Dienstag, 25.02.2020

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"Durchlässigkeit in der Gesamtschule ist sehr hoch"

Scheidende Chefin erklärt, warum die Hollfelder Einrichtung so wertvoll ist - 30.07.2019 22:13 Uhr

Tauscht ihren Schreibtisch gegen ein entlegenes Domizil in Spanien: Christiana Scharfenberg geht in den Ruhestand und gibt die Leitung der Staatlichen Gesamtschule Hollfeld an Christine Betz ab. © Foto: Peter Engelbrecht


Die Staatliche Gesamtschule sei für den Standort Hollfeld sehr wichtig, führt die 63-Jährige aus und betont: "Wir decken im ländlichen Raum alle Schularten ab." Müssten die Schüler in die umliegenden Städte, würde das relativ lange Busfahrten und mehr Aufwand bedeuten. Die nächsten Gymnasien befinden sich in Bamberg, Bayreuth, Ebermannstadt und Kulmbach, die nächsten Realschulen in Bamberg, Bayreuth, Ebermannstadt und Scheßlitz. "Den Schülern bleiben lange Wege erspart", resümiert Scharfenberg.

Die Einrichtung hat derzeit knapp über 1000 Schüler und 100 Lehrer. Ab dem neuen Schuljahr im September werde die Schülerzahl sogar noch etwas steigen, da es dann auch in den fünften Klassen sieben Züge geben wird, skizziert Scharfenberg. Auch die kommenden zehn Jahre werde die Gesamtschule wachsen.

Darüber hinaus sei die Gesamtschule ein Standortfaktor für Hollfeld – auch wirtschaftlich spiele das eine Rolle. "Die Kinder und Jugendlichen können bei uns eigenverantwortlich lernen und arbeiten, werden individuell gefördert. Die Durchlässigkeit in der Orientierungsstufe ist sehr hoch", unterstreicht die Schulleiterin. "Man kann problemlos von der Mittelschule in die Realschule und dann ins Gymnasium aufsteigen." Der Vorteil dabei sei: Man bleibt in einer Schule, kennt die Lehrer, Mitschüler und Infrastruktur.

Das individuelle Lernen sieht zum Beispiel in der fünften Jahrgangsstufe so aus, dass in Deutsch bestimmte Lerneinheiten mit Hilfe von Arbeitsblättern durchgenommen werden. Jeder Schüler kann sich das Arbeitsblatt auswählen, das seinem Wissensstand entspricht. "Das bedeutet weniger Frust und weniger schlechte Noten für die Schüler", sagt Scharfenberg. Das gleiche Vorgehen gebe es in den Fächern Biologie, Mathematik und Religion.

Zauberwort Synergien

Zudem sei die Gesamtschule ein Sparmodell, so die Pädagogin. Sie betont: "Würde man die drei Schulen getrennt voneinander unterbringen, bräuchte man auch drei Turnhallen und jeweils eine eigene Infrastruktur." Das Zauberwort dabei heiße Synergien. "Wir bieten viel, was Kinder andernorts in Mittelschule, Realschule oder Gymnasium nicht haben. Bei uns sind die Schulpsychologin und die Sozialpädagogen für alle da", zählt Scharfenberg auf.

Freuen würde sie sich, wenn Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW) nächstes Schuljahr der ausgesprochenen Einladung folgen und tatsächlich die "Schule der besonderen Art", wie sie im Namenszusatz heißt, besuchen würde. Denn so könnte er sich einen eigenen Eindruck verschaffen. Hie und da höre man nämlich, dass das Bild der Gesamtschule aus Münchner Sicht negativ sei, berichtet Scharfenberg. Bislang waren zwei bayerische Kultusminister zu Besuch in der Schule: Hans Maier bei der Einweihung im April 1978 und später Monika Hohlmeier.

Etwas eigentümlich mutet von außen betrachtet das Procedere der Abiturprüfungen an: Diese und die Korrekturen finden derzeit in Hollfeld statt, die Zeugnisse werden aber vom Graf-Münster-Gymnasium ausgestellt. Den Jugendlichen sei das egal, für sie sei es nur wichtig, das Abitur zu bekommen, sagt Scharfenberg, die heuer 36 Abiturienten verabschiedet hat. "Ein eigenständiges Abitur in der Gesamtschule wäre gut, doch das liegt in der Hand des Kultusministeriums", so die Schulleiterin.

Ihrer Nachfolgerin Christine Betz wünscht die scheidende Schulleiterin eine glückliche Hand, gute Arbeitsbedingungen und dass sie auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen und das Abitur bald eigenständig abgelegt werden kann.

In den nächsten Jahren sollen mehr als 40 Millionen Euro in die Generalsanierung und den Bau eines zweistöckigen Mint-Gebäudes für Biologie, Chemie, Physik, Informatik und Geografie investiert werden, berichtet Scharfenberg.

PETER ENGELBRECHT

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