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"Das macht mir Freude": Waischenfelder baut leidenschaftlich gerne Krippen

Der Waischenfelder Michael Schuster baut die Geburtsszenen mit Leidenschaft - 25.12.2020 15:55 Uhr

Seit 22 Jahren kümmert sich der begeisterte Krippenbauer um die Landschaft in der Stadtkapelle Waischenfeld.

23.12.2020 © Foto: Rosi Thiem


Der Tüftler Michael Schuster steht vor der aufgebauten Krippe der Waischenfelder Stadtkapelle St. Michael und St. Laurentius und überlegt. "Dieses Jahr kam der Deich hinzu. Die nächste Herausforderung für mich wird, wie der Verkündigungsengel sich drehen kann, sobald eine Münze eingeworfen wird", spornt er sich selbst an.

Das Krippenbauen fasziniert ihn schon seit seiner Kindheit. Als kleiner Bub bekam er von einem alten Onkel ein Krippenhäuschen. "Als Kinder besaßen mein Bruder Josef und ich selbst eigene Krippen. Mein kleiner Bruder eine kleine, ich als Älterer eine etwas größere Anlage. Diese waren in der Küche aufgebaut. Jeder hatte seine eigenen Figuren, manchmal tauschten wir auch welche untereinander. Am liebsten hätte ich mich das ganze Jahr damit beschäftigt", erinnert er sich heute noch. "Meine Mutter hat allerdings nach der Weihnachtszeit die Krippe versteckt. Im Oktober bekam ich sie dann wieder in die Küche." Wenn er als Kind gefragt wurde, was er sich wünsche, waren es immer Krippenfiguren. Mit seinen Schulkameraden ging er in den Wald und sammelte Moos und grub nach schönen Wurzeln.

Seit 22 Jahren baut er nun in der historischen Stadtkapelle, die 1482 zum ersten Mal erwähnt wurde, die Krippe auf. Die Waischenfelderin Vevi Kenntemich spendete damals die Krippe ihres verstorbenen Onkels. Dazu gehörten eine Burg, der Krippenstall sowie Maria, Josef und das Jesuskind. Der Krippenbauer Michael Schuster musste nicht lange gebeten werden. Seit 1998 kümmert er sich nun um diese Krippe. Und sie wuchs und wuchs. "Zweimal habe ich sie in all den Jahren schon vergrößert", erzählt der 71-Jährige. Die Krippe mit Oberammergauer Figuren stellt sich teils orientalisch, teils fränkisch dar. Hans Witt beschriftete damals das einladende Banner "Gloria in excelsis Deo."

Viele verschiedene Figuren finden sich in der Krippe. Unter anderem ein Engel.

23.12.2020 © Foto: Rosi Thiem


Seit Jahren ist der engagierte Gestalter auch im Bamberger Krippenbauverein, liest die Fachzeitschrift und tauscht sich mit Gleichgesinnten aus. Dabei kommt auch der ein oder andere Impuls für die Waischenfelder Krippe zustande. "Das ist immer wieder lehrreich", lobt er. Besonders stolz ist er darauf, dass er in all den Jahren ohne Geld der Kirchenstiftung auskam. "Das Ganze ist alles durch Spenden hereingekommen", zeigt er stolz. Genau protokolliert er Spenden, Einnahmen und Ausgaben. Am Ende gibt er aus dem Erlös sowohl etwas an die Kindertagesstätte und für die Erhaltung der Stadtkapelle ab. "Solange ich kann, mache ich es", verspricht er.

Vor einem Jahr installierte er einen Sternenhimmel über die orientalische Zeichnung des Malers Hans Braun. Liebevolle Details zeugen von seiner lebenslangen Leidenschaft. "Die Sägespäne sind ganz fein und vom Schreiner. Da kann man nicht einfach grobe nehmen", empfiehlt er für den Wegebau.

Viele warme Lichtlein unterstreichen die einzelnen Persönlichkeiten der Krippendarstellung. 45 augenscheinlich unterschiedliche Schafe unterstreichen das besondere Ensemble, ebenso lustig anzusehen ist ein schlafender Hirtenbub. Eine elegant gebogene Wurzel liegt als Brücke über dem neuen Teich. "Wenn ich das Jahr über schöne Wurzeln sehe, nehme ich sie mit, so wie früher", sagt Schuster, der zusätzlich auch Wegewart und viel in der Natur unterwegs ist.

"Das macht mir Freude", sagt Michael Schuster mit leuchtenden Augen. "Egal, was man im Leben macht, Hauptsache, man tut es gerne; das gibt Zufriedenheit."

Herbergssuche: Bis Weihnachten ändert sich die Krippe regelmäßig. Zum Schluss kommen die Heiligen Drei Könige dazu.

23.12.2020 © Foto: Rosi Thiem


Beim jährlichen Aufbauen helfen immer Tochter Michaela und Enkel Lukas mit. Das Aufbauen nimmt eine Woche in Anspruch. "Das Abbauen ist etwas kürzer, das dauert so drei bis vier Tage", sagt der ehemalige Bauhofmitarbeiter. Beim Verstauen in die große Truhe macht er sich dann schon über die nächste Krippendarstellung Gedanken.

Kopfzerbrechen bereitete ihm vor Jahren das Musiklaufwerk. Es konnten erst nur Eurostücke eingelegt werden. "Man kann doch von einer jungen Mutter mit drei Kindern nicht verlangen, wenn sie die Musik hören wollen, dass jedes Mal ein Eurostück eingeworfen werden muss", bedauerte er. Schuster tüftelte so lange, bis er es durch Auflöten und Feilen schaffte, das die Musik auch mit einem 20 Cent Stück anläuft. "Das war mir ein Anliegen. Nun können von 20 Cent bis zwei Euro eingeworfen werden", freut er sich. Beim Musikwerk ertönt gerade "süßer die Glocken nie klingen" – und dem Krippenbauer wird es warm ums Herz. "In der Weihnachtszeit kann man in sich gehen. Wir auf dem Land können zufrieden sein, wie es uns geht, auch in Coronazeiten."

Die kleinen Dinge am Rand sind ihm wichtig. Er zeigt auf die zwei Rehe, die vorsichtig aus dem Grün der Eiben und des Wacholders lugen. "Diese zwei Rehe stelle ich jedes Jahr wieder auf. Ein kleines Mädchen kam vor Jahren immer mit seiner Mama, um sie anzuschauen. Inzwischen ist das Mädchen erwachsen, aber die Frau kommt immer noch, um nach "ihren" Rehen zu sehen."

Seit seiner Kindheit sammelt Schuster das ganze Jahr über schöne Wurzeln, wenn er im Wald welche entdeckt. Diese verbaut er mit Moos und Zweigen in der Krippe.

23.12.2020 © Foto: Rosi Thiem


Der leidenschaftliche Krippenbauer kommt täglich und schaut, was noch zu tun ist. Die Szenen in der Krippe verändern sich während der gesamten Weihnachtszeit. Herbergssuche, die Heilige Familie am Heiligabend, die heiligen Dreikönige und die Flucht nach Ägypten. "Die Krippe ist für mich direkt an Weihnachten am schönsten. Aber auch das Umstellen mag ich gerne." Und dann sind noch seine Heiligen Drei Könige, die jetzt noch nicht erscheinen.

Mit seiner Frau besucht Schuster auch andere Krippen

Diesbezüglich ärgert ihn in letzter Zeit die Rassismus-Diskussion und die Debatten über den farbigen König. "Ich habe sogar schon einen Leserbrief geschrieben, weil ich die Aufregung nicht verstehe. Für mich ist die farbige Figur ein Vertreter des Kontinents Afrika und überhaupt nicht diskriminierend. Aber man kennt ja diese Diskussionen - gerade eben auch im Sport", schüttelt er verständnislos den Kopf. "Ich werde heuer jedenfalls meinen farbigen Melchior wieder aufstellen. Für mich ist es sogar die schönste Figur der Heiligen Drei Könige", gibt er zu.

Wenn nun überall die Krippen in den umliegenden Kirchen stehen, besucht er mit seiner Ehefrau Marga andere Krippen. Wo sind seiner Meinung nach die Schönsten? "Es gibt viele herrliche Krippen in den Orten. Spontan denke ich an die Krippen in Breitenlesau, Reuth bei Forchheim, Gößweinstein und Kleingesee." Michael Schuster ist bereit, für ihn kann Weihnachten 2020 kommen.

ROSI THIEM

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