Dienstag, 20.04.2021

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Eiskalte Pflicht: was die Pegnitzer Bürger vor dem Winter wissen sollten

Nicht nur die Arbeiter vom Bauhof halten die Straßen frei von Schnee und Glätte, auch die Pegnitzer müssen dazu beitragen. - 04.11.2020 15:44 Uhr

Die Streufahrzeuge der Stadt Pegnitz werden derzeit von Mitarbeitern des Bauhofs – im Bild Manuel Schneider – gewartet und auf den Einsatz vorbereitet. Denn sollte es einen frühen Wintereinbruch geben, müssen sie bereit sein, um die Verkehrswege freizuräumen.

04.11.2020


An Werktagen muss der Gehsteig von sieben Uhr morgens bis acht Uhr abends kontinuierlich geräumt sein. An Sonn- und am Feiertagen dürfen die Bewohner immerhin etwas ausschlafen. Dann muss der Weg bis acht Uhr blank sein.

Wenn es glatt ist, muss der Gehsteig zudem mit stumpfen Stoffen bedeckt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Anwohner vor den Häusern Teppiche verlegen sollen. Vielmehr muss Sand oder Splitt auf die glatten Stellen gestreut werden. Auf Salz dürfen die Bürger nur in Ausnahmefällen zurückgreifen, etwa auf Treppen oder wenn der Gehweg abschüssig ist.

Die Amtssprache in Rechtsdokumenten und Verordnungen liest sich nicht nur sehr holprig, sondern ist auch teilweise unbarmherzig. Wer dieser Pflicht absichtlich oder aus Fahrlässigkeit nicht nachkommt, den kann nämlich eine Geldbuße von bis zu 1000 Euro erwarten.

Was sollen aber die Leute machen, die am Abend zum Schichtdienst aufbrechen oder alle Berufstätige, die tagsüber nicht den Gehweg freihalten können? Die Verordnung ist da ungnädig. "Jeder Bürger in einer Solidargesellschaft hat da eine Pflicht, die alle erledigen müssen. Das klingt jetzt erstmal furchtbar, aber ist in diesem Fall nun mal so", erklärt Stefan Reichel vom Ordnungsamt.

Eines Jeden Verantwortung

Ihm ist jedoch auch klar, dass man nicht fünfmal von der Arbeit nach Hause kann, nur um Schnee zu schippen, wenn dieser über den ganzen Tag fällt. Es gebe zwar Ausnahmefälle, in denen man bei der Stadt eine Befreiung von dieser Pflicht beantragen kann, aber allgemeine Berufstätigkeit fällt nicht darunter, dämpft Reichel Hoffnungen. "Ein solcher Extremfall wäre eher eine schwerwiegende Erkrankung", erklärt er.

Wer aus unterschiedlichen Gründen nicht die Zeit zum Schneeräumen hat, könne jedoch auf einfache Lösungen zurückgreifen, so Reichel: "Im Prinzip ist es wie mit der Hausordnung in einem Mietshaus. Wenn man auf Dienstreise oder im Urlaub ist, kann man da auch mit dem Nachbarn tauschen oder sich auch im familiären Umfeld absprechen."

Wie diese Pflicht erledigt wird, obliege den Bürgern selbst. Mithilfe von Absprachen in der Nachbarschaft, Familie oder mit Freunden sollte das jedoch machbar sein, ist Stefan Reichel überzeugt. Auf eine kostspieligere Lösung, wie die Beauftragung einer Firma, sollten die Bürger eher nicht zurückgreifen. Für die Kosten müssen sie nämlich selbst aufkommen, gibt er zu bedenken.

Die geräumten Eis- und Schneereste müssen so gelagert werden, dass der Verkehr nicht behindert oder gefährdet wird. Auf die Straße darf er also nicht und neben den Wegen sind auch Abflussrinnen und Hydranten frei zu halten. Wer hat, kann den Schnee über die Schulter in den Vorgarten schaufeln. Ansonsten bleiben 24 Stunden Zeit, die aufgeschobenen Haufen irgendwie zu entsorgen.

Winterdienst ist Stadtsache

Für die Räumung der Straßen sind jedoch wieder die Städte und Gemeinden zuständig. Die Stadt Pegnitz ist bereits jetzt auf einen frühen Wintereinbruch vorbereitet. "Die Bestände von Streumitteln sind schon aufgefüllt und gerade rüsten wir die Winterdienstgeräte auf", so Stefan Plößer vom Bauhof.

Wenn es dann schneit oder die Straßen glatt sind, würden zunächst die Bergstraßen und Schulbusstrecken sowie die Hauptverkehrsadern freigeräumt, beschreibt Plößer die routinierte Vorgehensweise. Sind alle wichtigen Verkehrswege frei, werden die weiteren Straßen geräumt.

Auch die Splittkästen, die vor allem an Steigungen und abschüssigen Straßen aufgestellt sind, werden derzeit nachgefüllt. "An denen können sich auch Privatpersonen bedienen, vor allem jene, die am Hang wohnen", so der Mitarbeiter des Bauhofs.

Verordnungen von Städten und Kommunen, die sich teils unflexibel an die Bürger richten, ähneln sich in ihrem Kern sehr, da sich die meisten am Bayerischen Straßen- und Wegegesetz orientieren. Diese Verpflichtung der Bürger dient jedoch nicht dazu uns zu ärgern, sondern soll die Fußgänger vor Stürzen schützen. Oder um es im drastischen Amtsdeutsch auszudrücken: "Zur Vorbeugung von Gefahr für Leib und Leben."

OLIVER HAAS

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