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Eichen komplett befallen: Lästige Raupen im Anmarsch

Im Sommer könnte nach Corona eine neue Plage drohen: Der Eichen-Prozessionsspinner kommt. - 27.05.2020 22:23 Uhr

Die Haare der Raupen des Eichen-Prozessionsspinners haben Widerhaken, in denen sich ein für den Menschen nicht ganz ungefährliches Nesselgift verbirgt.


Fragt man beim Amt nach, wird die Gefährdung bestätigt: "Die Eichen im Bereich des Parkplatzes sind komplett befallen", erklärt Burkhard Schubert, Sachgebietsleiter für den Straßenbetriebsdienst. Auch am angrenzenden Radweg gebe es einige befallene Bäume.

Diese wurden mit Warnbändern versehen, wie es die Betriebsanweisung zum Thema "Eichen-Prozessionsspinner" vorsieht. "Die wichtigste Maßnahme ist es, Passanten und Parkplatzbenutzer vor der Gefahr durch den Prozessionsspinner-Befall zu warnen", betont Burkhard Schubert.

Die Raupen des unspektakulären braunen Falters haben während eines ihrer Entwicklungsstadien Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift, das sogenannte Thaumetopoein, enthalten. Dieses Gift kann beim Menschen schwere allergische Reaktionen unter anderem mit Hautausschlägen auslösen, sogar allergische Schockzustände wurden schon vereinzelt beobachtet.

Am B2-Parkplatz zwischen Schnabelwaid und Craimoosweiher warnt ein Schild vor dem Befall der dortigen Bäume mit dem Eichen-Prozessionsspinner. © Foto: Richard Reinl


Aus forstwirtschaftlicher Sicht ist der Eichen-Prozessionsspinner ein Schädling, denn die Raupen ernähren sich von den Blättern ihrer Wirtsbäume. Sie fressen die gesamte Gewebefläche der Blattspreite und lassen nur die Mittelrippe und stärkere Seitenrippen des Blattes stehen. Die Folge ist Lichtungs- oder sogar Kahlfraß. Bei mehrjährigem starkem Auftreten kann der befallene Baum geschädigt werden oder sogar absterben.

Dennoch verzichtet man in der Regel aus Umweltschutzgründen auf eine flächendeckende Bekämpfung des Eichen-Prozessionsspinners, dessen Name sich übrigens davon ableitet, dass die Raupen an den Bäumen hintereinander und übereinander kriechen und dabei "Prozessionen" bilden. Gegen die markanten Nester setzt man eine Art "Flammenwerfer" ein und brennt sie vom Baum herunter. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, chemische Mittel einzusetzen. Deren Verwendung wird allerdings von den Umweltschutzverbänden hierzulande scharf kritisiert, weil durch die giftigen Wirkstoffe, die dem Eichen-Prozessionsspinner den Garaus machen, auch die Raupen anderer Schmetterlinge oder brütende Vögel schädigen können, wenn man sie großflächig aus der Luft versprüht.

In der Regel werden die für den jeweiligen Baumbestand Verantwortlichen – das können beispielsweise Kommunen sein oder der Landkreis – dann tätig, wenn die befallenen Bäume in der Nähe von Wohngebieten im Allgemeinen und Kinder-Tageseinrichtungen im Speziellen vorkommen. Lässt sich die Gefahr durch Abstand wie auf dem B 2-Parkplatz in den Griff kriegen, dann lässt man den Eichen-Prozessionsspinner in Ruhe und begnügt sich mit Warnschildern beziehungsweise Warnbändern.

Der vergangene Winter war auffallend mild, die Tage mit strengen Minustemperaturen hielten sich in der Region in Grenzen. Gute Voraussetzungen für die Vermehrung von Insekten. Aus diesem Grund rechnen Waldbesitzer damit, dass die Population des Eichen-Prozessionsspinners in diesem Sommer kräftiger als 2019 ausfallen könnte – auch wenn derzeit noch eine Art "Ruhe vor dem Sturm" herrscht. Fragt man beispielsweise im Landratsamt Amberg-Sulzbach nach, dann ist der Eichen-Prozessionsspinner im Landkreis "noch kein Thema", wie Pressesprecherin Christine Hollederer ausführt.

Grundsätzlich sei für die Beseitigung der Spinner oder ihrer Gespinste bei Privatgrundstücken der jeweilige Eigentümer, im Falle von öffentlichen Grundstücken die jeweilige Gemeinde zuständig; der Befall eines Baumes mit Eichenprozessionsspinnern oder deren Gespinsten sollte der Gemeinde gemeldet werden, die dann auch die weiteren Maßnahmen koordiniert.

An diesem Punkt kommen unter anderem die städtischen Bauhöfe ins Spiel. Optimistisch sieht der Auerbacher Bauhofleiter Matthias Regn dem diesjährigen Sommer entgegen. Zum Schutz des Auerbacher Stadtwaldes und des städtischen Grüns komme seit einiger Zeit an Standorten mit Gefährdungspotenzial ein besonderer Wirkstoff zum Einsatz, der die Eichen-Prozessionsspinner nach der Verpuppung daran hindert, sich zu entpuppen.

Ein Falter, der gar nicht erst schlüpft, kann auch keine Eier für nachfolgende Generationen legen. Regn und sein Team sind deshalb zuversichtlich, das Problem langfristig im Griff zu haben. Wird etwa ein Baum in einem Gastro-Außenbereich befallen, rät Matthias Regn dazu, den Umgriff der Baumkrone zu sperren, um das Risiko für Biergartenbesucher möglichst gering zu halten.

Aus Pegnitz gibt es laut Burkhard Schubert, der mit dem Bauhof in Kontakt steht, bis dato noch keine Prozessionsspinner-Meldungen. Dies könne sich aber mit steigenden Temperaturen schnell ändern, dessen sind sich alle Beteiligten bewusst.

Der Pottensteiner Bauhof-Leiter Klaus Eckert kennt sein Einsatzgebiet genau: "Im südlichen Gemeindebereich gibt es praktisch keine Vorkommen von Eichen-Prozessionsspinnern, im Pottensteiner Norden, beispielsweise im Gebiet um Vorderkleebach, ein paar", weiß Eckert. Erhöhten Handlungsbedarf leitet er daraus derzeit gleichwohl nicht ab.

Burkhard Schubert erinnert daran, dass die Bekämpfung des Eichen-Prozessionsspinners auch eine Kosten- und eine Personalfrage sei. Um die Nester und Raupen von den Bäumen zu bekommen, bedarf es geschulter Kräfte, die zur Schädlingsbekämpfung besondere Geräte und im Falle des Eichen-Prozessionsspinners auch spezielle Schutzkleidung benötigen. Da kämen nach Schuberts Worten "bei ein paar Bäumen schnell mehrere Tausend Euro" für die Beseitigung der Schädlinge zusammen.

"Weitergehende Maßnahmen lassen sich nur in besonderen Fällen rechtfertigen", fasst Schubert zusammen. So gilt auch hier, dass mit Blick auf den Etat das Aufstellen von Warnschildern der finalen Lösung des Problems vorgezogen werden muss.

HANS VON DRAMINSKI

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