15°

Donnerstag, 18.07.2019

|

Dorferneuerung Hagenohe: Stadel statt "Gurkenhalle"

Mittelfristige Maßnahmen werden wohl rund zwei Millionen Euro kosten - 13.12.2018 18:30 Uhr

Einen Dorfplatz mit Dorfstadel sieht das Konzept der Planer für den Ortsteil Hagenohe vor. Dazu würde das alte Wagner-Anwesen gegenüber dem Dorfbrunnen abgebrochen. Der Stadel soll mittelfristig die „Gurkenhalle“ ersetzen. © Brigitte Grüner


Echte Kritik an der Vorplanung des Amberger Architekturbüros Fetsch gab es bei der Zusammenkunft im Gasthaus "Zum Mittler" in Steinamwasser nicht. Nur ein leichtes "Bauchgrimmen" des Ortssprechers Martin Schleicher. 1963 sei die Marksteinhalle am Ortsrand von den Bürgern hergerichtet worden. Seit vielen Jahren findet dort an Himmelfahrt das "Gurkenfest" der Feuerwehr Ranzenthal statt.

Daher kommt der Name "Gurkenhalle". Mindestens 2000 Arbeitsstunden seien schon in das Gebäude gesteckt worden, sagte Schleicher. Auch eine Dacherneuerung wurde durchgeführt sowie neue Elektrik installiert. "Es steckt ein Stück Herzblut drin", betonte der Ortssprecher. "Kann man die Gurkenhalle nicht wenigstens als Lagerraum behalten?"

Zu Beginn der Diskussion hatte Steffen Schneider vom Amt für Ländliche Entwicklung in Tirschenreuth mitgeteilt, dass alle Maßnahmen, die über die Dorferneuerung laufen, grundsätzlich mit 65 Prozent bezuschusst würden. Ein Dorfplatz mit Sitzgelegenheiten und ein Stadel in Holzständerbauweise zum Feiern und für zwanglose Treffen würden ebenfalls gefördert. Der Stadel hätte laut Konzept eine Grundfläche von 96 Quadratmetern und große Tore. Bei Festen könnten vom Gebäude aus Speisen und Getränke verkauft werden.

Die Fläche vor dem Stadel wäre mit gut 250 Quadratmetern groß genug für einige Festgarnituren. Der geplante Dorfplatz liegt sehr zentral gegenüber dem Dorfbrunnen. Dieser soll künftig in den Dorfplatz integriert werden. Dort steht seit langem das Wagner-Anwesen leer. Eine Sanierung des Hauses scheidet wegen des fehlenden Nutzungskonzepts aus, erklärte Wolfgang Fetsch. Ein Abbruch zugunsten eines Dorfplatzes wird über das Dorferneuerungs-Programm gefördert.

Bolzplatz vorgeschlagen

Ebenso gibt es Zuschüsse für den Abbruch der "Gurkenhalle", jedoch nur, wenn der entstehende Platz im Sinne der Lebensqualität im Dorf verwendet wird. Der Architekt schlug einen Bolzplatz vor — wegen der nahen Staatsstraße mit Ballfangnetz.

Die Möglichkeit, im hinteren Teil des Wagner-Anwesens Bauparzellen zu schaffen, wurde ebenfalls angesprochen. Einem Erhalt der "Gurkenhalle" erteilte Bürgermeister Joachim Neuß eine Absage. Die Halle könne so lange genutzt werden, wie es die Stadt verantworten kann. Mängel bei der Statik oder beim Brandschutz seien auf Dauer nicht zu übersehen. Investiert werde jedenfalls in das Gebäude nichts mehr. Eine Ertüchtigung der Halle käme in etwa so teuer wie ein Neubau, der wenigstens gefördert wird.

Glück haben die Bürger und die Stadt bei der Zuschusshöhe. War man vor wenigen Jahren noch von einer gemeinsamen Dorferneuerungs-Maßnahme für Ranzenthal und Hagenohe ausgegangen, so können nun je 350 000 Euro in jedem Ortsteil ausgegeben werde. 60 Prozent Zuschuss sind zugesagt. Weitere Maßnahmen in Hagenohe sind die Sanierung eines Marterls, der Ausbau der Seitenstreifen als Gehweg entlang der Hauptstraße sowie ein neues Wartehäuschen im bekannten Glasdesign. Die Hauptstraße soll überteert und somit besser befahrbar werden. Da über die Dorferneuerung auch private Maßnahmen gefördert werden, ermunterte der Bürgermeister die Bewohner, diese Chance zu nützen.

Zuschuss "wie ein Weihnachtsgeschenk"

Die für Hagenohe angedachten Maßnahmen kosten rund zwei Millionen Euro. Allein der Dorfplatz und der Feststadel verschlingen etwa 1,2 Millionen Euro. Ein Zuschuss in Höhe von 85 Prozent über ein zusätzliches Förderprogramm sei "wie ein Weihnachtsgeschenk für die Bürger", so der Rathauschef. Ortssprecher Martin Schleicher regte noch an, den Kastanienbaum auf dem Wagner-Anwesen zu entfernen und die Kurve in diesem Bereich zu entschärfen. Auf wenig Gegenliebe stieß sein Vorschlag, das geplante Regenrückhaltebecken in den Ort zu verlegen. Architekt Fetsch bezeichnete das Becken als "technische Einrichtung", die mit einer Dorferneuerung und damit der Verschönerung eines Dorfbildes eigentlich nichts zu tun habe. Vom Zeitplan her wird die Dorferneuerung per Schreiben des Amtes für Ländliche Entwicklung noch heuer eingeleitet. Im kommenden Jahr sollen die Anträge gestellt und ab 2020 die Baumaßnahmen begonnen werden.

Spätestens 2024 möchten die Verantwortlichen die Dorferneuerung in den Ortsteilen Hagenohe und Ranzenthal abschließen. Die Vorentwürfe werden nun dem Ortssprecher übersandt, damit sich die Dorfgemeinschaft damit befassen kann. Im Frühjahr möchte sich die Stadt mit den Bürgern erneut treffen, um deren Ideen und Anregungen zu besprechen. 

BRIGITTE GRÜNER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Hagenohe