Sonntag, 18.04.2021

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Eine Herzensangelegenheit: Siegritzberger Gastwirtin kümmert sich um alte Kapelle

Seit 10 Jahren pflegt Dagmar Düngfelder die Siegritzberger Marienkapelle - 03.02.2021 05:55 Uhr

Seit einer Dekade kümmert sich Dagmar Düngfelder um die schmucke Marienkapelle in Siegritzberg. Den Ständer für Kerzen gibt es erst seit vergangenem Herbst. Einheimische wie Wanderer nutzen ihn gerne.

02.02.2021 © Foto: Rosi Thiem


Im vergangenen Herbst kam Düngfelder die Idee, einen Kerzenständer aufzustellen. "Nun kommen Wanderer, aber auch die Einheimischen, zünden eine Kerze an und verweilen in unserer Kapelle", berichtet die engagierte Frau. "Ich freue mich immer, wenn ich reinkomme, und es ist wieder eine neue Kerze angezündet. Wenn ich irgendwo im Urlaub bin, mache ich es genauso."

Die Kapelle pflegt sie seit 2011, als sie diese Aufgabe vom Ehepaar Babette und Ferdinand Klaus übernommen hat. Die Marienkapelle selbst steht schon seit 1911. "Vor dieser Zeit versammelten sich die Ortsbewohner zum Beten bei einem Holzkreuz, welches beim Brunnen in der Dorfmitte stand. Aber sie wollten bei schlechtem Wetter ein Dach über den Kopf haben, deshalb wurde 1911 der Beschluss gefasst, eine Kapelle zu bauen", erzählt Düngfelder.

Das Baugrundstück von Adam Dormann wurde dazu gegen ein anderes Grundstück der Ortsgemeinschaft getauscht. Die Ortsbewohner kamen für die Kosten auf und leisteten fleißig Hand- wie Spanndienste. Aus Plankenfels kam Maurermeister Schreiber; Zimmermeister Engelhard aus Hollfeld errichtete die Gebetsstätte. Im gleichen Jahr wurde die schmucke Ortskapelle fertiggestellt und am 9. November 1911 vom einstigen Stadtpfarrer Spengler aus Waischenfeld eingeweiht.

Vom Waischenfelder Kaplan wurde fortan monatlich eine Heilige Messe gefeiert, bis der Ort 1929 zur Pfarrei Hochstahl kam und von dort aus versorgt wurde. Seit 1934 gehört die Ortschaft zur Filialkirchengemeinde Breitenlesau. "1970 wurde umfangreich renoviert", berichtet Düngfelder. Hierbei wurden Dach und Turm abgerissen und Ringanker wegen großer Risse gesetzt. 1971 folgte ein neuer Außenanstrich, ein Volksaltar und Ambo kamen hinzu. 1981 entschied sich die Dorfgemeinschaft für eine neue Bestuhlung. 2011 erfolgte die Erneuerung des Eingangsbereiches. Im vergangenen Jahr wurden die spitzbogigen Fenster neu verglast.

"Vor fast 30 Jahren – 1994 – erhielten wir ein elektrisches Geläut", berichtet sie. Diese Glocke läutet bis heute dreimal täglich zum Gebet. "Der historische Kreuzweg ist von Anfang an hier, ebenso das Holzprozessionskreuz mit Korpus." Rechts neben dem Altar wacht der Heilige Wendelin und links der Heilige Josef mit Jesukind aus dem Jahr 1917.

Die 110 Jahre alte Dorfkapelle ist der Mutter Gottes geweiht. Diverse Heiligenfiguren sorgen für Gemütlichkeit.

02.02.2021 © Foto: Rosi Thiem


Die geräumige Kapelle besitzt eine Empore. Viele Siegritzberger Kinder wurden hier getauft, erinnert sich Düngfelder, was nun wegen des fehlenden Taufsteines nicht mehr möglich ist. Wenn aber Gottesdienste oder Andachten stattfinden, seien diese von den gut 100 Ortsbewohnern rege besucht. "Ich denke da nur an die Dankgottesdienste zu Silbernen und Goldenen Hochzeiten und die Maiandachten."

Gerhard Richter ist der Vorbeter. Für die verstorbenen Ortsbewohner gibt es ein Rosenkranz-Gebet, und es wird extra geläutet. "Seit Corona wird es ruhig hier", bedauert die Helferin. Umso mehr freut sie sich, wenn sie mit ihren Enkelkindern Station in der Kapelle macht: "Mit ihnen spreche ich ein Gebet, und wir zünden gemeinsam eine Kerze an. Das ist für die Kinder etwas ganz Besonderes."

Zufriedenes Heimatsgefühl

Vor 30 Jahren hatten Unbekannte ohne Grund die Glocken geläutet, erinnert sie sich. "Es wurde, Gott sei Dank, nichts kaputt gemacht." Das sei aber bisher das einzige Mal gewesen, dass dort jemand seinen Übermut ausgelebt hat. "Wenn Gottesdienst ist, ist er immer gut besucht. Ich freue mich, wenn wieder öfter einer wäre", sehnt sich Düngfelder nach Normalität. Bis dahin sperrt sie gerne von Donnerstag bis Sonntag die anmutige Kapelle morgens auf und abends zu. Sie schaut, ob alles sauber ist und nach den Blumen.

Düngfelder ist es eine Herzensangelegenheit, diesen Dienst zu tun. Zwischendrin wäscht sie die Altardecken und es überkommt sie ein zufriedenes Heimatgefühl, das ihr nicht mal Corona nehmen kann. "Das gehört dazu, auch dass wir in der Dorfgemeinschaft zusammenhalten", ist die Gastwirtin überzeugt und richtet flugs die behagliche Lichterkette mit den warmen Lichtern neu aus. "Ich hoffe, dass wir das alles überstehen. Der Glaube gibt mir Ruhe."

ROSI THIEM

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