Donnerstag, 21.11.2019

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"Die Herzlichkeit ist überwältigend"

Betzensteins Partnerschaft mit dem italienischen Baschi erreicht neue Stufe - 04.11.2019 09:55 Uhr

Ein Gemälde – es zeigt den Marktplatz von Baschi – gehörte zu den Geschenken an die Stadt Betzenstein. Zweiter Bürgermeister Peter Marschall (2. von li.) griff daraufhin spontan zum Pinsel und malte ein Aquarell als Geschenk für die Gastgeber. © Stadt Betzenstein


Mit zwei Kleinbussen, so erzählt Meyer, sei es auf eigene Kosten zunächst nach Padergino im Trentino gegangen – "um ein Versprechen einzulösen". Die Gruppe besuchte den dort beheimateten Bergsteigerchor, der 2017 in Betzenstein gesungen hatte. Danach ging es nach Baschi. Dort warteten einige Neuerungen auf die Gäste aus Deutschland, denn der frühere Bürgermeister Anacleto Bernardine hat sein Amt in die Hände Jüngerer gelegt.

So wurden die angereisten Oberfranken von dem ersten Bürgermeister Damiano Bernardini, zweiten Bürgermeister Fabio Carloni, von Assesore Paolo Ferretti – der wohl am ehesten mit einem Sachgebietsleiter zu vergleichen sei – sowie Mitgliedern des jungen Gemeinderats von Baschi empfangen.

Eis schnell gebrochen

"Das Eis ist auch dieses mal wieder sehr schnell gebrochen", berichtet Meyer. Gegenseitige Geschenke seien gemacht worden und die Betzensteiner haben erneut das erlebt, was sie offenbar am meisten begeistert: Freundlichkeit und Gastfreundschaft. "Die Herzlichkeit und Bereitschaft, zur Verständigung und zum Ausbau der Beziehung ist überwältigend", sagt Stadtrat Richard Engelhardt (FW). Und diese sei auch ehrlich gemeint, ist sich zweiter Bürgermeister Peter Marschall (Unabhängige Bürger) sicher.

Es muss ein straffes Besichtigungsprogramm gewesen sein, das aber "beeindruckend" organisiert gewesen sei, berichtet Engelhardt weiter. "Wir haben den Stadtrat schon ziemlich in Anspruch genommen", scherzt Meyer. Gezeigt hat man den Betzensteinern in diesem Jahr die verschiedenen Ortsteile der Stadt Baschi.

Spätestens bei der Tour durch die Gemeinde seien die Parallelen offensichtlich geworden: die Größe der beiden Flächengemeinden mit ihren rund 2600 (Baschi) beziehungsweise rund 2400 Einwohnern etwa. "Es gibt viele einzelne Ortsteile und die ländliche Prägung der Gemeinden", resümiert Stadträtin Birgit Leistner (CSU). Die Landwirtschaft spiele noch eine große Rolle, stellt Stadtrat Hans Thummert (Unabhängige Bürger) fest und beide Gemeinden hätten einen hohen Anteil an Pendlern.

Was diese Vergleiche, dieses gegenseitige Lernen voneinander für die beiden Städte bringt, ist für die Stadträte zweitrangig. "Das ist nichts, was man in materiellen Dingen bemessen kann. Eine Partnerschaft oder Freundschaft bringt immer einen menschlichen beziehungsweise persönlichen Gewinn. Auf kommunaler, wie auf europäischer Ebene. Und eine freundschaftliche Verbindung zu unseren europäischen Nachbarn sichert nicht nur freundschaftliche Beziehungen, sondern auch Verständnis für unsere Freunde. Wenn man so will, sichert das den Frieden in Europa am Besten", erklärt zweiter Bürgermeister Marschall.

Das kann Richard Engelhardt (FW) nur bestätigen: "Ich denke, dass gerade jetzt, in unseren unruhigen politischen Zeiten, eine Zusammenarbeit und Verständigung auf europäischer Ebene sehr wichtig ist. Wir können gegenseitig viel lernen, da die beiden Gemeinden von der Struktur her sehr ähnlich sind."

"Erst richtig angekommen"

Auch Birgit Leistner zeigt sich erfreut über den Besuch und die tiefer gehende Freundschaft: "Ich bin eigentlich erst mit diesem Besuch so richtig in dieser Partnerschaft angekommen. Bisher war dieses Bündnis für mich eher eine private Sache der Familien, die bereits in Baschi waren. Was uns dieser Austausch auf kommunaler-europäischer Ebene bringt, kann ich noch nicht beurteilen. Ich bin aber der Meinung, dass wir diese Partnerschaft unbedingt aufrechterhalten sollten."

Die Kommunikation zwischen den Gemeinden, "das miteinander reden und der persönliche Kontakt" erscheinen Marschall als "extrem wichtig". Der "Rest" komme dann hinsichtlich eines Ausbaus der freundschaftlichen Beziehungen "von allein". Er "entsteht mit den Menschen, die bereit sind, sich darauf einzulassen".

Jederzeit seien sie wieder bereit, Baschi zu besuchen, erklären die Stadträte. So schwärmt Birgit Leistner von der Reise ins Land von Pasta & Vino: "Es waren sechs anstrengende, aber beeindruckende Tage und ein tolles Erlebnis." Thummert, der auch Brunnenführer für den Tiefen Brunnen in Betzenstein ist, würde schon alleine wegen des etwas älteren Brunnens in Baschis Nachbarstadt Orvieto (Pozzo di San Patrizio) wiederkommen – einer beeindruckenden Sehenswürdigkeit, wie der Stadtrat meint.

Der Gegenbesuch der Baschiesi wird wohl im nächsten Jahr stattfinden. Vielleicht ist dann wieder ein Stück der Sprachbarriere abgebröckelt, die man mittels Dolmetscher aber bis dato in den Griff bekommen habe. Und falls das mal nicht funktioniere, gebe es laut Meyer und Engelhardt ja auch noch "Hände und Füße". Auf die Frage, ob die Räte nun schon ein paar Brocken Italienisch sprechen, hat Marschall die wohl kürzeste Antwort parat: "si" (ja).

KLAUS TRENZ

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