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Ende einer Pegnitzer Tradition: Löwen-Apotheke schließt

Wirtschaftliche Zwänge ließen Andreas Kroder keine andere Wahl - Seit 1908 in Familienbesitz - 10.07.2020 21:12 Uhr

Andreas Kroder (r.) schließt die Löwen-Apotheke Ende Juli. Seinen Eltern Inge (M.) und Siegfried Kroder (l.) können die Entscheidung nachvollziehen, doch das Ende tut ihnen weh. Das Bild entstand, als das Geschäft geschlossen war.

© Foto: Ralf Münch


Es ist ein Schritt, der den 45-Jährigen sichtlich schmerzt. Tränen schimmern in seinen Augen wenn er darüber spricht, weshalb ihm keine andere Wahl bleibt, als zu schließen. "Man stirbt an jedem Tag mit der Situation." Es seien verschiedene Ursachen, die letztlich alle zusammen das Aus der traditionsreichen Apotheke bedeuten, die erst Jahrzehnte an der Apothekengasse 1 ihren Sitz hatte und sich ab 1975 bis heute an der Hauptstraße gegenüber dem Alten Rathaus befindet.

Ein Hauptgrund für das Aus ist, dass Kroder künftig einziger Apotheker in der Löwen-Apotheke wäre. Bisher hat er sie zusammen mit seiner Mutter Inge geführt. Sie hielt ihm den Rücken frei, sodass er auch noch Privatleben hatte. "Ich hatte durch ihren Einsatz Zeit für meine Familie, konnte Urlaub machen und Arzttermine wahrnehmen. Ich bin ihr dafür unendlich dankbar." Diese Entlastung fällt künftig weg, denn Inge Kroder (78) will sich nun nach einem langen Berufsleben zurückziehen.

Sie hat die Apotheke von ihrem Vater Fritz Harteis 1975 übernommen und das Geschäft bis Ende 2016 geleitet, ehe Sohn Andreas in ihre Fußstapfen trat. "Ich habe meinen Beruf gerne gemacht", sagt sie. Sie und ihr Ehemann Siegfried, der ebenfalls als Apotheker mitarbeitete, konnten nur getrennt Urlaub machen, weil immer ein Apotheker anwesend sein musste.

Ohne seine Mutter als Stütze lasse sich die Apotheke nicht führen, meint Andreas Kroder: "Das größte Problem ist, dass ich das künftig alleine durchziehen müsste. Ich darf nie krank werden, kann bei Notdiensten das Haus nicht verlassen, muss ständig präsent sein." Einen Apotheker einzustellen, um ihn zu entlasten, gebe die wirtschaftliche Situation der Löwen-Apotheke nicht her. "Ein angestellter Apotheker trägt sich nicht." Die Umsätze seien schon seit Jahren zurückgegangen. "Die wirtschaftliche Lage wird nicht besser", glaubt Inge Kroder.

"Der Arzneimittelverkauf über das Internet durch Online-Apotheken schmälere den Umsatz. "Die dürfen Rabatte geben und bei uns streitet man sich darum, ob wir unseren Kunden ein Päckchen Taschentücher mitgeben dürfen", sagt sie.

Schwer zu schaffen gemacht haben dem Geschäft Baustellen. Wegen der Bauarbeiten auf der Nürnberger Straße vor drei Jahren sei die Anzahl der Kunden deutlich zurückgegangen. "Wir haben darum gebettelt, dass sie die Fahrzeuge wenigsten von der Schlossstraße nach links in die Innenstadt abbiegen lassen." Doch die Forderung wurde nicht erfüllt. "Das hat uns sehr geschadet", sagt Siegfried Kroder. Manche Kunden blieben nicht nur in dieser Zeit, sondern für immer fern. Auch die Corona-Pandemie habe sich negativ ausgewirkt. Der Medikamentenverkauf sei erheblich zurückgegangen. "Corona hat uns die Sichtweise eröffnet, dass die Dinge durchgeführt werden müssen. Der Zeitpunkt zu schließen, ist jetzt gekommen.

Vor fünf Jahren hätte die Familie Kroder die Chance gehabt, den Standort zu wechseln, der aus ihrer Sicht zu schlecht geworden war, weil er zu abseits lag und immer weniger Kunden die Pegnitzer Innenstadt frequentierten. "Wir wollten in das geplante Einkaufszentrum auf dem K&P-Gelände und hatten den Vertrag unterschrieben. Alles war zwei Jahre in der Schwebe, dann wurde doch nichts daraus", sagt Inge Kroder. Ihr tut das Aus der Löwen-Apotheke weh: "Das war mein Leben."

Ganz schlimm war es für Andreas Kroder, als er den beiden angestellten Mitarbeitern die Kündigung aussprechen musste. "Das war der schlimmste Tag meines Lebens." Auch Inge Kroder traf dies schwer. Eine Mitarbeiterin habe der Löwen-Apotheke seit 35 Jahren die Treue gehalten. "Sie war die Seele des Geschäfts." Die zwei Mitarbeiter haben bereits neue Jobs. Weshalb die Schließung statt wie geplant Ende November schon Ende Juli ist. Auch Andreas Kroder hat eine Stelle: Er fängt in der Franken-Apotheke an.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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