Freitag, 16.04.2021

|

Dr. Walter Wagner: "Helfe Patienten auch weiterhin gerne"

Früherer Klinikum-Chefarzt feiert 70. Geburtstag - Weltmeister und Sportlegenden im Freundeskreis - 02.03.2021 06:00 Uhr

Aus der ärztlichen Betreuung des früheren Box-Weltmeisters ist eine enge Freundschaft zwischen Henry Maske und dem Ringarzt Dr. Walter Wagner entstanden.

01.03.2021 © Archivfoto: Richard Reinl


Das Bayreuther Rathaus nennt den CSU-Stadtrat in einer knappen Verlautbarung einen "Facharzt i. R. für Chirurgie und spezielle Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie, physikalische Therapie, Notfallmedizin und Sportmedizin". Doch von Ruhestand kann beim jahrelangen Chefarzt am Klinikum Bayreuth keine Rede sein. Nur kurze Zeit, nachdem er am Roten Hügel altersbedingt ausgeschieden ist, sicherte sich das MedCenter seine Dienste. Heute ist er so an den Standorten Bayreuth, Hof, Kemnath oder auch in Pegnitz aktiv.

Das Pikante an der Geschichte: Das MedCenter war einst eine gemeinsame Idee von Wolfgang Gruber und Walter Wagner, die ein solches Medizinisches Versorgungszentrum unter dem Dach des Klinikums etablieren wollten. Auf ungeklärte Art und Weise ist der Plan jedoch in letzter Minute wieder von der Tagesordnung der Zweckverbandssitzung genommen worden. Das Ende vom Lied: Wagners Oberarzt Dr. Wolfgang Gruber setzte die Idee auf eigene Faust um und wurde so zum äußerst erfolgreichen Konkurrenten seines früheren Chefs. Der Jubilar heute: "Trotzdem hat nie auch nur ein Blatt Papier zwischen unsere freundschaftliche und fachliche Beziehung gepasst."

Bilderstrecke zum Thema

Henry Maske lobt den Bayreuther Arzt Dr. Walter Wagner: "Immer präsent"

Er liebt seinen Beruf und ist deshalb immer noch aktiv: Nur einen Tag, nachdem er einst altersbedingt als Chefarzt der Chirurgie am Bayreuther Klinikum ausscheiden musste, heuerte Prof. Dr. Walter Wagner bei seinem früheren Oberarzt Dr. Wolfgang Gruber im MedCenter an. So kann der Mediziner mit seiner großen Erfahrung weiterhin Patienten an den Standorten in Hof, Kemnath, Bayreuth und in seiner Heimatstadt Pegnitz helfen. Zu seinem 70. Geburtstag haben die NN eine Sammlung von Erinnerungen aus Wagners Tätigkeit am Klinikum, als Ringarzt der deutschen Berufsboxer oder als Mannschaftsarzt des Bundesligisten 1. FC Nürnberg zusammengestellt. All die Gratulanten, die ihm bei einem großen Empfang vor fünf Jahren persönlich die Ehre gegeben haben, können heuer ihre Glückwünsche coronabedingt nur telefonisch übermitteln. Kein Geringerer als Henry Maske brachte damals seine Wertschätzung für Wagner mit zwei Worten auf den Punkt: "Immer präsent".


So profitieren Tausende von Patienten aus der gesamten Region weiterhin von der Fachkompetenz eines Mediziners, der sich nie als "Halbgott in Weiß", sondern immer wieder als "Helfer in der Not" präsentiert. Er macht kein Aufhebens davon, aber er hat Schwerverletzte in Notsituationen aus fernen Landen einfliegen lassen, er hat nicht wenigen durch schwierige Operationen noch viele Jahre Lebenszeit geschenkt.

Und er hat den einstigen Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher überreden können, eine halbe Million Mark für ein gemeinsames Hilfsprojekt zugunsten von 100 kriegsbedingt amputierten Kindern in Sarajewo zu spenden. Mit ungewöhnlichen Aktionen hatte es Wagner sogar ins Fernsehen geschafft.

Nachdem Wagner mit einem Ärzteteam in Erlangen dem später erfolgreichsten Paralympics-Sportler aller Zeiten, Gerd Schönfelder aus Kulmain, der im Bahnhof Hersbruck unter einen Zug geraten war, eine Zehe als Daumenersatz an die zerfetzte Hand operiert hatte, erfüllte er ihm auch noch dessen größten Wunsch. Schönfelder: "Er hat mir zwei Bier auf Rezept verschrieben. Ich weiß noch heute, wie das geschmeckt hat. Diese kleine Aktion hat mir aber vor allem Mut gegeben, dass es weiter geht." Die BR-Moderatorin Marianne Kreutzer staunte: "Das muss ja ein toller Arzt sein."

Unzählige Fernsehauftritte hatte Wagner zudem als oberster Ringarzt der deutschen Berufsboxer. Nicht wenigen hat er mit seiner exzellenten Kenntnis des Regelwerks Titel gerettet, viele sind deshalb bis heute mit dem Sohn des früheren Betzensteiner Bürgermeisters eng befreundet. Nicht alle: Einer drohte, ihm mit einem Baseballschläger den Kopf einzuschlagen, wenn er vor Gericht nicht zu seinen Gunsten aussage. Der Pegnitzer blieb trotzdem unerschrocken bei der Wahrheit.

Gern hilft er Star-Trainer Uli Wegner, der nach einem komplizierten Beinbruch regelmäßig nach Rat fragt. Der frühere Spieler des 1. FC Nürnberg, Rainer Wirsching, hat seine Doktorarbeit bei Wagner gemacht, ebenso wie jetzt dessen beide Kinder.

Ehrenvolles Begräbnis für Rocchigiani

Eine Selbstverständlichkeit war es für Wagner, den nach schwerer Krankheit unlängst verstorbenen Günther Maier auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Nürnberger, zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten deutschen Boxer, hatte den Mediziner einst in einer Notsituation von der Erlanger Bergkirchweih als Ringarzt verpflichtet und so den Grundstein gelegt für dessen zweite Karriere. Für ein anderes Box-Idol früherer Zeiten, Graciano Rocchigiani, hat der Pegnitzer den Geldbeutel ganz weit geöffnet, um ihm ein ehrenvolles Begräbnis zu ermöglichen. "Ich habe ihn kurz vor seinem Tod noch in seiner spartanisch mit ein paar Obstkisten eingerichteten Wohnung in Berlin besucht."

Das ist heute alles Geschichte. So sehr Wagner den Niedergang der deutschen Boxszene bedauert, so sehr freut er sich doch über die unzähligen Freundschaften, die daraus entstanden sind. Nicht zuletzt deshalb denkt er noch lange nicht ans Aufhören: "Wo ich als Arzt helfen kann, werde ich das auch weiter gerne tun."

RICHARD REINL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz