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Sonntag, 15.09.2019

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Eklige Bettwäsche herausgefischt

Vor dem Archeladen in Auerbach stellen Unbekannte immer wieder mal viel Müll auf der Treppe ab - 05.09.2019 16:00 Uhr

Die abgegebenen oder abgestellten Gegenstände und Kleidung sind nicht immer in einem brauchbaren Zustand. Manchmal wird auf die diese Art und Weise Müll entsorgt. Was im Archeladen (Bild) angeboten wird, ist jedoch in Ordnung. © Sabine Rühl


Eine von ihnen ist die Rentnerin Lotte Mura, die in der Nähe des Archeladens wohnt und dort jeden Tag vorbeischaut. Der Archeladen, in dem Menschen einkaufen können, die auf günstige Dinge angewiesen sind, befindet sich im Hochhaus an der Hans-Böckler-Straße.

Katastrophale Zustände

Doch die abgegebenen oder abgestellten Gegenstände und Kleidung sind nicht immer in einem brauchbaren Zustand. Manchmal wird auf die diese Art und Weise Müll entsorgt – wie im Frühsommer. "Drei Wochen war es besonders schlimm. Es hat katastrophale Zustände angenommen", berichtet Mura, die für die Kleiderkammer zuständig ist. Nahezu jeden Tagen seien Kartons, Schachteln und Säcke voller Unrat vor der Tür gestanden. Ihr Eindruck war, dass die Sachen aus einer Messie-Wohnung stammten.

Die Mitarbeiterinnen des Archeladens fragten die Bewohnern des Hochhauses, ob sie etwas bemerkt hätten. Doch keiner habe die unbekannten Müllablader gesehene. "Vermutlich kamen sie spät in der Nacht und stellten die ganze Treppe voll", sagt Mura.

Das Problem mit dem Müll trete in Etappen auf. "Ich kenne das seit Jahren." Es gebe Zeiten, in denen nur wenig Abfall zu finden sei. Dann wiederum kommen Tage, an denen schubweise Abfall vor der Tür liege. Und was aus den Karton und Säcken zum Vorschein kommt, ist selbst für die nicht zimperliche Lotte Mura ("Ich bin hart im Nehmen.") nur schwer erträglich.

Einmal war es ein halbes Pfund Fleischsalat. "Das war wirklich eklig." Sie erinnert sich an einen Sack mit ungewaschener Bettwäsche ("Wie lang waren die Leute wohl darauf gelegen") mit allen Gebrauchsspuren. "Ich mach den Sack auf und lang voll in die Sauerei rein."

Auch Sportschuhe, die noch den Dreck vom Sportplatz an den Sohlen haben, oder Messer, Gabeln und Löffeln mit Essensresten gehören zu den Dingen, die im Archeladen gelandet sind.

Ziemlich übel waren sieben, acht mit Müll vollgestopfte Säcke, die ein Vermieter abgelagert hatte. Dieser konnte aufgrund von Papieren in den Säcken identifiziert werden. "Wir haben mit einer Anzeige gedroht. Wir sind doch nicht die Müllkippe von Auerbach", sagt Mura. "Wir können gern gelegentlich mit einer Streife am Archeladen vorbeifahren", erklärte Polizeihauptkommissar Hörl von der Polizeiinspektion Auerbach auf Anfrage. Regelmäßige nächtliche Kontrollfahrten seien hingegen nicht möglich, denn Vorrang hätten andere Aufgaben. Einen Tipp hat Hörl für die Verantwortlichen des Archeladens: "Sie könnten, wenn es rechtlich möglich ist, eine Kamera anbringen." Damit ließe sich feststellen, wer wann welchen Müll gebracht habe.

Ärgerlich sei es, wenn eigentlich noch gutes Besteck oder Geschirr verstaubt oder verdreckt abgegeben werden. "Wir haben nicht die Zeit zu spülen." Die Leute würden die Sachen einfach weghaben wollen. Den Mitarbeiterinnen des Archeladens bleibt in bestimmten Fällen nichts anders übrig, als sich selbst um die Müllentsorgung zu kümmern. Manche werden mit nach Hause genommen und in die Mülltonne gesteckt. Recyclingfähige Dinge, wie zum Beispiel Metallpfannen, bringe man zum Wertstoffhof der Stadt Auerbach.

Es ist ein unnötiger Aufwand, den die Ehrenamtliche leisten, wenn den Menschen das Bewusstsein dafür fehlt, welche Artikel und Kleidungsstücke für den Archeladen brauchbar sind und welche nicht.

Für Werner Gradl, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Auerbach, ist es unverständlich, dass Menschen ihren Müll nicht auf normalen Weg entsorgen. "Wir haben einen Wertstoffhof, zu dem jeder Zugang hat", sagt er. Zudem gebe es für den Restmüll die Möglichkeit, blaue Säcke zu kaufen. Diese werden von der Müllabfuhr bei ihren normalen Touren mit entsorgt. Die Stadt Auerbach selbst habe im Fall Archeladen keine Handhabe. "Solche Typen suchen den einfachsten Weg, die muss man auf frischer Tat ertappen", betont Gradl.

InfoÖffnungszeiten Wertstoffhof Auerbach: Samstag: von 9 Uhr bis 12 Uhr; Dienstag: während der Winterzeit von 14 Uhr bis 17 Uhr und während der Sommerzeit von 15 Uhr bis 18 Uhr: Freitag: während der Winterzeit von 9 Uhr bis 17 Uhr und während der Sommerzeit von 10 Uhr bis 18 Uhr. 

HANS-JOCHEN SCHAUER

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