11°

Samstag, 22.02.2020

|

Deutliche Worte beim Betzensteiner Bauerntag

Betzensteiner Bauerntag: Landwirtschaft steht zu Unrecht im Fokus der Kritik. - 01.01.2020 20:55 Uhr

Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links), Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) und Kreisobmann Karl Lappe konnten mit Dr. Iris Fuchs die Veterinär-Chefin aus dem Bayreuther Landratsamt beim Betzensteiner Bauerntag begrüßen.


Da könne nicht einmal mehr die sogenannte "Bauernmilliarde" etwas daran ändern. Grund dafür ist: Was sich zunächst nach sehr viel anhört, ist am Ende vielleicht gerade einmal 1000 Euro pro Betrieb und Jahr. "Da bleibt nicht viel", so Lappe beim Betzensteiner Bauerntag.

In weiser Voraussicht hatte man sich deshalb auch mit Veterinärdirektorin Dr. Iris Fuchs aus Pegnitz eine Fachreferentin eingeladen. Die Leiterin des Fachbereiches Veterinärwesen und Verbraucherschutz am Landratsamt Bayreuth ist zudem auch Erste Vizepräsidentin der Bundestierärztekammer und damit bundesweit keine Unbekannte.

Ist der Verbraucher dumm?

Die Landwirtschaft habe so viel getan zum Thema Tiergesundheit und trotzdem stehe sie permanent im Fokus der Kritik, sagte Fuchs. Als Ursache dafür nannte sie die Tatsache, dass Anspruch und Wirklichkeit sowohl beim Handel als auch beim Verbraucher weit auseinandergehen. "Der Handel hält den Verbraucher für dumm", fand sie klare Worte.

Die aktuellen Lebensmittelpreise spiegelten den Aufwand zur Erzeugung nicht wider. Dazu komme eine Lebensmittelverschwendung, die mittlerweile ein gigantisches Ausmaß angenommen habe. 90 Millionen Tonnen Lebensmittel landeten in Europa pro Jahr auf dem Müll. Zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung klaffe eben eine große Lücke.

Zuvor ist Kreisobmann Karl Lappe zum einen auf die Düngeverordnung, zum anderen auf die Afrikanische Schweinepest eingegangen. Was die Düngeverordnung angeht, sei das Ziel aus fachlicher Sicht weit verfehlt worden. "In den wenigen Frühsommermonaten soll die Gülle des ganzen Jahres ausgebracht werden", stellte Lappe fest. Pflanzenbiologisch sei dies mehr als in Frage zu stellen.

Ein absolutes Chaos sah der Kreis-obmann für den wahrscheinlichen Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest auf die Bauern zukommen. Nach zwei Jahren absoluter Trockenheit würden die Bauern das geplante Ernteverbot im 30-Kilometer-Radius um die Kernzone nicht überstehen. Völlig offen sei, was entsprechende Versicherungen abdecken.

Deutliche Worte zur aktuellen Situation in der Landwirtschaft fand die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. "Identifizieren Sie sich nicht mit den schwarzen Schafen der Branche", sagte sie. Die allergrößte Mehrzahl der Bauern arbeite korrekt und vorbildlich. Wenn das drei Prozent nicht tun, dann müsse man das auch sagen. Es sei zutiefst ungerecht, wenn alle Betriebe über einen Kamm geschoren werden. Alle Entscheider in der Politik rief Reinert-Heinz dazu auf, alles zu tun, um die Landwirtschaft in den derzeitigen Strukturen zu erhalten. Andernfalls sei nicht mehr zu garantieren, dass Landwirtschaft in unseren Breiten überhaupt noch stattfindet.

STEPHAN HERBERT FUCHS

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Betzenstein