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Ebenhöh: "Bier und Schweinernes - Punktum"

Früherer Pegnitzer Gastwirtssohn gründet Initiative "Rettet den Flinderer" - 07.05.2015 19:13 Uhr

Gottfried Ebenhöh (r.) - hier zusammen mit Franz Eller beim Bratwurstgipfel - will den traditionellen Flinderer retten. © Irene Lenk


"Pegnitz und seine Bürger halten etwas von diesem Traditionsereignis: Es gehört zum Leben der Stadt wie andernorts der Karneval im Lauf der Jahreszeiten." So begründet der Autor der "Stern`s Geschichten" mit Erinnerungen an das ehemalige Pegnitzer Traditionslokal seine Facebook-Initiative. Gefahr sei in Verzug, schließlich sei die fünfte Pegnitzer Jahreszeit vor knapp 50 Jahren schon einmal am Abgrund gestanden und nur durch die Privatinitiative einiger weniger Wirte gerettet worden. Ähnliches sei jetzt wieder nötig.

Ebenhöh zitiert die historische Bedeutung, auf der Website der Stadt Pegnitz abgedruckt:„In Pegnitz geht das Flindern auf eine Übereinkunft von 1728 zurück. In einer Information vom 17. März 1852 wird definiert, dass Brauberechtigte während der Wintermonate ihr Schenkrecht ungehindert ausüben dürfen, dass dagegen während der Sommermonate in der Regel vom 1. März bis Ende September, Anfangs Oktober die Berechtigung zum Bierschenken von Woche zu Woche wechselt. Die Regel galt für alle Berechtigten, die keine Gast- oder Bierwirtschaft betrieben und das Bier im eigenen Haus ausschenkten.

Diese alten Rechte haben sich im Laufe der Jahre jedoch verändert oder sind gänzlich verschwunden. Aber die Liebe zu einem süffigen Bier und einer guten Brotzeit, vor allem zum “Schweinernen”, ist geblieben.

Typisch für die “Flindererzeit” ist das süffige Flindererbier, von den Pegnitzer Brauereien extra für diese Zeit eingebraut, und eine deftige, fränkische Brotzeit.

Es wird abwechselnd wöchentlich, von April bis Juni, in verschiedenen Pegnitzer Gaststätten geflindert. Meistens gibt es schon ab Vormittag zum Flinderer-Bier die typischen Hausmacher-Brotzeiten wie Bratwürste, gebraten oder sauer, Blut- und Leberwürste, roten und weißen Presssack, Tellersülze, “Schipf” (eine in manchen fränkischen Regionen gebräuchliche Bezeichnung für Kesselfleisch), Rippla, Krenfleisch und Schweinebraten mit Klößen. Dazu wird Sauerkraut, ein unverzichtbarer Bestandteil fränkischer Küche, serviert.

Der Ex-Stadtrat, der im Gasthaus "Goldener Stern" aufgewachsen ist, erinnert daran, dass der Flinderer schon einmal „auszusterben“ drohte: Niemand von den ursprünglichen „Flinderer-Berechtigten“ existierte noch oder fand sich bereit, die Tradition fortzusetzen. Durch einige Anstrengung gelang es, den Brauch fortbestehen zu lassen. Große Verdienste erwarb sich damals Kurt Barthelmus, der Wirt der Glückauf-Gaststätte am Loheplatz.

Ebenhöh: "Der ursprüngliche Rahmen musste aber geändert oder verfälscht werden, wie man es sehen mag. Und so traten Sportheime, der eine oder andere Italiener oder Grieche in die Traditions-Fußstapfen. Rezina und Chianti neben Flinderer-Bier, Gyros und Pizza neben Schipf, Schäuferla und Bratwürschd. Und dann kommen jetzt noch Forderungen nach vegetarischer oder veganer Produkterweiterung auf."

Der frühere Stadtrat unmissverstänlich: "Die Pegnitzer verhunzen damit eine ihrer erhaltenswerten Traditionen. Wer sich vegetarisch ernähren will, kann das auch beim Flinderer: Sauerkraut, Erdäpfel, Bauernbrot, Kren, alles da. Hardcore-Veganer werden das Sauerkraut nicht schätzen, denn es könnte ja mal ein Knöchla mitgesotten worden sein. Aber muss man da auf diese Minderheit Rücksicht nehmen? Zum Flinderer gehört das spezielle Bier und jede Art „Schweinernes“ - Punktum!"

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