Sonntag, 16.05.2021

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Einkaufen, Operation, Familien-Besuch: Warum sich Pegnitzer testen lassen

Reportage im Corona-Schnelltest-Zentrum zeigt die Motivation von Getesteten und Testern. - 18.04.2021 17:59 Uhr

Jeder Corona-Schnelltest erhält von Hermann Neubigs  Assistent Stefan Arnold (von rechts) eine eigene Stoppuhr, mit der die 15-minütige Wartezeit überprüft wird.

18.04.2021 © Ralf Münch


Die Stimmung der Rot-Kreuzler vor Dienstbeginn ist gelöst. Sie wissen, dass sie sich durch den direkten Kontakt mit den fremden Menschen, die sich ihnen gleich nähern werden, in Gefahr bringen; sie sich infizieren könnten. Dennoch machen sie Witze und scherzen, während einer von ihnen die Schutzkleidung anlegt: Dazu gehören unter anderem drei Paar blaue Gummi-Handschuhe. Das erste Paar klebt Hermann Neubig mit Panzertape an seinen Armen fest. Dann folgt das zweite Paar: In den nächsten zwei Stunden wird er es etwa 40 Mal desinfizieren und es kurz trocknen lassen. An diesen Handschuhen wird dann auch der gelbe Schutzanzug, den er über seiner BRK-Kleidung trägt, festgeklebt. Zu guter Letzt streift er Handschuhe in der Größe XL über, die er nur ein paar Minuten tragen wird, und setzt sein Gesichts-Visier auf. So empfängt er bereits 20 Minuten vor der offiziellen Öffnung des Foyers der Wiesweiherhalle die erste Probandin, die zum Nasen-Abstrich kommt.

Nachdem diese sich bei Laura Ansorge angemeldet hat, führt Neubig sie entlang der hölzernen Stellwand zur Testkabine aus weißem Stoff. "Wir sind auf den Datenschutz bedacht und schirmen die Leute, die sich hier testen lassen, bestmöglich von den anderen Menschen ab", erklärt der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter Bernd Neukam. So kommt es, dass die Probanden sich nur im Wartebereich sehen. Das Testergebnis erhalten sie abseits der anderen Anwesenden einzeln in der großen Halle. "Wir haben es Ihnen hier oben angemarkert", sagt Cornelia Lottes an diesem Nachmittag diskret 70 Mal. An den bisher sechs Tagen mit insgesamt 454 getesteten Bürgern ist glücklicherweise noch niemand positiv auf das Corona-Virus abgestrichen worden. Und auch an den Tests am Wochenende kommt keine positiv getestete Person hinzu. Auch von den ehrenamtlichen Helfern, die vor Schichtbeginn ebenfalls getestet werden, hat es bislang noch keinen Hinweis auf eine Infektion gegeben. Ihre Zahlen finden sich aber nicht in der Statistik wider, sie werden gesondert erfasst.

Helferin kommt auf Abruf

Als der Pegnitzer Bereitschaftsleiter Tobias Seeser bemerkt, dass gegen 17 Uhr schon mehr zu testende Personen vor Ort sind als erwartet, tätigt er einen Anruf und kleidet sich selbst ein, um an einer zweiten Station Abstriche vorzunehmen. Innerhalb von 20 Minuten ist Julia de la Gala in der Wiesweiherhalle und assistiert ihm. "Ich habe sowieso Urlaub und bin für heute Nachmittag auf Abruf. Zu Hause habe ich fern gesehen, als der Anruf kam", sagt sie, während sie ein Päckchen mit einem Schnelltest aufreißt und auf die Arbeitsfläche vor sich legt. Wenn Seeser den Nasen-Abstrich an der nächsten Person vorgenommen hat, reicht sie ihm das Teströhrchen mit der Flüssigkeit, in das er das lange Wattestäbchen steckt. Sie stellt es dann in ein Metallgerüst der Marke Eigenbau und kümmert sich um den weiteren Ablauf des Corona-Schnelltests: Flüssigkeit auf die Kassette träufeln, Timer einstellen, andere Uhren überwachen und mit einem ihrer anderen Kollegen die zeitlich abgelaufenen Test auswerten. "Stefan, schau", sagt sie zu Stefan Arnold, der auf der anderen Seite des Tischs Hermann Neubig assistiert. "Negativ", sagt er und sie kreuzt das Testergebnis auf dem Dina5-Zettel an, bevor sie ihn in die Schachtel legt, von wo ihn Cornelia Lottes abholt. Auf dem Rückweg bringt de la Gala für Seeser das nächste Paar Handschuhe mit und hilft ihm, es anzuziehen, weil die zweite Schicht noch etwas feucht vom Desinfektionsmittel ist. Aus Neubigs Kabine nebenan hört sie derweil "Was, schon fertig? Ich dachte, der Abstrich ist schlimmer" von einem Mann. Als er heraus kommt, entgegnet de la Gala ihm gut gelaunt: "Wir sind darin ausgebildet, den Abstrich extra zärtlich zu machen."

Obwohl sich vor der Halle viele Pegnitzer anstellen, bleibt das BRK-Team entspannt und lässt sich nicht stressen. "Das hier ist eine ganz andere Arbeit als wenn man mit dem Rettungswagen zu einem Unfall kommt", erklärt Hermann Neubig, der seit 35 Jahren im Roten Kreuz aktiv ist und schon beide Corona-Schutzimpfungen erhalten hat. Die Getesteten seien sehr nett und brächten Zeit mit, das erleichtere die Arbeit, sagt er, während er den Stuhl desinfiziert, auf dem gerade noch ein Proband für den Abstrich saß. Und auch die Gemeinschaft in der Rot-Kreuz-Gruppe sei gut. Die Helfer stimmen sich bei jedem Einsatz im Test-Zentrum aufeinander ab, weil die Zusammensetzung immer unterschiedlich ist.

Bei Laura Ansorge registrieren sich die Bürger zum Schnelltest. Das Bayerische Rote Kreuz empfiehlt, einen eigenen Kugelschreiber mitzubringen.

18.04.2021 © Ralf Münch


Wenn der Abstrich erfolgt ist, begeben sich die Bürger weiter in den Warteraum. Dort stehen mit ausreichend Sicherheitsabstand Stühle bereit, aus einem Lautsprecher kommt Musik und ein paar der Wartenden unterhalten sich. An diesem Nachmittag bemerkt Tobias Seeser, dass die Sitzgelegenheiten schnell belegt sind. Deshalb öffnet er die Tür in Richtung Park, damit die Getesteten in den Ausgangsbereich ausweichen können. Dann erfolgt der Aufruf über den Lautsprecher: "Nummer 232 bitte."

Negativer Test für den Fahrradkauf

Einer von ihnen ist Marcus Kopp, der mit seinem Sohn Jannis gekommen ist. "Wir wollen am Samstag ein Fahrrad kaufen, dafür brauchen wir einen negativen Test", sagt der Pegnitzer, der zum ersten Mal auf das Corona-Virus getestet worden ist. "So schlimm war es gar nicht", gibt er zu. Sein Sohn ist Grundschüler und hatte in dieser Woche schon zwei weitere Tests. Unter den Wartenden befindet sich außerdem Werngard Lanzendörfer. Auch sie wurde an diesem Tag erstmals getestet: "Ich werde bald operiert und will auf Nummer sicher gehen, dass ich nicht infiziert bin", sagt die Seniorin. Sie meide in der Pandemie die Kontakte zu anderen Menschen weitgehend und gehe nur einkaufen. "Ich finde es super, dass es so viele Freiwillige gibt, die sich um die Testungen kümmern. Es scheint ja doch mit einigem Aufwand verbunden zu sein", merkt sie an.

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Nachdem gegen 19 Uhr keine Testwilligen mehr zu sehen sind, fangen die Rot-Kreuzler an, ihre Sachen einzupacken, die Arbeitsflächen zu desinfizieren und aufzuräumen. Dafür brauchen sie etwa eine halbe Stunde. Am Dianafelsen werden sie nochmal eine Dreiviertelstunde brauchen, um die Arbeit zu dokumentieren. Und bereits am Samstagvormittag geht es weiter: zwischen 8.50 Uhr und 11.45 Uhr werden sie 89 Testungen durchführen. Und von 13.50 bis 17 Uhr weitere 65.

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