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Drohnenlärm der US-Army sorgt für Ärger bei Bürgern

Bürger fühlen sich durch Drohnen gestört, doch ihre Beschwerden verhallen - 19.05.2020 19:06 Uhr

Bereit zum Start: Bürger in der Nähe des Truppenübungsplatzes ärgern sich über die Drohnen, die die US-Army dort in die Luft schickt. © Foto: Gertrud Zach/US Army


"Der Lärm wird vor dem Bürger geschützt, nicht der Bürger vor dem Lärm", findet Werner Dier, der Vorsitzende des Bürgerforums Umwelt und Truppenübungsplatz (But). Der Verein kennt das Problem mit Drohnen seit längerem. Genervt durch das Geräusch der Flugkörper sind inzwischen auch die Menschen in Degelsdorf.

"Seit Wochen werden wir hier in Degelsdorf von den amerikanischen Drohnen terrorisiert. Die fliegen von früh bis spät in die Nacht", teilte ein Bürger der Redaktion mit. Hans Regn hat sich bereits per E-Mail an die US Army gewandt und inzwischen einen Rückruf erhalten. Ein weiteres Telefonat wurde angekündigt. Ein Anruf bei der Bundeswehr und dem Luftfahrtbundesamt brachten dagegen bislang keinen Erfolg. "Da ist dauernd belegt." Wer bei schönem Wetter abends noch draußen sitzt, hört und sieht die Drohnen mit ihrem roten Dauerlicht. Das Geräusch gleiche einem eintönigen, tiefen Brummen, das je nach Entfernung des Flugkörpers mal lauter, mal leiser zu hören ist, erklärt Regn.


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Auf dem Truppenübungsplatz finden momentan Ausbildungsflüge mit Drohnen statt. André Potzler, der Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit der US Armee in Grafenwöhr, beschreibt die eingesetzten Flugkörper: "Bei dem hier am häufigsten eingesetzten System handelt es sich um das RQ-7B Shadow-System. Die Shadow ist eine reine Aufklärungsplattform, also gänzlich unbewaffnet und auch nicht für Transportzwecke nutzbar." Das Fluggerät wiegt ungefähr 210 Kilogramm, hat eine Flügelspannweite von etwa sechs Metern und ist circa 4,20 Meter lang.

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Auch die Verantwortlichen von BUT haben schon ihre Erfahrungen mit Drohnen gemacht. "Sie sind seit Jahren eine Plage für uns. Es ist unerträglich, Tag und Nacht den Lärm zu hören", sagt Vorsitzender Werner Dier, der in Bernreuth unweit der Grenze zum Truppenübungsplatz (Tüp) wohnt. Die Flugkörper seien ein Thema, das die Initiative schon lange beschäftigt. Informiert sei auch der Bundestagsabgeordnete Jürgen Mistol (Die Grünen). Auch bei André Potzler von der Öffentlichkeitsarbeit der US Armee und bei Landrat Richard Reisinger (CSU) habe sich But beschwert.

"Von Seiten der US Army wird das Ganze mit der Begründung, es sei alles regelkonform, abgeschmettert." Angefragt wurde von But auch die zuständige Behörde, die Flugbetriebs- und Informationszentale (Flitz) der Luftwaffe. "Hier kommt nicht einmal eine Antwort", bedauert Dier.

"Behörden machen nichts"

Er spricht von einem rücksichtslosen Verhalten der Army. "Und die Behörden machen nichts." Unbeantwortet blieben auch einige Mails zur Drohnen-Problematik an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Für Werner Dier ist es ein Widerspruch, wenn die "große Politik" in der Coronakrise immer wieder betont, dass die Gesundheit an erster Stelle steht. Andererseits werde die Gesundheit der Tüp-Anwohner der US Armee und ihren Interessen geopfert.

Pressesprecher André Potzler geht auf die Richtlinien für Drohen-Flüge ein. Die Ausbildung mit den unbemannten Flugsystemen werde bei passendem Wetter an Wochentagen und in Übereinstimmung mit den Vereinbarungen des Gastgeberlandes durchgeführt. Bei größeren Übungen werde auch an Wochenenden geflogen. "Die Piloten müssen gebührenden Abstand von der Übungsplatzgrenze halten, um die Geräusch-Emissionen mit Rücksicht auf die angrenzenden Wohngebiete so gering wie möglich zu halten. Die Flüge werden unter Einhaltung der gültigen Vorschriften und Vorgaben durchgeführt."

Die Shadow-Drohne wird vom Boden aus gesteuert. Die Bediener absolvieren laut Army-Sprecher nur das Minimum der erforderlichen Flugstunden, um bestmöglich ausgebildet zu sein. Dass dieses Minimum an Flugstunden für die Menschen in den Ortsteilen am Tüp-Rand bisweilen als störend empfunden wird, wissen die Verantwortlichen. "Wir nehmen Beschwerden sehr ernst und möchten unterstreichen, dass Freundschaft und gute Zusammenarbeit mit unserem Gastland unsere oberste Priorität sind", betont André Potzler. Darüber hinaus stehe die US-Army in ständigem Kontakt mit den umliegenden Gemeinden und anderen deutschen Behörden, um die Ausbildung zu koordinieren, und die Auswirkungen auf die Nachbarn so gering wie möglich zu halten. Des Weiteren gebe es eine Arbeitsgruppe, die sich mit Lärm-Emissionen beschäftigt und auch regelmäßige Konsultationen.

Brigitte Grüner

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