Duftende Kaffeemühlen und seltenes Porzellan

10.3.2012, 14:20 Uhr
Christa Stoeber (unten Mitte) sammelt in ihrem Cafe wertvolle Kaffeemühlen.

© Irene Lenk Christa Stoeber (unten Mitte) sammelt in ihrem Cafe wertvolle Kaffeemühlen.

Wussten Sie, dass auch die Autofirma Peugeot Kaffeemühlen baut? Und dass es 36 deutsche Hersteller gab? Ganz alte Modelle von Kym, Geska, Trösser, Zassenhaus und Leinbrock hat Christa Stoeber auf dem Regal stehen — und auch seltene Porzellanservices.

„Bei Haushaltsauflösungen hab ich die alten Sachen liebgewonnen“, sagt sie. Im Elternhaus ihres Mannes und bei der Schwägerin in Pfaffenhofen wurde sie fündig — aber nicht in ihrer eigenen Familie. Denn Christa Stoeber stammt aus dem Sudetenland. Bei der Vertreibung gab es ein Limit von 30 Kilogramm Gepäck. „Wir haben alles vergraben. Oder zwischen zwei Wänden eingemauert, zum Beispiel die Briefmarkensammlung.“

Es war ein altes Gasthaus, von dem jetzt nur noch die großen Bäume rundum übrig sind, sagt sie. Sonst ist alles abgerissen.

Gold und Silber

Das Haus stand in Kratzau, heute im obersten Winkel an der Nordgrenze Tschechiens. Es ist eine kleine Stadt, um 1303 von Bergleuten aus Pirna gegründet, die Kupfer, Zinn, Silber und Gold suchten. Dann kamen Tuchweber und die Textilmaschinenindustrie, auch die Granatenherstellung für den Weltkrieg durch KZ-Insassen. Und 1945 folgte die Vertreibung.

Christa Stoeber erzählte davon für die Multimediaschau zur Stadtgeschichte im Alten Schloss. Die Kamera hielt aber nicht ihre Kaffeemühlen fest, die auch alle eine Geschichte haben. Es ist eine Geschichte, eingefügt in den Siegeslauf des Kaffees ab 850 n. Chr., von Äthiopien ausgehend. Im 14. Jahrhundert brachten Sklavenhändler die Bohnen nach Arabien. Die Stadt Mocha (Mokka) im Jemen war das Handelszentrum.

Auch die Ausbeutung Afrikas gehört zum Kaffee. Im Jahr 1899 importierte das Deutsche Reich zum Beispiel 2,55 Millionen Kaffeesäcke. Alles endete in einem Boom der Kaffeehäuser. 1938 vergab die Stadt Wien 1283 Konzessionen.

Dazu gehört auch die Erfindung der ersten Espressomaschine in Paris 1856, der Start von Nestlé mit Apotheken-Milchpulver für Babys 1866, der erste koffeinfreie Kaffee 1904, die Gründung von Jacobs 1895, von Eduscho 1924 und von Dallmayr 1933.

Muckefuck

Seitenaspekte sind das Wort „Muckefuck“, 1871 im Deutsch-Französischen Krieg von Soldaten aus dem französischen „Mocca faux“ (falscher Mokka) übernommen — und die Erfindung einer gewissen Melitta Bentz aus Dresden, die ab 1908 sehr erfolgreich ihre Kaffeefilter vermarktete. Das Unternehmen hat heute 50 Gesellschaften und eine Milliarde Euro Umsatz.

„Kym“ aus Iserlohn

Christa Stoeber hat nun eine Kaffeemühle der Marke „Kym“ auf dem Regal stehen, von „Kissing & Möllmann“ aus Iserlohn. Diese Firma, 1826 gegründet, taufte nicht umsonst ein Modell „Elenora“, weil nämlich so die Ehefrau von Ferdinand Möllmann hieß. Deren Verwandte namens Kissing gaben ihm Geld, so dass das größte Kommissionshandelshaus von Nordrhein-Westfalen entstehen konnte. Möllmann machte Geschäfte bis Russland und Kolumbien, beteiligte sich an Walzwerk, Hütte und Zeche — und besaß eine Bronzefabrik, die neben Lampen und Armaturen auch Kaffeemühlen herstellte.

Stoebers nächste Kaffeeemühle „Geska“ entstammt den Mahlwerken aus Radevormwald, die ab 1919 von zwei Brüdern namens Spiekenheuer aufgebaut wurden. Diese stellten auch Pfeffermühlen her, mussten aber 1992 verkaufen. Die Firma wurde 2003 aufgelöst.

Zu Christa Stoebers Kaffeemühle namens „Armin“ lässt sich weniger finden. Sie kommt aus der Firma von Hermann Trösser in Wuppertal. Das Etikett zeigt ganz klein das Cheruskerdenkmal vom Teutoburger Wald.

Interessanter wird es mit der Kaffeemühle „Zassenhaus“. Sie fußt auf alten Schossmühlen, die ein Robert Zassenhaus in Solingen herstellte. Er hatte 1867 mit Kleineisen und Werkzeugen begonnen. Ab 1925 leimte die Firma sogar die Holzkästen für ihre Kaffeemühlen selbst.

Größte Spezialfabrik

Eine weitere Kaffeemühle vom Stoeber’schen Regal heißt „Leinbrocks ideal“. Diese Firma W. Leinbrock pries sich als „größte Kaffeemühlen-Spezialfabrik“ und war 1868 im sächsischen Bad Gottleuba gegründet worden. 1911 wurde sie zur Aktiengesellschaft, ging 1933 in Konkurs, fing sich im Folgejahr wieder als GmbH und verkaufte ab 1953 auch elektrische Kaffeemühlen. Aber 1972 wurde das Werk zur VEB-Maschinenfabrik und stellte 1980 die Produktion von Kaffeemühlen ein.

Und welchen Kaffee mahlt Christa Stoeber heute für ihre Gäste, immer frisch? Den der Marke Westhoff aus Bremen, der seit 1886 in bester Qualität auf dem Markt ist. „Wenn man nichts Gutes reintut, kann man auch nichts verlangen“, stellt sie dazu kategorisch fest.

Sie serviert den Kaffee aber nicht in ihren historischen Services, die über 100 Jahre alt sind und vom nächsten Regal herunterschauen. Eins besteht vermutlich aus Knochenporzellan, ein anderes ist mit rotem Kobalt verziert, das dritte rußgeschwärzt. Denn dieses Milchkännchen und seine Zuckerdose überstanden im Zweiten Weltkrieg die Feuersbrunst von Frankfurt. Es sind Teile der Firma „Bareuther Bavaria“ aus Waldsassen, ab 1931 (und bis 1950) mit diesem speziellen Bodenstempel gefertigt

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