Stadion-Pläne

Die Pegnitzer Eissport-Familie ist begeistert

11.6.2021, 14:29 Uhr
Stimmungsvoll: ja! Leistungsfördernd: nein! Auch die Pegnitzer Eisstockschützen können in der offenen Arena maximal vier Monate im Jahr trainieren.
 

Stimmungsvoll: ja! Leistungsfördernd: nein! Auch die Pegnitzer Eisstockschützen können in der offenen Arena maximal vier Monate im Jahr trainieren.   © Andreas Beil, NN

Seit Jahrzehnten steht das Pegnitzer Eisstadion wie keine andere Sportstätte in der Region für die Romantik im Eishockeysport. Hier wird der Puck noch unter freiem Himmel versenkt. Eishockey im Eisstadion Pegnitz – das steht für eine einzigartige Atmosphäre, beeindruckende Schnappschüsse und hinterlässt nostalgische Gefühle bei den Fans und Spielern.

Sogar in der US-amerikanischen Eishockeyliga NHL werden am Neujahrstag Spiele unter freien Himmel ausgetragen, um an die Ursprünge des Sports zu erinnern. Während der Sport national und international fast nur noch in überdachten Arenen ausgetragen wird, lebt die Vergangenheit des Eishockeysports in Pegnitz weiter.

Doch die Nostalgie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ansehen des Stadions bröckelt. Denn die Sportstätte hat Macken – und zwar eine Menge. Die Witterung macht dem Eis zu schaffen – sie halten die Sportler oftmals gar vom Spielen ab. Der Beton ist brüchig, die Duschen aus der Zeit gefallen und die Kabinen viel zu klein. „Die Spieler sitzen da drin wie Domino-Steine“, berichtet Alexander Adamczyk, der Verantwortliche der Pegnitzer Eisstockschützen.

Neuer Anlauf mit Perspektive

Seit nunmehr 20 Jahren werden mal mehr, mal weniger Forderungen nach einem modernen und überdachten Stadion laut. Bislang liefen die Forderungen des EVP immer ins Leere. Doch vor einigen Monaten starteten die Projektinitiatoren Alexander Herbst und Andreas Eckert einen neuen Anlauf, das charmante Freiluftstadion durch eine moderne, überdachte Arena zu ersetzen – und fanden in Bürgermeister Wolfgang Nierhoff einen Unterstützer.

Für 15 Millionen Euro soll nun also eine Eishalle aus dem Boden gestampft werden. Die Rettung des Pegnitzer Eishockeysports? Oder eine sinnlose Investition? Die Pegnitzer Eissportvereine sind sich jedenfalls einig: Sie sehen mit einem neuen Stadion eine Chance für die Zukunft des heimischen Eissports.

„Ich bin offen gesagt schwer begeistert“, sagt Christoph Schmitt von der Pegnitzer Eishockey-Hobbymannschaft "Bengasi Bombers" zu den Plänen des EVP. Auch wenn Schmitt dem Eisstadion durchaus Positives abgewinnen kann: Zum Beispiel den gewissen Charme. „Wenn man da bei leichtem Schneefall spielt, hat das was von Eishockey auf dem Teich.“

Zeit ist abgelaufen

Trotzdem: Die Zeit des Pegnitzer Freiluftstadions ist überschritten. Das merken auch Schmitt und seine Bengasi Bombers. Weil eine Vorbereitung in den milden Herbstmonaten in einem Freiluftstadion nur schwer möglich sei, müssen die Bombers für eine-Saisonvorbereitung Fahrten bis nach Amberg oder Weiden auf sich nehmen. Das koste Geld und Zeit. „Um den Pegnitzer Eissport zu sichern, ist es entscheidend, dass man sich etwas Neues überlegt“, findet Schmitt.

Einen Neubau des Eisstadions befürwortet auch Andreas Murr von den Böheim Knights. „Wenn man von einer 15-Millionen-Arena und zwei Eisflächen spricht, würden viele sagen‚ die sind ja größenwahnsinnig‘“, sagt er, „aus Eishockeysicht ist dies aber absolut richtig.“

Einen „enormen Push“ würde der Stadionneubau dem Eishockeystandort Pegnitz geben - und ihn für die Zukunft wappnen. Schließlich habe Pegnitz mit seinem Eisstadion einen entscheidenden Nachteil gegenüber den anderen Standorten. Während die Sportler in anderen Stadien von April bis August über das Eisfeld flitzen können, machen die Wärmeperioden den Böheim Knights oft auch im Dezember noch einen Strich durch die Rechnung.

Jugend am Tropf

Auch in seinem Jugendtraineramt bei den Young Ice Dogs erkennt Murr, wie das alternde Stadion dem Erfolg und flüssigen Spielbetrieb im Wege steht. Ganzjährige Beschäftigung für die Pegnitzer Eishockey-Kinder seien aktuell eine Unmöglichkeit. Denn die Eiszeiten sind hier rar gesät. Gerade einmal vier Monate können die Eishockeyspieler jährlich auf dem Pegnitzer Eis trainieren. Bei den Mannschaften hat es sich zur Normalität entwickelt, ohne eine einzige Trainingseinheit in die Saison zu starten.

Die warmen herbstlichen Temperaturen schieben den Sportlern einen Riegel vor – und resultieren in der Regel in einem Saisonfehlstart: „Es war immer bezeichnend, dass die Pegnitzer Mannschaften um Weihnachten die Hucke vollbekommen haben“, sagt Murr. Erst wenn das Wetter in den Weihnachtsferien das Training auf dem Eis ermöglicht hat, konnten bessere Resultate eingefahren werden.


So sieht es ein Nostalgiker


Die Summe der Eiszeiten ist in den Augen von Murr der wichtigste Faktor für den Erfolg des Sports für den Standort Pegnitz – das funktioniere mittelfristig aber nur mit einer Arena. Kritische Stimmen zum Thema Stadionneubau hat Murr als eine der zentralen Figuren des Pegnitzer Eissports noch nicht wahrgenommen. Der Grund: Anders als in der Vergangenheit habe die Vorstandschaft einen weitreichenden Plan entwickelt, der alles beinhalte. Von der Errichtung über die Betreibung der Anlage bis zur Frage, inwiefern die Stadt Pegnitz oder Nachbarschaftsunternehmen in das Projekt involviert sein sollen, wurde alles abgedeckt.

"Das Stadion leidet"

Überzeugt von den Plänen sind nicht nur die Protagonisten des Pegnitzer Eishockeysports. Auch Alexander Adamczyk von der Eisstocksparte des EVP ist begeistert. „In den letzten Jahrzehnten haben wir gesehen, wie das Stadion immer mehr leidet und kaputtgeht.“ Jeden Herbst gehen die Eisstockschützen absolut unvorbereitet in die Spielzeit - selbst wenn sie für den Sport leidglich einen Drittel des Feldes und eingezeichnete Eisstocklinien benötigen. In der Region sind Trainingsstätten diese Art Mangelware. Lange Fahrten und Mietkosten für ein paar Stunden auf einem Drittel des Feldes in der Weidener Halle machen in den Augen von Adamczyk da nur wenig Sinn.

Eine Zukunft des Sports in Pegnitz wäre auch in den Augen von Adamczyk nur mit einer modernen überdachten Arena möglich – am besten noch mit eingezeichneten Eisstocklinien.

Keine Kommentare