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Samstag, 28.11.2020

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Das Fränkische-Schweiz-Museum im Corona-Lockdown: "Die Arbeit geht nie aus"

Auch wenn das Fränkische-Schweiz-Museum keine Gäste empfangen kann, wird fleißig gewerkelt - 23.11.2020 12:55 Uhr

Restauratorin Kerstin Wittenberg arbeitet zurzeit im Fränkische-Schweiz-Museum an einem Taufkleidchen aus dem 19. Jahrhundert.

22.11.2020 © Foto: Klaus Trenz


Unter anderem das Dokumentieren, Sammeln, Aufbewahren und Restaurieren, das Konzipieren von Ausstellungen, das Entwickeln von Strategien sowie die Jahresprogramm-Vorbereitung gehören zu den wesentlichen Aufgaben des Museums. "Wir nutzen die gewonnene Zeit jetzt, um einiges zusätzlich abzuarbeiten", erklärt Kraus. Außerdem sei die Jahresplanung wesentlich aufwendiger. "Die Museumsverwaltung arbeitet ständig, und wir sind jederzeit erreichbar", betont Kraus.

Auch wenn in diesem Jahr einiges an kulturellen und museumspädagogischen Veranstaltungen ausgefallen ist, und auch der alljährliche Adventsmarkt nicht stattfinden kann sowie momentan keine angemeldeten Gruppen durchs Museum geführt werden können, drehe das Personal im Museum keine Däumchen: "Wir sind ja nicht nur da, um Besucher zu empfangen", sagt Kraus.

Man bereite sich – Corona hin, Corona her – aufs nächste Jahr vor, in der mehr Veranstaltungen geplant sind, als dieses Jahr, erklärt Kraus – in der Hoffnung, dass das Museum dann wieder öffnen kann, die Besucher wieder kommen dürfen. "Sobald wir das dürfen, tun wir das auch", betont Kraus.

Das Hygienekonzept habe gut funktioniert und die Ansteckungsgefahr im Museum sei sehr gering, sei doch das Fränkische-Schweiz-Museum relativ groß, so dass sich die Besucher gut verteilen und verlaufen könnten. Egal, wie streng die Kontaktbeschränkungen im nächsten Jahr aussehen werden: "Die Hygieneregeln haben funktioniert, und wir sind guter Dinge", sagt Kraus. Man plane an der Jahresausstellung, der Sonderausstellung und am neuen Konzept für die Abteilung "Volksfrömmigkeit".

Dreigleisige Planung

Allerdings ist die Vorbereitung von Veranstaltungen, wie Lesungen Konzerten, Vorträgen oder speziellen Führungen, nun wesentlich aufwendiger als noch zu Nicht-Corona-Zeiten. "Wir müssen teilweise dreigleisig planen", so Kraus. Das heißt: Man versucht, alle Eventualitäten mit zu berücksichtigen, die sich im nächsten Jahr ergeben können: Niemand weiß zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wie die Kontaktbeschränkungen im Frühjahr aussehen werden.

Die Maskenpflicht, Abstandsregeln, Beschränkung auf eine maximale Besucherzahl oder eben auch nicht müssten in die Planungen einbezogen werden. Vor allem, wenn wegen des schlechten Wetters in die Innenräume des Museums ausgewichen werden müsse, sei eine genaue Planung notwendig, um den Gästen und Mitarbeitern einen sicheren Museumsbesuch zu ermöglichen. "Wir sind gerüstet, und wir werden ein komplettes Jahresprogramm veröffentlichen", skizziert Kraus.

Sich zurücklehnen und abwarten, wie sich die Pandemielage in Deutschland entwickelt, kann das Museumspersonal nicht. So gut wie alle Veranstaltungen ließen sich nicht nur Tage oder Wochen vorher planen. Alleine die Sonderausstellungen brauche mindestens mehrere Monate, wenn nicht sogar länger für die Vorbereitung. Auch kulturelle Veranstaltungen benötigten eine längere Vorbereitungszeit. 

Der Leiter des Fränkischen-Schweiz-Museums, Jens Kraus, verstaut eine Kopfhaube aus dem 19. Jahrhundert im Archivschrank.

22.11.2020 © Foto: Klaus Trenz


Im Prinzip seien aber sämtliche Veranstaltungen im nächsten Jahr unter Vorbehalt zu sehen. Was auf jeden Fall über die Bühne gehen soll, ist die Ausstellung "50 Schätze", an der man zurzeit arbeitetet. Die Sonderausstellung will die Bedeutung unscheinbarer Objekte herausarbeiten, die dem Besucher verschiedene Geschichten erzählen.

Nicht nur das Fränkische-Schweiz-Museum arbeitetet seit Monaten und insbesondere jetzt daran, im Bewusstsein der Bevölkerung als wichtige kulturelle Einrichtung erhalten zu bleiben. Dazu will man sich verstärkt digitaler Mittel bedienen, hat man doch gerade in diesem Sommer gemerkt, wie wichtig es sei, gerade in sozialen Medien präsent zu sein.

Besucher standen vor der Türe

Viele Besucher, so Kraus, seien in dieser Saison durch Smartphone oder Tablet auf das Museum aufmerksam geworden. Es seien zwar keine "Heerscharen" gewesen, aber mit dem Besuch in diesen ungewöhnlichen Zeiten ist man durchaus zufrieden. Am 12. Mai als man nach dem harten Lockdown wieder öffnen durfte, seien die Besucher jedenfalls schon vor der Tür gestanden, erinnert sich Kraus.

Demnächst startet in den sozialen Medien eine Kampagne, die für die oberfränkischen Museen in dieser Form neu ist und als positive Folge der Pandemie zu sehen ist. Dank einer Twitter-Bekanntschaft gebe es mit dem Landesmuseum Detmold eine koordinierte Kampagne in den sozialen Medien mit ständig wechselnden Inhalten, wie Filmen, Bildern und Geschichten aus dem Museum.

Mehrere oberfränkische Museen seien auf diesen Zug aufgesprungen, sagt Kraus: "Durch Corona rücken die oberfränkischen Museen deutlich enger zusammen – so etwas hat es noch nicht gegeben."

Garant fürs Miteinander

Kraus hofft, dass die Politik die kulturellen Einrichtungen nicht aus dem Auge verliert und vielleicht mit einer Art Konjunkturprogramm anschiebt. Kultur vermittle Werte, die man nicht in Zahlen fassen könne. Sie sei "eine unsichtbare Masse, die uns alle zusammenhält", betont Kraus. "Wenn die Kultur nicht wäre, gäbe es kein Miteinander."

KLAUS TRENZ

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