„Ein Psalm kann im täglichen Leben unheimlich helfen“

6.2.2015, 17:55 Uhr
Das Buch von Pater Fidelis Ruppert, der bis 2006 Abt im Kloster Münsterschwarzach gewesen ist, gibt Wolfgang Ziebell eine große Hilfestellung für das christliche Handeln im Alltag.

Das Buch von Pater Fidelis Ruppert, der bis 2006 Abt im Kloster Münsterschwarzach gewesen ist, gibt Wolfgang Ziebell eine große Hilfestellung für das christliche Handeln im Alltag. © Foto: Michael Grüner

Um es vorwegzunehmen: Der 62 Jahre junge Obmann ist ein höchst aufgeschlossener Gesprächspartner. Jung schon allein deshalb, weil fast drei Viertel der knapp 150 Sodalen der Auerbacher MMC älter als 70 Jahre sind. Und Ziebell will sich als Nachfolger des 79-jährigen Richard Lehner, der die Kongregation 35 Jahre lang führte, auf den Weg machen, neue Mitglieder zu finden. Mitstreiter für einheitliches Leben und Glauben, das den ignatianischen Grundsätzen entspricht, nämlich Gott zu suchen und zu finden. Alles abstrakt? Keineswegs. In jedem Alltag, in jeder Familie, an jedem Arbeitsplatz gibt es Konfliktsituationen. Und der christliche Glaube kann dabei helfen, diese zu lösen.

Nein, ein „Heiliger“ muss man dazu nicht sein. Aber die Bereitschaft, sich mit dem Inhalt von Gebeten zu beschäftigen, ist an sich die Grundlage. „Ein Psalm kann im täglichen Leben unheimlich helfen“, gibt sich Ziebell überzeugt. Und fügt hinzu: „Man muss allerdings auch bereit sein, sich darauf einzulassen.“ Hilft beten in der Kongregation, ein besserer, weil christlicher, Mensch zu sein? „Beten hilft grundsätzlich immer, aber dem Beten müssen auch Taten folgen“, korrigiert Ziebell. Und mit christlichen Werten sei es oft einfacher, Konflikte zu lösen oder zumindest persönlich zu bewältigen. Und die MMC sieht ihre Ziele nicht allein in der Verehrung der Gottesmutter Maria, sondern auch als Gemeinschaft, die zusammensteht und sich für die Allgemeinheit einsetzen will.

Wolfgang Ziebell stammt aus Pressath und ist seit 1974 in Auerbach verheiratet. Mit seiner Frau Elisabeth hat er vier inzwischen erwachsene Kinder. Der 62-Jährige ist Chemieingenieur und hat Druckfarben entwickelt, die durch die ultraviolette Strahlung in Bruchteilen von Sekunden trocknen. Auf Verpackungen zum Beispiel. Bis vor anderthalb Jahren war Ziebell für verschiedene Arbeitgeber in der halben Welt unterwegs, um Gespräche mit Konzernen zu führen, die Interesse an der Verwendung solcher Farben hatten.

Wie kommt man in solch einem Job dann zur Marianischen Männerkongregation und zur Überzeugung, als Sodale nach deren Zielen zu leben? Im Grunde war es der Schwiegervater. Und das war 1999. „Du gehst doch in die Kirche“, hatte der zu seinem Schwiegersohn Wolfgang gesagt. Und wenig später kam auch schon Obmann Lehner mit einem Aufnahmeformular vorbei. „Vorher war ich damit überhaupt nicht befasst“, sagt Ziebell ganz offen.

„War wie ein Klick für mich“

Geprägt hat den neuen Obmann, eigenen Aussagen zufolge, ein Bericht in der FAZ. Das war vielleicht vor zehn Jahren, erinnert er sich zurück. Es ging darin um die Themen Leben und Tod und all das, was danach kommt. „Das war wie ein Klick für mich, wie wenn der Heilige Geist auf mich gewirkt hätte“, sagt Ziebell heute. Und er war noch mehr überzeugt als vorher schon: „Ich will ein christliches Leben führen.“ Schließlich verlange der Tod ja auch Rechenschaft vor Gott über das eigene Leben.

Lebenslauf für den Alltag

Viel für sein christlich geprägtes Leben und vor allem Hilfe im täglichen Leben bei der Bewältigung von Konflikten hat Ziebell das Buch von Pater Fidelis Ruppert gegeben, der bis 2006 Abt im Kloster Münsterschwarzach gewesen ist. Dessen „Benediktinischer Lebenslauf für den Alltag“ war quasi wie ein Leitfaden zur Selbstfindung. Und zur Konfliktbewältigung, die auch im Leben von Wolfgang Ziebell eine Rolle spielt. Es habe Dinge in seinem Leben gegeben, die dazu geführt hätten, sich mehr dem Glauben zuzuwenden. „Viele Menschen haben im Alltag Konflikte“, sagt er. Das kann von Problemen mit den eigenen Kindern bis hin zu Mobbing am Arbeitsplatz gehen. Ganz „weltliche Dinge“ quasi.

Und Ziebell hat gelernt: Die Bereitschaft zum christlichen Leben muss aus Überzeugung kommen, ohne Druck von oben oder außen. Nicht so wie früher, als er als Bub — er hatte übrigens sieben Geschwister — von der Mutter zur Sonntagsmesse geschickt wurde. Wer kennt das nicht selbst? Der junge Wolfgang war sicher nicht der Einzige, der als Jugendlicher dann schon mal beim Frühschoppen saß, anstatt — wie von der Mutter verlangt — in der Kirche.

Jugend tickt anders

Ziebell schließt keineswegs aus, dass nicht auch die Jugend für das Thema Gott zu haben ist. „Sicherlich, das geschieht auf einem anderen Weg. Aber denken Sie mal an den Kirchentag.“ Und auch in der MMC gebe es jüngere Christen, im Alter zwischen 30 und 60 Jahren zum Beispiel, die das christliche Leben wollen. Und dazu gehört für Ziebell nicht nur das Lösen von Konflikten, sondern auch die Bekämpfung von Versuchungen und Leidenschaften, vor allem dann, wenn sie sich zu reinen Begierden entwickeln und das tägliche Leben negativ beeinflussen. Ziebell überzeugt: „Mit Christus als dem eigentlichen Kämpfer und Maria als Helferin gelingt es, die Attacken von außen und innen zu besiegen. Die Konflikte werden geistlich im Sinne Gottes und Jesus’ bekämpft.“

Persönlich ansprechen

Der Begriff Sodale, also Mitglied bei der Marianischen Männerkongregation, bedeutet für den neuen Obmann nicht nur Gefährte oder Freund, sondern auch „Soldat Christi Jesu sein“. Und Wolfgang Ziebell hat es sich fest vorgenommen, durch persönliche Gespräche oder Einladungen Menschen für die Kongregation zu gewinnen, die es in Auerbach seit mittlerweile 60 Jahren gibt. Mit aktiver Begleitung vor einer möglichen Aufnahme sei es möglich, auch Gegenargumente zu entkräften.

Zu Gesprächen nutzen

Die Konvente der MMC, in der Regel sind es drei pro Jahr, will Ziebell künftig mehr als „Dialogforum“ ausrichten, bei dem — durchaus auch anonym — über persönliche Konflikte gesprochen und Hilfestellung über geistliche Quellen gegeben werden kann. Bisher überwogen die Referate bei diesen Treffen der Sodalen.

Vorgänger Richard Lehner hat Ziebell vor etwa zwei Jahren angesprochen, ob er die Aufgabe des Obmannes übernehmen möchte. Und der 62-Jährige hat sich mit seiner Entscheidung Zeit gelassen und auch vorher im Kloster Speinshart das Gespräch mit Pater Benedikt gesucht, um zu prüfen, ob er diese Pflicht erfüllen könne. Das Amt wurde Ziebell vor wenigen Tagen offiziell übertragen.

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