie werde künftig nur noch einmal täglich und nicht mehr am Wochenende kommen.

Für die Ausfallzeit hat Wendl einen privaten Pflegedienst engagiert, den sie aus eigener Tasche bezahlen muss. Die Pflegekasse springt dafür nicht ein. Wendl hatte sich bei der Pflegedienstleitung beschwert und ihr vorgeworfen, das System sei zusammengebrochen. Von einem christlichen Unternehmen sei nichts mehr zu spüren, Profitgier sei an die Stelle von Ethik getreten.

"Die Mitarbeiterinnen kommen in Zeitnot und abgehetzt zu den Pflegebedürftigen", schildert Wendl. Dennoch gingen die Mitarbeiterinnen immer liebevoll mit den alten Menschen um, seien ein Aushängeschild für die Diakonie. Aber: Es sei beschämend, wie die Diakonie mit ihrem Personal umgehe.

Auch Erwin Morba aus Neuhaidhof hat schlechte Erfahrungen mit der ambulanten Betreuung seines 95-jährigen Vaters durch die Diakoniestation gemacht. Die Mitarbeiterinnen seien früher einmal am Tag gekommen, um den Vater zu versorgen, nun kämen sie nur noch einmal pro Woche, so der Sohn. Als Begründung sei Personalmangel genannt worden. "Das ist nicht in Ordnung. Für die Betroffenen ist das eine Rieseneinschränkung", klagt Morba.

Unsere Zeitung fragte bei Pflegedienstleiterin Elke Mellinghoff nach, ob es zu acht bis zehn Kündigungen in der Diakoniestation gekommen sei, wie Angehörige von Hilfsbedürftigen berichten. "Diese Zahl entspricht nicht der Wirklichkeit", sagte Mellinghoff. Mitarbeiterinnen hätten gekündigt, seien schwanger geworden, drei seien in die Tagespflege gewechselt, eine habe umgeschult, eine sei weggezogen. Zudem gebe es sehr viele kranke Mitarbeiter. Sie räumte aber ein, dass Personal fehlt. Die Mitarbeiter müssten schauen, wen sie versorgen könnten; das Einzugsgebiet müsse verringert werden.

Dekan Gerhard Schoenauer sprach von großen Problemen durch fehlendes Personal im gesamten Diakonie-Bereich. Es gebe Überlegungen, 2020 im evangelischen Brigittenheim in Pegnitz aufgrund fehlenden Pflegepersonals Zimmer zu schließen. Im Heim stünden rund 100 Pflegebedürftige auf der Warteliste. Von der Politik fühlt sich Schoenauer "im Stich gelassen". Das Personal sei durch die Schicht- und Wochenendarbeit selbst krankheitsgefährdet.

PETER ENGELBRECHT

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