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Donnerstag, 09.07.2020

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Dekan fürchtet «harte Kürzungen im Sozialbereich«

Mitgliederversammlung des Diakonievereins - Mehr Pflegekräfte eingestellt - 22.11.2008

Hat schwer zu tragen an den harten Kürzungen im sozialen Bereich: Dekan Dr. Gerhard Schoenauer, hier bei einer Kürbisversteigerung beim Erntedankfest. © Irene Lenk


Er befürchtet, « dass diejenigen, die am wenigsten für die aktuelle Finanzkrise können, auch noch dafür bezahlen müssen«. Schoenauer will an der tariflichen Entlohnung der Mitarbeiter festhalten, so lange es geht, denn «es ist eine harte Arbeit mit großer Qualität«.

Schoenauer erinnerte an den 200. Geburtstag Wilhelm Löhes, einen der Väter der Diakonie in Bayern. Er zitierte dessen Ansicht «Diakonie ist der Dienst der Kirche«. Eine Kirche, eine Gemeinde ohne Diakonie konnte sich Löhe nicht vorstellen. Also sei Diakonie eine fundamentale Lebensäußerung der Kirche.

Kopfschütteln bereitet es Schoenauer, dass die derzeit diskutierte Absicherung von Finanzinstituten mit der unvorstellbaren Summe von 500 Milliarden Euro die Staatsausgaben belaste. Er meinte, mit 50 Milliarden Euro könnte man mehr als drei Jahre lang das bayerische Bildungsministerium finanzieren. Ausführlich berichtete er dann über die einzelnen Einrichtungen, beginnend mit dem Sonntagshaus, das vielfältige Hilfe bietet.

Wirken im Stillen

Die Arbeit geschehe zwar oft im Stillen, jedoch mit großer Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Entscheidung, auf dem Grundstück des ehemaligen Kindergartens in Creußen ein Diakoniehaus zu bauen ist noch nicht gefallen. Jedoch sollten darin die Diakoniestation unterkommen und Beratungsstellen für verschiedene Bereiche.

Für die Diakoniestationen in Pegnitz und Creußen berichtete er, dass der Umsatz sich deutlich, auf derzeit etwa 80 000 Euro, gesteigert habe. Es mussten mehr Pflegekräfte eingestellt werden, um die Arbeit bewältigen zu können. Ein dickes Lob sprach er an Pflegedienstleiterin Elke Dennerlein aus, die alles «mit Barvour organisiert«. Die größere Nachfrage bedeute auch, dass der Fuhrpark erweitert werden musste. Etwa 240 000 Kilometer jährlich werden für den Pflegedienst zurückgelegt.

Dank sprach er Christoph Groß aus, der sich «in hervorragender Weise« um den Fuhrpark kümmere. In der Seniorenbetreuung hat sich die Nachfrage fast verdoppelt, neue Mitarbeiter würden ständig gesucht. Beim «Essen auf Rädern« steigt die Nachfrage enorm, 70 Essen werden täglich ausgefahren, die Kapazitäten sind erschöpft. Schoenauer bedauerte, dass eine Gebührenanpassung in der ambulanten Pflege nicht erfolgte, so dass sich die Frage stelle, ob diese nicht vor dem «Aus« stehe.

Sonnensaal bringt Leben

Zum Brigittenheim berichtete er, dass es permanent repariert werde und Ersatzbeschaffungen vorgenommen werden. Der neue Sonnensaal bringe Leben ins Haus. Ein großer Wunsch sei, dass ein ebenerdiger Zugang vom Betreuten Wohnen ins Brigittenheim errichtet werde. Des scheitere derzeit an den finanziellen Mitteln. Als Neuigkeit verkündete er, dass es künftig einen «Donnerstagskreis« geben wird, der für ältere Menschen mit dementieller Krankheit angeboten wird. Unter fachlicher Leitung und ehrenamtlicher Mithilfe wird es für 40 Euro pro Nachmittag (einschließlich Imbiss) ein geselliges Miteinander geben. Zuschüsse sind dafür möglich.

Eine negative Nachricht folgte abschließend: «Der Verein verliert Mitglieder. Es waren schon über 500, derzeit sind es nur noch 468«. Der Dekan bat um Solidarität und Mitgliederwerbung.

Gertrud Bauer berichtete nach einem Jahrzehnt «Betreutes Wohnen«, dass die ersten Bewohner mittlerweile fast eine Lebensgemeinschaft gebildet hätten. Aber viele der neu Zugezogenen, meist schon älter als 80 Jahre, seien häufig nicht mehr in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen. Das Büro des «Betreuten Wohnens« sei Wechselstube, Post, Schlüsseldienst, Kopierladen, Infostelle für Ärzte, Fußpflege, Putzfrauen, Krankenkasse, Angehörige und Hausmeister. Nach wie vor gelte das Motto: «Eigenes Wohnen, eigene Entscheidungen«.

Brigittenheim-Leiterin Anke Schellermann sagte, dass alle 135 Heimplätze besetzt seien, und zwar von 25 Männern und 110 Frauen. 116 Mal ging im letzten Jahr vom «Betreuten Wohnen« in der Nacht der Notruf ein, 55 Mal wurde echte Hilfe benötigt, in 61 Fällen war es ein Versehen. Die Bewohner setzen sich aus den verschiedenen Pflegestufen zusammen und sind zwischen 59 und 100 Jahren alt. 92 Mitarbeiter werden beschäftigt, darunter sind zehn Auszubildende. Die Fachkraftquote beträgt 57 Prozent.

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