11°

Samstag, 22.02.2020

|

Ein Festival für wirklich alle

Der Stadtrat von Waischenfeld bewilligt 5000 Euro für Inklusion behinderter Menschen. Dazu soll auch ein Festival im Juni stattfinden. Gerade die ungenügende Versorgung mit Wohnraum für Beeinträchtigte belastet diese Personengruppe und ihre Angehörigen. - 15.01.2020 17:59 Uhr

Die Organisatoren des Inklusionsfestivals „Wir sind alle gleich“, das mit einem Open Air am 6. Juni stattfinden soll: Tanja Krüger, Sebastian Kauz, Julia und Matthias Büttner (von links). © Foto: Thomas Weichert


Es ist ein seltener Anblick im Stadtrat Waischenfeld: Der Sitzungssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS) ist beeindruckt: "Wir wünschen uns immer, nicht alleine dazusitzen." Dann wird er ernst — wie es dem Thema angemessen ist: "Es geht heute darum, heimatnahe Wohnmöglichkeiten für Menschen zu schaffen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen."

Was das im Klartext bedeutet, erklärt Claus Hempfling. Er will in Waischenfeld Wohnungen für behinderte Menschen einrichten. Er sagt: "Alle reden immer von Inklusion, aber keiner tut etwas dafür." Ein Eindruck, der sich für ihn erst mit dem Einsatz der Stadt Waischenfeld geändert habe.

Zwei Kinder mit Defiziten

Hempfling ist Vater zweier schwerbehinderter Kinder, Pflegegrad vier. Die Krankenkassen definieren das als "schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit". Auch Tanja Krüger spricht in der Sitzung über ihren dreijährigen Sohn: "Er hat es nicht ganz leicht mit seiner Behinderung. Wir wissen nicht, wohin der Weg geht."

Genau für diese Menschen will die Gruppe um Claus Hempfling — zu der neben Tanja Krüger unter anderem auch JW-Stadträtin Maria Ritter gehört — Angebote schaffen. Der Wohnraum in der Gegend sei für Behinderte knapp, rechnet Hempfling am Beispiel von Bayreuth vor. In der Behinderten-Werkstatt gebe es 400 Arbeitsplätze. Wohnmöglichkeiten für diese Menschen in Bayreuth: 100. Betroffene müssten deshalb häufig in Nürnberg oder gar Regensburg eine Wohnung suchen.

"Ich will nicht, dass unsere Kinder das tun müssen. Es ist ein Unding", sagt Hempfling. "Ich lerne von ihnen jeden Tag mehr, als sie von mir."

Damit es nicht so weit kommt, habe er vor einigen Monaten eine Mail an die Stadt geschrieben, Betreff: Hirngespinste. "Mehr war das zu dem Zeitpunkt auch nicht", sagt Hempfling. "Ich war eigentlich mit meinem Latein am Ende." In der E-Mail stellte er sein Konzept "Wir sind alle gleich" vor, das auf drei Säulen steht: Wohnen, Arbeiten, Freizeitgestaltung.

Aus Konzept wird ein Projekt

"Diese Menschen wollen das, was wir auch wollen", erklärt Claus Hempfling die drei Säulen. Dass aus dem Konzept nun ein Projekt werden kann, sei Bürgermeister Pirkelmann zu verdanken, sagt er: "Seine Unterstützung war fantastisch."

Aber auch von Vereinen und politischen Gruppierungen außerhalb des Rathauses sei das Echo durchgehend positiv. Unter anderem vom Sportverein Bavaria Waischenfeld sei das Signal gekommen, Menschen mit Beeinträchtigung stärker einbinden zu wollen.

Die größte Herausforderung sei die Wohnsituation, erklärt auch Pirkelmann: "Wir müssen jetzt einen Betreiber für die Umsetzung finden." Hempfling will so weit wie möglich weg von dem typischen Wohnheim, hin zu freieren Formen des Zusammenlebens. Sei das nun eine Wohngruppe oder eine Pärchenwohnung.

Um der Bevölkerung die Pläne näherzubringen, soll ein Festival stattfinden, erklären im Anschluss Stadträtin Maria Ritter und Sebastian Kauz.

Die Kosten für Fußball, Kinderschminken, Bands und die Versorgung schätzen die beiden auf rund 5000 Euro. In der Sitzung bitten sie den Stadtrat um finanzielle und organisatorische Unterstützung.

Starker Applaus

Sowohl Konzept als auch Festival kommen gut an im Saal. Diese, werden mit lautem Applaus bedacht. Nicht nur Pirkelmann macht sich für das Projekt stark, auch von den Stadträten kommt kein Widerspruch.

CSU-Stadtrat Franz Schroll fasst es so zusammen: "Wir haben schon Geld für deutlich sinnlosere Sachen ausgegeben." Schließlich stimmt der Stadtrat ohne Gegenstimmen zu: Es gibt 5000 Euro für das Festival. Außerdem wird die Stadt als Veranstalter auftreten und Claus Hempfling auch bei den sonstigen Bemühungen für sein Projekt unterstützen.

Edmund Pirkelmann ist offensichtlich stolz, als er Hempfling ansieht und sagt: "Jetzt könnt ihr loslegen!" Die Idee sei von den Eltern gekommen, sagt Pirkelmann: "Wir hatten nur das offene Ohr dafür." Die Planungen, sagt Sebastian Kauz, seien schon fortgeschritten: "Wir haben auch schon Bands gebucht."

Die Zeit drängt: Das Festival soll am 6. Juni auf dem Hof der Grundschule und dem Bischof-Nausea-Platz stattfinden.

JULIAN SEIFERTH

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Waischenfeld