Sonntag, 18.04.2021

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Diebesgut aus Pegnitzer Sportheim im Haus gelagert: Täter vor Gericht

Gericht verhängt milde Strafen für Einbrecher-Trio. Nach einem Streit bei der Polizei ausgepackt. - 05.11.2020 07:55 Uhr

Ihr Plan war simpel, ging aber letztlich nicht auf: Zuerst haben sie die Vereinsheime ausgespäht und dann ihre Einbrüche geplant. Zugeschlagen haben sie immer nachts. Timo K. (23), Maximilian B. (22) und Angelina W. (22) landeten dafür nach umfangreichen Ermittlungen vor dem Landgericht Bayreuth. Der Transportfahrer, der Dachdecker und dessen damalige Freundin, eine Reinigungskraft, haben sich 2017 zusammengeschlossen, um einzubrechen und die Beute auf Ebay zu verkaufen. Zumindest der Plan, damit Geld zu machen, ging schief. Sie verkauften auf Ebay nichts. Vor Gericht wirkt das einstige Diebestrio zerstritten. Die drei schauten sich kaum an, in den Pausen redeten sie nicht miteinander. Alle drei machten einen sehr beschämten Eindruck. In jedem Satz klang eine Entschuldigung durch.

Hoher Sachschaden

Sie klauten Bargeld, technische Geräte wie einen Staubsauger, Benzin und weiteres. "Der verursachte Schaden war um ein Deutliches höher als der erbeutete Gewinn", sagt der Vorsitzende Richter Bernhard Heim. Ihr Gewinn belief sich nur auf das geklaute Benzin und Kleingeld. Weil sie in einem Sportheim nichts fanden, haben sie nur Getränke und Eis geklaut. Das Eis aßen sie noch vor Ort. Insgesamt verursachte das Trio einen Schaden von 60 000 Euro. Der Wert der gestohlenen Waren beträgt 25 000 Euro. Die eigens bei der Polizei gegründete Sonderkommission gewann erste Erkenntnisse durch einen Bewegungsmelder. Einer der Täter hinterließ dort DNA-Spuren.

Den wichtigsten Hinweis bekam die Polizei aber durch Angelina W. Diese ging nach einem Streit mit ihrem Freund Maximilian B. zur Polizei und packte aus. Die beiden Haupttäter gestanden nach ihrer Verhaftung ebenfalls. Eine strafmildernde Wirkung hatte die "aktiv kooperative" Aufklärungsbereitschaft der beiden Haupttäter. Das Trio gab viele der gestohlenen Waren an die Vereine zurück, insgesamt im Wert von über 14 000 Euro. So auch einen defekten Staubsauger, den sie sogar repariert haben, weil er nicht mehr funktionierte.

Fahrrad geschenkt

Das Diebesgut lagerten sie im Haus von B. Er schenkte seiner Freundin und Komplizin davon sogar ein Fahrrad zur Versöhnung, als sie stritten. Und einmal wollten sie ihr sogar einen Hasen klauen, weil sie die Tiere mochte. Dazu kam es aber nicht.

Angelina W. kommt ohne Haftstrafe davon und muss ein Bußgeld von 750 Euro bezahlen. Timo K. und Maximilian B. werden zu zwei Jahren Jugendhaft auf Bewährung verurteilt. Es folgt ein weiteres Jahr der Bewährung, ohne Bewährungshelfer. Als Warnsignal sollen beide jeweils zwei Wochen ins Jugendgefängnis.

Auf keinen Fall wollte Richter Heim die milden Strafen als "Kuscheljustiz" verstanden wissen. Er erklärte die Milde durch die Vielzahl an Faktoren, die der Schwere der Anklage entgegenspielen.

Das Trio habe alles gestanden und sich kooperativ gezeigt, so das Gericht. Die zum Zeitpunkt der Taten 20-Jährigen werden zudem noch an ihrer Unreife gemessen. Auch das Jugendamt legte milde Worte für die Angeklagten ein. Timo K. sieht den Arrest als "Chance, seine Lektion zu lernen". Maximilian B. akzeptiert die Strafe ebenso.

LORENZ SCHEELE

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