Freitag, 26.02.2021

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Die Natur hat sich das Land zurückgeholt

Vor 60 Jahren wurden das Dorf Fischstein und seine Nachbardörfer abgerissen, heute erstreckt sich hier ein großes Naturschutzgebiet. - 14.06.2020 17:27 Uhr

Vor 60 Jahren wurde damit begonnen, die Ortschaften Fischstein, Rauhenstein, Ober- und Unterbrand, zwischen Auerbach und Neuhaus an der Pegnitz gelegen, aufzulösen. Nur eine kleine Kapelle ist übriggeblieben. Die Dörfer lagen in der engeren Schutzzone des Wasserschutzgebiets. Mehrere Quellen versorgen bis heute vor allem die Stadt Nürnberg mit Trinkwasser.

10.06.2020 © Foto: Klaus Trenz


Es dauerte bis 1991, ehe das letzte Anwesen in Fischstein aufgekauft und abgerissen wurde. „Der am 24. Mai 2001 errichtete Gedenkstein erinnert neben wenigen kümmerlichen Mauerresten und einigen verwildernden Obstbäumen daran, dass hier einst Hammer und Dorf Fischstein gestanden haben und Menschen mit Fleiß und ihrer Hände Arbeit ein Auskommen hatten. Geblieben aber ist ein schönes Fleckchen Erde, das manchem Wanderer Erholung und Freude bereitet“, schreibt der Auerbacher Heimatforscher und Hobbyhistoriker Rudolf Weber.

Ein Gedenkstein erinnert daran, dass hier einmal Menschen gelebt und gearbeitet haben.

10.06.2020 © Foto: Klaus Trenz


Die Antoniuskapelle neben dem Gedenkstein ist das letzte Gebäude, das von Fischstein übrig geblieben ist. Mauerreste hat die Natur überwuchert. Einmal im Jahr treffen sich ehemalige Bewohner der Dörfer an der Kapelle und feiern eine Andacht. Fischstein ist aber nicht vergessen. An schönen Tagen trifft man dort viele Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer.

Die Antoniuskapelle (Bild ganz oben) ist das letzte Überbleibsel des Dorfes Fischstein. Dort wird gerne Rast gemacht. Die Pegnitz schlängelt sich durch das Tal und weist hier noch einen natürlichen, nicht kanalisierten Verlauf auf.

10.06.2020 © Foto: Klaus Trenz


Der Landstrich ist 1998 zum knapp 200 Hektar großen Naturschutzgebiet „Pegnitzau zwischen Ranna und Michelfeld“ erklärt worden, das sich wie ein Stachel Richtung Norden in den Naturpark Veldensteiner Forst gräbt. „Die Landschaft wird geprägt vom Fluss Pegnitz und dessen ausgedehnten Talwiesen. Die Pegnitz mäandert in einem naturnahen Verlauf über etwa acht Kilometer durch das Tal. Quelltöpfe, naturnahe Weiher und Altwässer begleiten dort den noch jungen Fluss“, ist beim Bayerischen Landesamt für Umwelt nachzulesen.

Ein Gedenkstein erinnert daran, dass hier einmal Menschen gelebt und gearbeitet haben.

10.06.2020 © Foto: Klaus Trenz


Es gibt Veröffentlichungen, in denen von einer der schönsten Flusslandschaften Deutschlands die Rede ist. Mehr noch: Das Gebiet wurde zum Natura 2000-Gebiet der Europäischen Union erklärt. Dort wird die Landschaft wie folgt beschrieben: „Ausgedehnte Wiesen, schilfreiche Weiher und Erlenbruchwälder prägen das Bild der Pegnitzauen“. Das Tal sei Refugium für Libellen, Amphibien, Vögel und Reptilien.

Eine große Zahl von Wanderwegen führt durch Fischstein, unter anderem eine Schleife des Erzwegs.

10.06.2020 © Foto: Klaus Trenz


Fischstein ist auch Etappenziel einer Schleife des Qualität-Wanderwegs Erzweg. Weil es dort einen Eisenhammer gab, der das erste Mal 1326 erwähnt wird. Der Landstrich ist auch geschichts-trächtig. Politisch gehörte Fischstein im Laufe der Jahrhunderte zur Stadt Auerbach, dann zur Gemeinde Höfen (Landkreis Pegnitz) und zuletzt zum Markt Neuhaus.

Hier standen Häuser, Ställe und Scheunen. Fischstein wurde im Zuge des Trinkwasserschutzes aufgelöst. Der letzte Bewohner verkaufte sein Anwesen 1991. Heute gehört das Areal zum Naturschutzgebiet Pegnitzaue zwischen Ranna und Michelfeld.

10.06.2020 © Foto: Klaus Trenz


Es gab zwei Wirtshäuser. Noch bis in die 1970er Jahre war die „Bergmannsquelle“ ein beliebtes Ausflugslokal, bis auch deren Besitzer den Ort Fischstein verließen und der Gasthof abgebrochen wurde. Heute sieht man davon so gut wie nichts mehr. Die Natur hat sich das Land zurückgeholt.

Info: Fischsteins Geschichte findet sich im Internet unter www.weber.rudolf.de

KLAUS TRENZ

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