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Dienstag, 18.06.2019

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Diakonie hat Himmelkroner Schloss verkauft

Neuendettelsau schafft für Menschen mit Behinderung eine Reihe dezentraler Wohnungen - 12.06.2019 10:44 Uhr

Der Verkauf des traditionsreichen Schlosses Himmelkron ist eine ausgemachte Sache. Bis alle Menschen, die hier leben, neue Wohnungen haben, kann es allerdings noch Jahre dauern. © Foto: Diakonie Neuendettelsau


In Himmelkron geht damit nach gut 125 Jahren eine diakonische Tradition zu Ende, allerdings nur, was das Gebäude betrifft. Wie berichtet, hat der Diakonie-Konzern das Himmelkroner Schloss verkauft. Für 3,3 Millionen Euro war es angeboten. Der tatsächliche Kaufpreis liege aber deutlich darunter, versicherte Mathias Hartmann, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau. 154 Wohnheimplätze sind in dem historischen Gebäude untergebracht.

Klare Vorstellungen

Das ehrwürdige Gemäuer entspricht nicht mehr den Anforderungen, die an eine moderne Behinderteneinrichtung gestellt werden, aber vor allem heißt dezentrale Versorgung längst das Gebot der Stunde. Nach dem noch jungen Bundesteilhabegesetz erhalten Menschen mit Behinderung künftig selbst die finanziellen Mittel, mit denen sie ihre Wohnung und Verpflegung bezahlen können. Nur ihre jeweils notwendige Betreuung wird noch über die Eingliederungshilfe der jeweiligen Bezirke finanziert.

Soziale Träger wie die Diakonie treten dann als Vermieter auf. "Die Betroffenen und ihre Familien haben heute klare Vorstellungen davon, wie sie wohnen wollen", meint Jürgen Zenker. Er verantwortet als Vorstand in Neuendettelsau den Bereich Dienste für Menschen. Deshalb brauche man attraktive Wohnangebote, um im Wettbewerb auf diesem Sektor bestehen zu können.

Der Sozialkonzern bleibt allerdings selbst nach dem Schlossverkauf tief mit Oberfranken verwurzelt. Die Menschen mit Behinderung werden allerdings in insgesamt sieben neuen Häusern mit jeweils 24 Plätzen leben. Zwei sind bereits fertig, eine in Bad Berneck und eine in Neuenmarkt. Fünf weitere sind in Planung. Fünf bis sieben Millionen Euro investiert die Diakonie Neuendetteslau in jedes von ihnen.

Künftig Mieter

Bis die gesamte Umstellung abgeschlossen ist, können noch bis zu zehn Jahre ins Land ziehen. So lange ist die Diakonie dann noch Mieter im Schloss Himmelkron. Das sei mit dem neuen Eigentümer so vereinbart.

Eine ähnliche Entwicklung wie in Himmelkron ist laut Zenker in Mittelfranken ebenfalls längst eingeläutet. So sei man dabei, die Großeinrichtung in Polsingen (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) mit fasst 300 Bewohnern auf ähnliche Weise auf neue Beine zu stellen, oder die in Bruckberg (Kreis Ansbach), in der rund 500 Menschen mit Behinderung leben. Die werden zum Teil auch nach Nürnberg ziehen.

Den Bau solcher zeitgemäßen Wohnungen für die Betroffenen bezuschusst der Freistaat mit 60 bis 70 Prozent. Wie schnell es mit Projekten wie Himmelkron und andernorts vorangeht, hänge, so Diakonie-Vorstandschef Hartmann, auch davon ab, wie schnell diese Fördermittel fließen. Momentan geschehe das etwas zögerlich, merkt er kritisch an: "Vor der Landtagswahl 2018 war von einem millionenschweren Sondertopf für solche Vorhaben die Rede." Nach der Wahl habe man nur noch wenig davon gehört. 

MICHAEL KASPEROWITSCH

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