Sonntag, 05.04.2020

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Der Ligenbetrieb steht auf allen Ebenen still

Egal ob Fußball, Basketball oder Handball: Die Verbände haben die Reißleine gezogen - 13.03.2020 18:37 Uhr

Matthias Schnödt (am Ball) ist Spielertrainer der SG Auerbach/Pegnitz, aber auch beruflich von den Corona-Vorsichtsmaßnahmen betroffen: Er arbeitet als Lehrer an der Pegnitzer Realschule. © Foto: Klaus Trenz


Jederzeit kann sich die Situation ändern, der Bayerische Fußball-Verband (BFV) rief in einer Stellungnahme zum Coronavirus seine Vereine zunächst dazu auf, im Verdachtsfall Spiele abzusagen mit dem Versprechen, niemandem würden dafür Punkte über das Sportgericht abgezogen.

Medi-Kapitän Bastian Doreth weist darauf hin, dass die Auswirkungen der Krise über rein sportliche Probleme hinausgehen: „Für die Vereine sind enorme finanzielle Einbußen zu erwarten, da können ganze Existenzen dranhängen.“ © Foto: Peter Mularczyk


Am Freitagmittag legte sich der BFV fest: Der komplette Spielbetrieb wird mindestens bis einschließlich 23. März 2020 im ganzen Freistaat ausgesetzt. "Ohne heute zu wissen oder auch nur ansatzweise abschätzen zu können, wie sich die Lage weiterhin entwickelt, ist es für den Moment geplant, die jetzt in den Amateurklassen abgesagten Partien nachzuholen", heißt es in einer Pressemitteilung des BFV.

Als die Fußballer noch überlegten, hatten Verbände aus dem Basketball, Handball und weiteren Sportarten bereits angekündigt, den Spielbetrieb ebenfalls für zwei Wochen zu unterbrechen. "Es ist ja Schwachsinn", sagte Habermann noch vor der BFV-Entscheidung, "wenn die Kindergärten und Schulen zu sind, der Fußball aber wie gewohnt abläuft." Für etwa 800 Vereine, mit Jugend, mit den Damen, sagt er, ist er im Kreis verantwortlich, das sind rund 10 000 Fußballerinnen und Fußballer. Mit Zuschauern komme man da auf rund 100 000 Menschen, die mit dem Amateurfußball unterwegs sind von der Fränkischen Schweiz bis zum Erlanger Süden, von Pegnitz bis zum Steigerwald.

"Der Terminkalender macht es möglich, problemlos zu verschieben. Ich halte es für ein größeres Chaos, wenn vereinzelt Mannschaften drei Spiele weniger haben", so Max Habermann. Die zwei nun ausfallenden Spieltage könnten etwa am Ostersamstag und einem Termin unter der Woche nachgeholt werden.

Zwangspause auch für den Basketball. Diesen Beschluss fassten einstimmig die Vertreter der 17 Bundesligaklubs zusammen mit dem Präsidium der Arbeitsgemeinschaft BBL und der Geschäftsführung der BBL-GmbH bei ihrer außerordentlichen Tagung in Stuttgart. Diese Entscheidung gilt vorerst "bis auf Weiteres". "Die Klubs werden sich innerhalb der nächsten 14 Tage wieder treffen, um die dann aktuelle Lage und mögliche Szenarien und Handlungsoptionen erneut zu besprechen", heißt es in der Liga-Mitteilung.

"Es ist die richtige Entscheidung, dass erst einmal das Wohl der Spieler und Fans und ihrer Familien in den Vordergrund gestellt wird", sagte Bastian Doreth, der Kapitän von Medi Bayreuth. Einen Plan für die Übergangszeit müsse man erst noch entwickeln: "Wenn es heißt, wir spielen frühestens in sechs Wochen wieder, dann kann man nicht voll durchtrainieren." Andererseits müsse man im Falle einer kurzfristigen Entscheidung bereit sein: "Das ist eine Herausforderung, die noch niemand erlebt hat – spannende Zeiten!"

Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass die Auswirkungen der Krise über rein sportliche Probleme hinausgeht: "Für die Vereine sind enorme finanzielle Einbußen zu erwarten, da können ganze Existenzen dranhängen." Seine amerikanischen Teamkollegen hätten zudem noch ganz eigene Sorgen, nachdem US-Präsident Donald Trump die Grenzen für Reisende aus Europa geschlossen hat: "Die machen sich Gedanken, ob sie überhaupt nach Hause kommen." Solidarität sieht Doreth daher auf allen Ebenen als Gebot der Stunde: "Es ist eine Krise, die wir nur als Gemeinschaft überstehen."

Der Handball stellt ebenfalls den Betrieb ein, nicht in allen Fällen nur vorübergehend. So hat der Bayerische Handball-Verband (BHV) den Spielbetrieb im Kinder- und Jugendbereich auf Bezirks- und BHV-Ebene für die Saison eingestellt. Der Erwachsenenspielbetrieb (Bezirks-/Landesebene) ruht bis auf Weiteres. Spätestens zum 19. April werde über eine mögliche Wiedereinsetzung des Spielbetriebs entschieden. "Es ist ein logischer Schritt", sagt Matthias Schnödt, Trainer der ersten Herrenschaft der SG Auerbach/Pegnitz. Das Team ist momentan Dritter in der Bezirksoberliga. Ist die Saison nun vorbei, verpasst die SG ihr Ziel, Aufstieg in die Landesliga, knapp. "Es wäre schade, aber dann ist es eben so. Es gibt wichtigere Sachen", sagt Schnödt. Dass die Aussetzung des Sports nur eine Nebenerscheinung der Virusausbreitung ist, merkt Schnödt im Beruf. Er ist Lehrer an der Pegnitzer Realschule, muss aber genau wie alle Kollegen und Schüler daheim bleiben (wir berichteten).

In der Pegnitzer Realschule geht es vielleicht wieder nach den Osterferien los, das wäre in fünf Wochen. Bis dahin sind die Schüler aber gut mit Heimarbeiten versorgt, sagt Schnödt. Ob es mit seinem Hobby in dieser Saison weitergeht, steht noch nicht fest. "Die nächsten zwei Wochen werden wir definitiv nichts machen", sagt er und meint damit Trainingseinheiten. Je nach dem, wie die Lage dann ist, könnten seine Handballer dann aber wieder zu Übungszwecken in die Halle gehen: "Falls das Aufstiegsrennen doch weitergeht, wollen wir nicht völlig außer Training sein."

 

chb/ebs/mast

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