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Der erste Weltcup-Sieg: Pegnitzer jubelt

Nicht als Sportler, aber als Manager eines Mountainbike-Teams ist Thomas Wickles der Coup gelungen - 12.07.2019 09:25 Uhr

Nach dem Sieg von Anne Terpstra (im weißen Trikot) feiert das „Ghost Factory Racing“-Team auf dem Podium in Andorra. Teammanager Thomas Wickles (2. von rechts) aus Pegnitz ließ die Korken knallen. © Armin M. Küstenbrück


Nun erreichte Wickles mit seinem "Ghost Factory Racing (GFR)"-Team am vergangenen Sonntag den vorläufigen Höhepunkt: Beim Weltcup-Rennen der Frauen fuhr "seine" holländische Bikerin Anne Terpstra zum ersten Einzelsieg für das 2011 gegründete Team. Die restliche Mannschaft des Waldsassener Fahrradherstellers Ghost radelte ebenfalls so gut, dass es sich an die Spitze der Teamwertung in Andorra stellte.

Praktikum als Türöffner

Angefangen hat für Teammanager Wickles alles in Pegnitz. Im Jahr 2003 machte er hier am Gymnasium sein Abitur, anschließend ließ er sich im Fahrradgeschäft Radioaktiv zum Einzelhandelskaufmann ausbilden. Dann studierte er Betriebswirtschaftslehre in Bayreuth. Das Ziel war für den heute 35-Jährigen dabei stets klar, wie er sagt: "Das Radgeschäft sollte Teil meines Berufes werden." Der Weg dazu eröffnete sich ihm bei einem Praktikum während des Studiums beim Fahrradhersteller Ghost in Waldsassen.

Heute ist Wickles Team-Manager des fabrikeigenen Rennteams. "Ich bin kein Trainer. Die Position ist vergleichbar mit dem, was Oliver Bierhoff bei der Fußballnationalmannschaft macht, oder der Teamchef in der Formel 1", erklärt Wickles seinen Posten. Seine Aufgabe ist die Organisation der Rennwochenenden, die Entlastung der Athleten und das Bespaßen der Sponsoren.

Zum Wettkampf kommt das Team zu zehnt, fünf Athletinnen und das, was man im Englischen den "Staff" nennt: Mitarbeiter wie Wickles, Physiotherapeuten und Mechaniker. Wickles und seine Mitarbeiter fahren dem Rennkalender meistens hinterher, während die Athletinnen mit dem Flugzeug anreisen. "Priorität hat es, den Reisestress für die Fahrerinnen gering zu halten", sagt der Manager. Und der sei für das Team enorm: Rund 200 Reisetage bedeutet der Job für den 35-Jährigen im Jahr.

Es ist eine Arbeit, die sich nun am Wochenende auszahlte mit dem ersten Weltcup-Sieg einer Radlerin des GFR-Teams durch Anne Terpstra und gleichzeitig dem ersten Sieg einer Niederländerin in der Rennserie überhaupt. Als Sahnehäubchen gab es obendrauf die beste Teamleistung. "Das war ein besonderer Tag für uns alle", resümiert Thomas Wickles. "Man fing irgendwann an, sich zu fragen, ob der Sieg überhaupt noch kommt."

Starke Konkurrenzsituation

Seit 2011 habe man zwar Erfolge gefeiert, aber "das hier war unser größter bisher". Das Team im Generellen und besonders "die Anne", wie er die 28-Jährige aus dem niederländischen Städtchen Zierikzee nennt, hätten bisher ein gutes Jahr gehabt. "In diesem extrem engen Feld ist sie konstant in die Top Zehn gefahren. Hier sind 60 bis 70 Spitzensportlerinnen, von denen rund 20 reale Siegchancen haben", erklärt er die extreme Konkurrenzsituation. "Wenn du gewinnen willst, muss alles passen."

Wenn Thomas Wickles nicht mit seinem Team beschäftigt ist, zieht es ihn alle paar Wochen in die Heimat. "Meine Mutter lebt noch in Pegnitz, also schaue ich gerne mal vorbei", erzählt er. "Die Gegend ist nach wie vor superschön." Außerdem bieten sich hier nicht nur Möglichkeiten zum Mountainbiken, sondern auch für Wickles zweite große Leidenschaft: Sportwagen.

Der "XC-World Cup", in dem das GFR-Team antritt, hat sich laut Wickles in den vergangenen Jahren gerade in der Präsentation enorm weiterentwickelt. Die Rennen werden live auf Red Bull TV übertragen. Der österreichische Getränkehersteller sei auch anderweitig involviert. "Das Niveau der Übertragung ist sehr hoch, vergleichbar mit dem der Formel 1", schwärmt der Manager.

"Die Luft ist extrem dünn"

Wer ihn sprechen will, muss hoffen, ihn am Handy zu erreichen. Gerade sind Wickles und sein Team im französischen Les Gets, um die Anreise zum nächsten Rennen am Sonntag zu organisieren. "Das Rennen hier ist anders als in Andorra. Das findet in rund 2000 Metern Höhe statt, die Luft ist extrem dünn. Hier kann alles ganz anders laufen." Man könne daher nicht einfach vom nächsten Sieg ausgehen.

Während des Rennens ist Wickles neben der Strecke zu finden. Er misst die Abstände und ruft sie den Fahrerinnen zu – wenn er dazu in der Lage ist. "Als alter Rennfahrer bin ich manchmal ein richtiges Nervenbündel an der Strecke", verrät er. "Dann ist mit mir nicht viel anzufangen." 

JULIAN SEIFERTH

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