Montag, 09.12.2019

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Die Leupser kämpfen für ihr Wasser

Bürgerinitiative gründet sich für Erhalt der Quelle und gegen einen Anschluss an die Juragruppe - 28.11.2017 17:10 Uhr

Schaut nicht gut aus: Das Quellenhaus der Leupser Wasserversorgung ist schon rein äußerlich in einem desolaten Zustand, wie dieses und die unteren Fotos dokumentieren. © privat


Die meisten kennen den kleinen Ort vom Durchfahren auf dem Weg von Trockau nach Pegnitz. Oder wegen des Bieres, das dort von der Familie Wolfring – vormals Gradl – gebraut wird. Aus dem gleichen Quellwasser, das die Leupser auch trinken. Und wegen seiner Qualität schätzen. Jetzt allerdings könnte Wirklichkeit werden, was sie lange nicht geglaubt haben: Die Juragruppe plant den Bau einer Ringleitung, um Pegnitz zu erschließen – und im Fall der Fälle Sicherheit zu geben.

Ein Bauernopfer?

Dachrinne? War mal eine dran, wie die Halter zeigen. Das Blechdach ist wellig und aufgebogen. © privat


Leups liegt auf dem Weg der Ringleitung und soll an die Wasserversorgung der Juragruppe angeschlossen werden. So ist das im September von der Verbandsversammlung beschlossen worden. Seitdem brodelt es in Leups, seitdem gab es Treffen, zu denen der ganze Ort eingeladen war. "Weil wir uns als ein Bauernopfer fühlen", sagt Anja Lüthje, Sprecherin der Bürgerinitiative, die sich im Feuerwehrhaus des 200-Einwohner-Ortes am Sonntagabend gegründet hat. Bauernopfer? Warum, wird schnell klar, wenn man in die Geschichte einsteigt: Leups hat seit den 50er Jahren diese Quelle, die die Versorgung sicherstellt. "Das Wasserhaus haben die Leupser damals selber gebaut. Bis 1978 gab es auch einen Wasserwart, der für Quelle und Versorgung zuständig war", sagt Lüthje.

Mit der Eingemeindung fiel die Wasserversorgung an Pegnitz, mit der Gründung der Juragruppe schließlich an die Juragruppe. Interessant: "Schon 1996 hat sich Stadtrat Hans Hümmer dafür ausgesprochen, dass die Leupser Anlage im Rahmen der Juragruppe saniert werden soll." So stand es im Februar 1996 in lokalen Medien. Damals war es unter anderem um die Dorferneuerung gegangen. Und auch um eine mögliche Ausweisung weiterer Bauplätze. Hier wird wieder Hümmer zitiert: Er sehe, hieß es, "aufgrund der ihm bekannten Quellschüttung keine Probleme". Die Leupser allerdings monieren: Seit 1996 sei kaum Geld in die Hand genommen worden von der Juragruppe, deren Werkleiter Hümmer seit 2005 ist, um die Wasserversorgung für Leups auf dem aktuellen Stand zu halten. Im Gegenzug hätten die Leupser nach eigenen Schätzungen seit Übernahme durch die Juragruppe 750 000 bis eine Million Euro an Wassergebühren an die Juragruppe überwiesen.

Kolibakterien gefunden

Komplett auf Eis gelegt habe Hümmer die möglichen Investitionen, als ein Landwirt aus Leups seine Planung bekanntgegeben habe, dass er einen Brunnen auf seinem Grundstück bohren werde. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Und: "In der Zeit musste das Wasser zweimal gechlort werden", sagt Lüthje. Der Grund: Kolibakterien im Wasser, "möglicherweise eingebracht durch Säugetiere in das Wasserhäuschen", sagt Anja Lüthje. Das sei beim Zustand des Wasserhäuschens auch kein Wunder. Das Dach ist marode, die Dachrinne fehlt — unter anderem. "Die einzige Investition war eine UV-Anlage." Aber: Gutachter hätten – zuletzt bei einer Versammlung in Leups im September 2016 – dem Wasser eine hohe Qualität attestiert.

Die Bausubstanz des Quellenhauses ist eher als schlecht einzustufen. © privat


Was den Leupsern stinkt: "Die Kosten für die Sanierung werden schwindlig gerechnet." Außerdem werde immer wieder die Löschwasserversorgung ins Feld geführt. "Wir haben einen Behälter mit 100 Kubikmetern Vorrat. Damit können wir aus drei Rohren eine halbe Stunde lang voll löschen. In der Zeit haben wir längst ein Gewässer angezapft." Ebenfalls aus Sicht der Leupser eine Falschaussage: Die Abnahmemenge gehe zurück, wenn der Landwirt seinen Brunnen bohrt. "Stimmt nicht", sagt Lüthje. "Der Landwirt würde Wasser in der gleichen Menge abnehmen, das Wasser aus dem eigenen Brunnen würde er lediglich für den neuen Stall nutzen." Und: Die Kosten, die immer wieder für die Wartung ins Feld geführt werden, könnten auch durch eine Fernwartung in einen überschaubaren Rahmen gerückt werden. "Ein niedriger vier- bis fünfstelliger Betrag würde locker reichen", sagt Lüthje.

Anwalt eingeschaltet

Zudem sorgen sich die Leupser um die Folgekosten: Das Wasser der Juragruppe habe mit einer Gesamthärte von 17,3 einen mehr als sechsfach höheren Härtegrad als das Leupser Wasser (Gesamthärte 2,7). "Wir werden Folgeschäden haben. Wer kommt dafür auf?" Zumal, wie Lüthje sagt, "ein gutes und erhaltenswertes Wasser vorhanden ist. Kann der Bau einer 500 Meter langen Leitung wirklich günstiger sein als die Sanierung des Wasserhäuschens?" Kampflos wollen die Leupser, die sich zu der Initiative Pro Leupser Quellwasser zusammengeschlossen haben, der Juragruppe das Feld nicht überlassen. Sie haben einen Anwalt eingeschaltet, der alle offenen Fragen prüfen soll.

ERIC WAHA

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