Tausende Besucher bei Festival

"Das Herz des Kletterns schlägt in Königstein"

Brigitte Grüner

20.6.2022, 11:21 Uhr
Alleine beim Konzert am Samstagabend waren fast 1500 Menschen – darunter auch viele Nichtkletterer – auf dem Gelände. Es spielte unter anderem Jamaram.

© Foto: Simon Toplak Alleine beim Konzert am Samstagabend waren fast 1500 Menschen – darunter auch viele Nichtkletterer – auf dem Gelände. Es spielte unter anderem Jamaram.

Er sei am Sonntagvormittag nochmals persönlich auf dem Naturbad-Gelände gewesen und habe nur positive Stimmen gehört. Ein paar Anregungen habe er ebenfalls mitbekommen. Vieles habe zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen: Kaduk zählt das Ambiente auf, das schöne Wetter und das Naturbad. "Auch die Organisatoren haben zum Erfolg beigetragen."

Anstrengende Tage liegen hinter Oliver Berger und dem Team der Marktwerke. Seit Donnerstag waren insgesamt zwischen 6000 und 8000 Menschen auf dem Naturbad-Gelände. Genau sagen könne man die Zahl nicht, da am Eingang keine Zählmaschine war. Alleine beim Konzert am Samstagabend waren fast 1500 Menschen – darunter auch viele Nichtkletterer – auf dem Gelände, so Berger. Er habe keine negativen Stimmen gehört, sondern nur positives Feedback bekommen. Auch die Aussteller seien zufrieden gewesen.

Das Königsteiner Naturbad-Gelände war bei hochsommerlichen Temperaturen der ideale Veranstaltungsort für das Kletterfestival. Schon am Eröffnungsabend war der Vortrag der schwedischen Kletterin Matilda Söderlund sehr gut besucht.

Das Königsteiner Naturbad-Gelände war bei hochsommerlichen Temperaturen der ideale Veranstaltungsort für das Kletterfestival. Schon am Eröffnungsabend war der Vortrag der schwedischen Kletterin Matilda Söderlund sehr gut besucht. © Foto: Brigitte Grüner

Ein besonderes Lob gelte dem Bewirtungsteam um Tanja Herdegen, das rund um die Uhr – vom Frühstücksbuffet bis zum warmen Essen am Abend – für die Festivalbesucher da war. Einige Lebensmittel sowie Eis mussten kurzfristig noch nachgekauft werden, um den Ansturm zu bewältigen.

"Mit diesem extremen Andrang hätten wir nicht gerechnet", sagte Berger. Das Festival habe die Erwartungen übertroffen. Man merke schon, dass viele Menschen froh seien, dass wieder Veranstaltungen möglich sind, und dass die Angebote auch genutzt würden.

Positiv zu erwähnen sei laut Berger die Naturverbundenheit der Kletterer, die ihren Müll wieder einsammelten. Es habe mit den Campern keine Probleme gegeben. Gut angenommen wurde ferner der Shuttle-Bus, der zwischen Bahnhof Neuhaus, dem Festival-Gelände und bekannten Kletterfelsen unterwegs war. "Vor allem am Samstagabend war der Bus voll besetzt", berichtete die Umsetzungsmanagerin der FrankenPfalz, Verena Frauenknecht. Die Nutzung sei insgesamt zeitlich unterschiedlich gewesen: Vormittags fuhren viele Kletterer zu den Felsen, am Abend kehrten sie zurück.

Barfußkletterer und Frauenkraft

Sven König fand den Vortrag von Mélissa le Nevé zur ersten Frauenbegehung der "Action directe" im Krottenseer Forst und den Auftritt von Sean Villanueva herausragend. Auch der Beitrag des Barfußkletterers Charles Albert sei bereichernd für die Veranstaltung gewesen. "Und die Lesung von Tom Dauer aus seinem Buch über Kurt Albert ist für einen Frankenjura-Kletterer ein Muss", resümierte der Eckenthaler, der selbst seit über 30 Jahren begeisterter Kletterer ist und im Internet eine Infoseite zum Klettern im Frankenjura betreut.

Nach vier Tagen sommerlicher Hitze in Königstein zog er Bilanz: "Aus meiner Sicht war das Wetter für ein Festival genial: kein Regen, kaum Wind und lauschige Nächte." Selbst in der Mittagszeit sei die Hitze auf dem Gelände erträglich gewesen. Die Kulisse des Freibads mit schattigen Plätzen und vor allem dem Schwimmbecken halfen hier sehr.

Die Entscheidung, dieses Mal alle Programmpunkte in Königstein zu lassen, sei richtig gewesen. "Dadurch wurde der Festival-Charakter gestärkt; ein Hin- und Herfahren des Publikums hat in der Vergangenheit den Samstagabend schon etwas zerrissen."

Die Region Frankenjura hat die Kletterwelt am Wochenende wieder fasziniert. Aus historischer Sicht gehöre die Gegend in jedem Fall zu den "Top Ten" der weltweiten Klettergebiete, so König. Der Frankenjura gelte als die Wiege des Rotpunktkletterns und habe schon allein aus dieser historischen Sicht eine herausragende Stellung. Aber auch durch die Vielzahl der Kletterfelsen und die unterschiedlichen Gesteinsausprägungen des Jurakalks gehöre das Gebiet zu den Top Ten. "Besonders ist, dass immer noch viele neue Routen und Felsen entstehen, auch wenn die absoluten Spitzenrouten heutzutage eher in Norwegen, Italien, Spanien und Frankreich entstehen", berichtet König.

Die Marktgemeinde habe ebenfalls von den vier Tagen profitiert, findet Kaduk. Es seien viele Nationen in Königstein zusammengekommen. Er habe Kennzeichen aller Bundesländer gesehen, aber auch Autos aus dem europäischen Ausland, etwa aus Tschechien, Polen und Italien. Auch die Gastronomie habe sich auf die Festival-Besucher gut eingestellt. Unterm Strich sei die Veranstaltung eine Riesenwerbung für die Gemeinde gewesen. "Man könnte sagen, das Herz des Kletterns schlägt in Königstein", freut sich Jörk Kaduk.

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