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Der EVP als Bauherr für ein neues Stadion?

Verein will neue Fördertöpfe anzapfen und hofft auf Hilfe der Stadt - 26.01.2021 14:21 Uhr

Ein offenes Eisstadion wie in Pegnitz ist nicht mehr zeitgemäß, selbst wenn es so schöne Schnappschüsse ermöglicht wie diesen hier. Das Bild ist symbolkräftig: Schon viele Pläne für einen Um- oder Neubau sind ähnlich verwelkt wie diese Blätter . . .

26.01.2021


Denn schon 2019 wurde in Bayern ein Sonderförderungsprogramm für den Bau vereinseigener Sportstätten in strukturschwachen Regionen aufgelegt. Und diesen Topf würde der Neu-Funktionär Herbst, der erst jetzt davon erfahren hat, gerne anzapfen, denn bis zu 55 Prozent der Baukosten können da gefördert werden – ein verlockendes Angebot für viele Vereine, denn gegenüber 2018 verdoppelten sich im darauffolgenden Jahr laut Angaben des Bayerischen Landessportverbands die Förderanträge für den Sportstättenbau.

"Wenn nicht jetzt, wann dann?", fragt Herbst nur rhetorisch. Der Verein müsse nur selbst aktiv werden, denn das bisherige Stadion gehöre ja nicht ihm, sondern der Stadt und wird von der Betreibergesellschaft GMF gemeinsam mit dem Freizeitbad Cabriosol betreut.

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Pegnitz und sein Eisstadion - zwischen Nostalgie und Verzweiflung

Ein offenes Eisstadion _ das ist im 21. Jahrhundert eigentlich ein Anachronismus. Der EV Pegnitz will schon seit langem endlich ein Dach über dem Kopf haben und wagt jetzt einen neuen Vorstoß.


Herbst: "Wenn wir mit unserem Verein auf Dauer unser Nachwuchskonzept umsetzen wollen, brauchen wir endlich ein modernes Stadion mit Dach. Das aktuelle ist marode und nicht mehr zeitgemäß. Wir haben beispielsweise für 80 Nachwuchsspieler genau eine Umkleidekabine – mit zwei Duschen."

Für die kommende Saison habe er bereits Zusagen aller Leistungsträger der Landesliga-Männermannschaft, der "Ice Dogs", und sogar schon einige Neuzugänge – aber denen müsse man die Perspektive auf vernünftige Trainings- und Spielbedingungen bieten, so der Ex-Eishockeyprofi. "Eigentlich ist Pegnitz ein Bayernliga-Standort, was wir früher auch waren. Aber ohne modernes Stadion geht das heutzutage nicht mehr."

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Eisstadion in Moosburg Vorbild für Pegnitz?

An derselben Stelle, wo das 35 Jahre alte Stadion stand, wurde in Moosburg in nur einem halben Jahr die neue Eishalle errichtet. Zusammen mit der Eistechnik (1,3 Millionen Euro), dem „Eisstüberl“, das an den EV Moosburg verpachtet ist, und einem Gebäudetrakt in dem Kabinen, Duschen und Lagerräume untergebracht sind, kostete die Generalsanierung rund 3,8 Millionen Euro. Der EV Moosburg erbrachte eine Eigenleistung von 250.000 Euro.


"Keine Unsummen"

Herbst hat sich schon einmal kundig gemacht und von einem ihm bekannten Bauunternehmer Gesamtkosten von 2,5 bis 2,7 Millionen Euro genannt bekommen. "Das sind ja keine Unsummen", findet Herbst, der darauf setzt, dass die Stadt Pegnitz das Projekt ebenfalls unterstützt. Der EVP, der schuldenfrei sei, werde seinen Anteil leisten und mit Krediten in die Finanzierung einsteigen. Dazu setze man auch auf die treuen Sponsoren. Zudem habe man viele Handwerksfirmen im Verein; da könne man die Kosten mit Eigenleistungen möglicherweise noch weiter drücken.

Es müsse kein Riesen-Stadion sein, 1000 Zuschauerplätze würden reichen, bessere Sanitärräume sollten sein, eine kleine Gastronomie und eine VIP-Zone.

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"Whiteman" und Helferschar retten EVP-Heimspiel

Das frühlingshafte Novemberwetter hat die Eisschicht im Pegnitzer Stadion schmelzen lassen, so dass das Heimspiel der Ice Dogs gegen Pfaffenhofen in höchstem Maß gefährdet war. In einem Kraftakt haben deshalb am Donnerstag eine Fachfirma mit dem "Whiteman" sowie eine große Helferschar der EVP-Familie die Eisfläche neu aufgebaut. Bis die Mannschaft vom Training in Mitterteich zurückkam, war alles fertig. Nicht nur Torjäger Markus Schwindl, der fleißig mithalf, war begeistert: "Großartig. Diese Helfer haben das Spiel gerettet".


Und am besten fände er gleich noch eine zweite Eisfläche, die zugleich als Einnahmequelle dienen könne: In Nordbayern gebe es rund 60 organisierte Hobby-Eishockeymannschaften, die sich in der Nürnberger Eis-Arena für 300 Euro die Stunde eine Trainingseinheit oder ein Spiel gönnen. "Wenn wir da etwas billiger sind, kommen viele zu uns und es rentiert sich für uns", glaubt Herbst. Und für sein ambitioniertes Nachwuchsprojekt sprängen auch noch zusätzliche Einheiten heraus.

Krise als Chance

Als ersten Schritt hat er – nachdem er seine Idee dem EVP-Vorstand und Bürgermeister Wolfgang Nierhoff unterbreitet hat – bereits den Deutschen Eishockey-Bund kontaktiert. Dann soll der BLSV folgen, von dem er sich genauere Hinweise zur Vorgehensweise erhofft. Nun sieht Alexander Herbst in der Krise sogar eine Chance: Aktuell gebe es wegen Corona keinen Sportbetrieb zu organisieren, da könne man sich auf ein Bauprojekt voll konzentrieren. Ein Crowdfunding schwebt ihm vor, ein Förderverein müsse gegründet werden, dann Gespräche mit bisherigen und potentiell neuen Sponsoren geführt werden. Am Wochenende werde man im Rahmen einer Videokonferenz eine Task Force gründen.

"Ich werde all meine Kraft in diese Arbeit stecken", sagt er. Er möchte Hand in Hand mit der Stadt gehen, aber nicht gegen Windmühlen kämpfen, wenn er merke, dass er nicht auf Unterstützung hoffen dürfe.

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Vier Stunden "Winter-Game" im Pegnitzer Eisstadion

Nach vier Stunden "Winter-Game" im wahrsten Sinne des Wortes schaffte der EV Pegnitz zum Vorrundenfinale mit einem 6:5-Erfolg über den ESC Dorfen den Einzug in die Verzahnungsrunde mit der Oberliga-Süd. Der Siegtreffer durch Spielertrainer Florian Müller ganze 13 Sekunden vor Ende der Verlängerung bedeutet gleichzeitig den vorzeitigen Klassenerhalt in der Eishockey-Bayernliga. Vor dem Erfolg musste aber fleißig gearbeitet werden: Nach heftigen Schneefällen musste die Spielfläche zwei Mal zusätzlich geräumt werden. Hierbei halfen auch Dorfener Fans und Offizielle fleißig mit.


"Viel Herzblut"

Bürgermeister Wolfgang Nierhoff zeigt sich angetan vom neuen Vorstoß: "Das zeigt für mich, mit wie viel Eigeninitiative und Herzblut die neue EVP-Führung bei der Sache ist, dass sie jetzt bereit ist, das Thema selbst in die Hand zu nehmen." Eine Sanierung sei nach diversen Gutachten längst vom Tisch, das Stadion in der jetzigen Form sei nicht mehr lange zu halten. Darüber seien sich alle einig. Man habe sich ja gemeinsam auch schon für Bundes- und Landesförderprogramme beworben, sei aber nicht zum Zug gekommen. Das neue Sonderförderungsprogramm sei ein interessanter Ansatz.

Nierhoff: "Wir werden das gerne unterstützen, auch wenn uns als Konsolidierungsgemeinde die Hände finanziell gebunden sind bei allen freiwilligen Leistungen." Helfen könne man beispielsweise bei der Grundstückssuche. Im Rahmen des Stadtentwicklungsprogramms ISEK sei ja schon einmal über einen potentiellen Standort für ein neues Stadion nachgedacht worden, das man sich in Richtung Rosenhof vorstellen konnte.

Nicht ohne den Stadtrat

Sicherlich wäre die Stadt auch bereit, sich in irgendeiner Form an den Betriebskosten zu beteiligen. "Aber natürlich nur mit grünem Licht des Stadtrats", fügt der Bürgermeister an, der betont, dass es der Stadt prinzipiell gelegen käme, wenn sie solche Sportstätten nicht selbst betreiben müsste. Diese seien, wie öffentliche Bäder, ja immer defizitär. Klar sei für ihn jedoch auch, dass der Verein alleine mit den laufenden Kosten überfordert sein dürfte: "Da sind wir als Stadt auch gefordert."

Auf dem bisherigen Areal an der Badstraße könnte dann, wie schon einmal angedacht, ein Parkdeck für das Cabriosol entstehen.

 

HOLGER PETER

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