Elisabeth Pschorn: "Wir haben heute eine ganz andere Art von Schule"

28.7.2017, 08:28 Uhr
Hat nichts bereut und würde alles noch einmal so machen: Elisabeth Pschorn. Die langjährige Lehrerin an der Graf-Botho-Schule Pottenstein geht in den Ruhestand.

Hat nichts bereut und würde alles noch einmal so machen: Elisabeth Pschorn. Die langjährige Lehrerin an der Graf-Botho-Schule Pottenstein geht in den Ruhestand. © Stefan Brand

So selbstverständlich war das nicht, den Kinderwunsch mit Blick auf den Traumberuf auch Wirklichkeit werden zu lassen. "Noch heute bin ich meinen Eltern dafür dankbar", sagt Pschorn, die im September 64 wird und dann in die Freistellungsphase geht, ehe nächstes Jahr der offizielle Ruhestand wartet. Weil es für ihre Eltern, die aus dem Sudetenland vertrieben worden waren, ein finanzieller Kraftakt war, die Tochter aufs Gymnasium zu schicken und ihr noch ein Studium zu ermöglichen. An ihrem Wohnort Waischenfeld gab es kein Gymnasium. So musste sich nach Bamberg, zu den "Englischen Fräulein". Und lebte dort im Internat. "Einfach war alles nicht", sagt sie.

Das gilt auch für ihr Berufsleben: "Das hatte Höhen und Tiefen." Doch unter dem Strich überwiegen die positiven Erinnerungen. Auch wenn jede Menge Flexibilität gefragt war in diesen vier Jahrzehnten, "in denen ich den Wandel des Schullebens erlebte, wir haben heute eine ganz andere Art von Schule".

"Die Schüler leben heute in einer Medienwelt, das ist mit früher nicht vergleichbar." Das geht weiter bei den Eltern. "Heute sind halt oft beide Elternteile berufstätig, weil es nicht anders geht." Gott sei Dank" habe die Schule darauf reagiert. Mit offenen Ganztagesschulen, mit Nachmittagsbetreuung.

Da seien die Schüler "sinnvoll aufgehoben", sagt Pschorn, die fünf Jahre lang als Grundschullehrerin tätig war, ehe sie 1980 an die Hauptschule – heute Mittelschule – wechselte. Diesen Schritt hat sie nie bereut. "Ich sah es immer als das Ziel meiner Arbeit, junge Leute aufs Leben vorzubereiten, nicht nur auf den Beruf."

Eine strenge, aber gerechte Lehrerin sei sie gewesen, sagt Elisabeth Pschorn. Kinder bräuchten nun einmal Regeln. Etwas, was sie heutzutage in vielen Elternhäusern vermisst: "Da wird etwas angedroht bei einem bestimmten Fehlverhalten, aber in der Praxis dann nicht umgesetzt, das geht gar nicht." Probleme habe ihr diese Strenge nie bereitet. Die Schüler hätten das akzeptiert. Eine Eigenschaft sei unabdingbar für einen Lehrer: "Du musst Kinder mögen, du musst dich auf sie einlassen."

Das Bild der Haupt- und Mittelschulen in der Öffentlichkeit gefällt ihr nicht. Weil es so negativ besetzt sei. Deshalb wollte sie auch nie Schulleiterin werden: "Ich bin ein Fossil, bin vielleicht sogar die dienstälteste Konrektorin in ganz Oberfranken." Um eine Beförderung habe sie sich aus Überzeugung nie beworben. "Ich wollte immer eine Klasse haben, wollte nicht die ganzen bürokratischen Aufgaben an der Backe haben, die mit so einer Funktion verbunden sind."

"Ich habe fünf Schulleiter hier in Pottenstein erlebt, mit allen kam ich prima zurecht." Vor die letzten Jahre mit Karin Keller an der Spitze besonders gut verliefen, "das hat wohl auch was mit dem fraulichen Aspekt zu tun, das war einfach nur gut."

Künftig will sie sich verstärkt ihrer Gesundheit widmen – "darauf habe ich schon immer geachtet, auch deshalb wollte ich nie die Chefin sein" - und ihrem Faible für das Reisen und für die Kultur. Und da ist dann doch noch etwas, das sie bedauert: "Wenn du in Europa unterwegs bist, siehst du überall, welche Bedeutung die Religion und das Christentum für unsere kulturelle Entwicklung hatten.

Gerade auch in der Musik. Was wäre Bach ohne Religion." Und so findet sie es schade, dass religiöse Erziehung in vielen Familien kaum noch stattfindet. Auch das gehört zu dem Wandel, den sie in 40 Jahren Lehrerdasein miterlebt hat. Und trotzdem würde sie es noch einmal machen.

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