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Ein Gefühl wie beim Verlust der Heimat

In Notlagen werden die Pegnitzer zu einer großen Familie - Brandopfer bedanken sich bei allen Helfern - 09.02.2019 10:27 Uhr

Nur mit Hilfe eines Abrissbaggers konnte die Feuerwehr den Brand löschen Von den Wohnungen blieb nichts übrig als der Türstock am Eingang. © Reinl


Es gibt Schicksalsschläge, die ziehen einem den Boden unter den Füßen weg. Der Brand im Pegnitzer Ärztehaus zählt sicher dazu, auch wenn Gottlob keine Menschen verletzt worden sind. Plötzlich überhaupt nichts mehr von dem zu besitzen, was man sich im Leben mühsam aufgebaut hat, muss fürchterlich sein. Für ein junges Paar, das mit einem Kind gerade zur Familie geworden ist, genauso, wie für einen Rentner, der nach 75 erlebnisreichen Jahren all seine liebgewordenen Erinnerungsstücke verliert.

Kein Dokument mehr, kein Bild an der Wand, kein Foto aus der Jugendzeit, kein Spielzeug für das Kind, kein Kleidungsstück, keine Schuhe, kein Geschenk von guten Freunden, keinerlei Hausrat, keine Adressen mehr und keine Telefonnummern, kein PC, kein Handy, nichts. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, angesichts der Lastwagenladungen, die auf die Deponie gefahren wurden. Das muss sich anfühlen wie der Verlust der Heimat.

Da ist es wichtig, Rückhalt in der Familie zu finden, Anteilnahme von Freunden und Solidarität einer ganzen Stadt. Der Sohn des Rentners hat es in der Facebook-Gemeinde "Ich bin ein Pegnitzer..." auf den Punkt gebracht: "Man kann über uns Bengatzer sagen, was man will. Wir diskutieren über Themen, die keinen Menschen interessieren. Wir schimpfen über Sachen, die total belanglos und sinnlos sind. Aber: Wenn irgendwas passiert oder Menschen Hilfe brauchen, sind die Bengatzer eine Familie. Es ist Wahnsinn, wieviele Geld oder Sachspenden angeboten haben. Mein Vater und ich können nur Danke sagen. Auch Danke an alle Rettungskräfte, die an diesem Tag über sich hinausgewachsen sind. Ich bin stolz, ein echter Bengatzer zu sein."

Rührende Szene

Schicksalsschläge schweißen zusammen. So war es rührend, mitzuerleben, wie sich die junge Familie im Krankenhaus bei ihrem Nachbarn dafür bedankt hat, dass er sie frühmorgens aus der Wohnung geklingelt und ihr so vielleicht das Leben gerettet hat. Sie erzählten, dass ihnen viele Adressen genannt worden sind und sie in einer Ferienwohnung Unterschlupf finden.

Selbstlos boten sie Hilfe für den Rentner an: "Wenn Sie nichts finden, treten wir die Ferienwohnung gerne ab und suchen uns was anderes."

Das ist dann doch nicht nötig, ist doch der 75-Jährige gut versorgt. Das Schlimmste aber ist für den Alleinunterhalter der Verlust seiner steirischen Harmonikas. Wollte er im ersten Schock seine Karriere noch abrupt beenden, so fasste er bald wieder neuen Mut: "Ich glaube, ich fahr` doch raus zum Preissinger nach Bronn und hol’ mir ein neues Instrument."

Viele Pegnitzer, denen er Geburtstage und Jubiläen ausgestaltet hat, würden das begrüßen. Auch die Feuerwehr, der er einst musikalisch Dank sagte, als sie bei Hochwasser mitten in der Nacht den Keller des Ärztehauses ausgepumpt hat. Wenn er wieder eine Quetsch’n hat, wird er gewiss wieder für sie spielen. Es würde ein tolles Erlebnis, da sind wir uns sicher. 

ISI REINL

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